Südliches Afrika 2012.

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur
eine Seite davon (Aurelius Augustinus)

Von Anfang März bis Anfang August haben wir mit unserem, von Bremerhaven nach Port Elizabeth verschifften Allrad-Reisemobil die Republik Südafrika, Namibia, Botswana und Zimbabwe bereist. In 160 Tagen haben wir dabei 21.836 Kilometer zurückgelegt.

Ludwigsburg, 02.03.2012

Der Countdown läuft.... Am 22. Februar habe ich unseren Camper in Bremerhaven zur Verschiffung durch die Reederei Wallenius Willemsen nach Port Elizabeth abgeliefert. Am 24. sollte ihn die Queen Saphire mitnehmen, und ich hoffe, dass das auch geklappt hat.

"Ich hoffe" schreibe ich deswegen, weil die Reederei die Schiffe samt Abfahrtterminen zweimal geändert hat. Das ursprünglich geplante Schiff für den 19. Februar fiel aus. Als neuer Termin auf einem anderen Schiff wurde uns der 21. Februar genannt und schriftlich mit einer so genannten BHT-Nummer bestätigt. Doch plötzlich gab es auch damit Schwierigkeiten. Es war überbucht oder fuhr auch nicht. Ergebnis: Unser Sprinter sollte erst am 5. März mitgenommen werden.

Für uns hätte das erstens bedeutet, die Flugtickets umzubuchen - wir wären nach unserer Planung am Abgabetag des Sprinters schon in Südafrika gewesen. Und zweitens hätten wir in Südafrika dann fast drei Wochen mit einem Miet-Pkw rumrutschen müssen. Doch dank des Drucks, den Frau Uschi Berger vom Verschiffungs-Unternehmen Seabridge gemacht hat, bekamen wir noch einen Platz am 24. Februar.

Und so müsste unser Sprinter schon auf hoher See sein - wenn ihn das Verladepersonal im Hafen gefunden hat. Denn das Abstellen der Fahrzeuge im Überseehafen von Bremerhaven erschien mir so konfus, dass ich mich nicht wundern würde, wenn unser Sprinter noch immer auf dem Abstellplatz rumsteht, den man mir zugewiesen hat - mindestens 1.000 Meter vom Schiff entfernt zwischen einigen anderen Reisemobilen, die gerade ausgeladen worden waren. Aber die Einweiser haben mir versprochen, das würde alles computermäßig einwandfrei gesteuert. Nun ja, bei Containern klappt's, dann sollte es auch bei Ro-Ro-Transport möglich sein.

Am Samstag (3. März) fliegen wir von Stuttgart über London nach Kapstadt, wo wir am Sonntag gegen 06:15 ankommen sollen. Als erstes geht es dann mit dem Mietwagen zu Gudrun und Dieter, die in der Kap-Weinregion zwischen Stellenbosch und Franschhoek die Frühstückspension Orange-Ville betreiben. Dann zockeln wir gemütlich nach Port Elizabeth, um in dessen Hafen am 16. März unseren Sprinter in Empfang zu nehmen.

Südliches Afrika, Reisebericht 1/2012

Von wegen "Frühstückspension"... Da haben wir uns aber kräftig getäuscht. Gudrun, Dieter und Sohn Hardy Gloess betreiben mit dem Orange-Ville seit drei Jahren ein traumhaftes Viersterne-Guesthouse mitten in einer der malerischsten Ecken des südafrikanischen Weinlands nordöstlich von Kapstadt. Genauer: 300 Meter von der Verbindungsstraße von Stellenbosch nach Franschhoek entfernt, im fruchtbaren Banghoek-Valley direkt hinter dem Helshoogte-Pass. Kapstadt ist etwa 50 Kilometer entfernt, die bekannten Weinorte Paarl, Sommerset West oder Constantia sind in einer halben Stunde erreicht. Wie auch die Badeküste bei Strand oder Muizenberg. Das Besondere an Orange-Ville aber ist die familiär-freundschaftliche Atmosphäre, die hier herrscht. Kein Wunder, dass viele Gäste zum wiederholten Mal hier sind. Auch wir finden, dass es kaum einen schöneren Platz rund um Kapstadt gibt, um den Urlaub beginnen und enden zu lassen. Ganz sicher werden auch wir die letzten Tage, nachdem wir unseren Camper in Port Elizabeth zur Verschiffung nach Deutschland abgegeben haben, wieder hierher kommen.

Auf ihrem knapp 20.000 qm großen Grundstück mit Palmen, Obstbäumen, Rosengärten und vielen einheimischen Pflanzen verteilen sich das Haupthaus mit Frühstücks-Terrasse, Grillplatz und Pool sowie weitere drei flache Gebäude, in denen die Familie mit viel Liebe acht Zimmer eingerichtet hat - je nach Größe zwischen 55,00 und 85,00 Euro pro Person, benannt nach den Wildtieren des Landes. Wir logieren derzeit im blau eingerichteten Apartment Hippo - mit einem weiteren Pool direkt vor unserer Terrasse.

Kennengelernt haben wir die Gloessens während unserer MAN-Zeiten. Im Gegensatz zu uns haben sie ihr MAN-Expeditionsmobil noch heute, bereisen das Südliche Afrika aber mit einem kompakten Reisefahrzeug aus einem Toyota-Landcruiser mit adaptierter Expeditions-Aufsetzkabine. Das Fahrzeug haben Dieter und Hardy dieses Jahr auf der Westroute durch Afrika hierher gebracht. Ab Gabun allerdings notgedrungen im Container auf einem Schiff, weil die Passage durch den Kongo nicht möglich war. Gudrun und Dieter haben schon die ganze Welt bereist. Sie waren in den USA, in Mexico, Guatemala, Belize, Neuseeland, China und vielen Ländern Afrikas, Und der leidenschaftliche Allradler Dieter hält sogar den Höhenrekord im Guinness-Buch der Rekorde, den jemals ein Auto geschafft hat. Mit einem Jeep ist er in den Anden bis auf 6.646 Meter geklettert. Umso erstaunlicher ist es, dass sie sich nach dem Verkauf ihrer florierenden Firma in Thüringen nicht zurück gelehnt oder auf Dauer-Weltreise begeben haben, sondern sich mit gewohnter Power dem Aufbau ihres Guesthouses gewidmet haben. Und hier kommt Sohn Hardy ins Gespräch. Nach IT- und Pädagogik-Studium und einem zehnjährigen USA-Aufenthalt teilte er die Idee und den Wunsch ein eigenes Guesthouse in Südafrika zu betreiben. Und dabei kommen ihm nun nicht nur seine perfekten Englisch- sondern auch seine exzellenten Computer-Kenntnisse zugute. Denn inzwischen, so stellen die Drei fest, kommen immer mehr Buchungen über das Internet mit seinen diversen Foren herein. Kein Wunder, dass Hardy selbst dann sein Smartphone am Ohr hat, wenn er mit seinen Gästen eine eintägige Weinproben-Tour durch die Region unternimmt oder weitere Gäste vom Flughafen Kapstadt abholt.

Wir haben in den letzten Tagen alte Eindrücke von Kapstadt aufgefrischt und konnten dank des tollen Wetters - pralle Sonne und bis zu 30 Grad Wärme - neue dazu gewinnen. Endlich konnten wir auf den Tafelberg und am Strand bei Betty's Bay Pinguine "gucken". Ab morgen fahren wir in vier Etappen nach Port Elizabeth, wo wir hoffentlich am 17. unsern Sprinter wohlbehalten übernehmen können. Heute Abend gibt es zum Abschied einen typischen südafrikanischen Eintopf. Danach werden wir Gudrun, Dieter und Hardy wohl in ihren neuesten Überlegungen bestärken, auf dem Grundstück einige Reisemobil-Stellplätze einzurichten. Das wäre sicher eine tolle Sache.

Südliches Afrika, Reisebericht 02/2012

Es ist gar nicht so einfach einen Internet-Zugang zu bekommen, wenn man wie wir zurzeit überwiegend abseits des Asphalts unterwegs ist. Im Moment - das ist konkret Sonntag, der 1. April - sind wir auf der Amanzi-River-Campsite direkt am Oranje-River, dem Grenzfluss zwischen Südafrika und Namibia, in dem wir gerade baden waren. Der Platz - vor vier Jahren haben wir auch schon auf ihm übernachtet, damals hieß er aber noch Abiqua-River-Campsite - liegt zwar nur etwa zehn Kilometer von der Straße Kapstadt - Windhoek entfernt. Aber dessen neuer Betreiber, ein ausgemachter Naturfreak und begeisterter Kanutouren-Guide, will kein Internet auf dem Platz haben.

Seit unserem ersten Reisebericht haben wir als Wichtigstes unseren Sprinter in Port Elizabeth wohlbehalten in Empfang genommen. Die rund 700 Kilometer nach P.E., wie hier alle Welt sagt, haben wir in vier Etappen durch die kleine Karoo und entlang der Gardenroute mit Übernachtungen in von Hardy Gloess empfohlenen Guesthouses deutscher "Kollegen" vom Verbund "Südafrikaurlaub.net" verbracht. Noch vor Übernahme unseres Sprinters haben sich zwei Fakten "verfestigt", die wir so nicht bedacht und eingeplant hatten. Erstens dürfen wir definitiv ohne Verlängerung unserer Visa nur 90 Tage im Land bleiben. Selbst mit Verlängerung, für deren Beantragung wir uns nach einhelliger Meinung eines ausgefuchsten, deutschsprachigen Agenten bedienen sollen, können wir nur 180 Tage bleiben - das heißt bis einschließlich 31. August. Folglich: Rückflugtickets umbuchen. Zweitens fährt die Reederei Wallenius Wilhemsen zwar alle 15 Tage von Bremerhaven nach Port Elizabeth, aber nur alle 45 Tage von Port Elizabeth nach Bremerhaven.

Der vom gesamten deutschen "Netzwerk" angepriesene Visa-Agent betreibt Büros in Kapstadt und Stellenbosch. Weil einerseits 700 Kilometer in diesem riesigen Land, es ist 4,5 mal so groß wie Deutschland, keine Entfernung ist, über die man sich den Kopf zerbricht, andererseits Gudrun und Dieter Gloess angedeutet haben, mit uns ein paar Tage gemeinsam durch die Karoo und einige Naturparks fahren zu wollen, tuckern wir genüsslich in zwei Etappen zurück zum Orange-Ville-Guesthouse, besuchen an meinem Geburtstag - an dieser Stelle ganz herzlichen Dank für die vielen lieben Grüße und Glückwünsche - den Tsitsikamma-Nationalpark, das Vogelparadies "Birds of Eden" und unsere Vorfahren im "Monkeyland".

Ohne Agent hätte uns die Beantragung der Visa-Verlängerung der Visa viel mehr Zeit gekostet, wäre vielleicht sogar ganz gescheitert. So wollte zum Beispiel das "Home Affairs" von uns plötzlich einen Kontoauszug, der beweist, dass wir über genügend Geld verfügen, um uns für die beantragten 90 Tage selbst versorgen zu können und dem südafrikanischen Staat auf keinen Fall auf der Tasche liegen würden. Dank Agent und unserer "guten Seele" bei der Kreissparkasse Ludwigsburg war die Prozedur in zwei Tagen erledigt und wir konnten mkit Gudrun und Dieter los - in die Halbwüste und die "Pampa". Drei Tage waren wir mit den beiden und Paul - Student, Volontär, unermüdliche Hilfskraft und Freund der Familie in einer Person - unterwegs, haben in einem original-englischen Pub in Matjiesfontein ein Bier getrunken, haben die größte Sternwarte der südlichen Hemisphäre bei Sutherland besucht, sind auf Pisten und Gravelroads durch unbeschreiblich interessante Berglandschaften gefahren, waren im Tankwa-Nationalpark, haben den Sprinter bis zu den Achsen im Weichsand versenkt und mit Dieters Seilwinde geborgen, haben in der freien Natur übernachtet, auf Holzglut gegrillt und den Sternenhimmel genossen.

Anschließend sind die Drei zurück zu ihrem Guesthouse und wir nordwärts Richtung Namibia gefahren. Etwa hundert Kilometer vor der Grenze sind wir nach Westen abgebogen und über Port Nolloth entlang der Küste des Atlantiks zum Richtersveld-Nationalpark - einem der berühmtesten ariden, also trockenen, fast vegetationslosen Naturparks der Erde - quer durch das streng abgeriegelte Diamanten-Schürfgebiet gefahren.

Nach einer Nacht im Camp des Parks, im dichten "Urwald" am Oranje-River, haben wir Südafrika mit einer Ponton-Fähre über den Grenzfluss verlassen und sind nach Namibia eingereist. Witzig dabei: sowohl der Grenzbeamte in Südafrika wie auch sein Kollege in Namibia haben unseren Sprinter nach allen Regeln der Kunst "gefilzt". Sie scheinen zu glauben, dass nur Menschen über diese gottverlassene Grenze fahren, die etwas zu verbergen haben oder schmuggeln wollen. Und das können ihrer Meinung nach wohl nur Diamanten sein. Der Südafrikaner, ein baumlanger Kerl vom Typ Massai, hatte allerdings mehr Spaß an unserem Sprinter als nach Diamanten zu suchen. Nachdem er alle Staufächer und Schränke inspiziert hatte, klemmte er sich hinter das Lenkrad und machte "brumm-brumm". Ganz anders der kräftig-gedrungene Namibier. Er begann ganz harmlos mit der Frage nach Waffen, großen Messern, Diamanten - und Zigaretten. Dann nahm er sich den Sprinter vor, fing regelrecht an zu buddeln, durchsuchte alle Hemd- und Jackentaschen nach Diamanten, kippte sogar Christas Handtasche aus. Zum Glück war sie während dieser Prozedur damit beschäftigt, die "Kunst am Bau" des Grenzgebäudes zu fotografieren. Erfolgreich war er dennoch nicht. Auch nicht mit seiner Feststellung, dass ich viel zu viele Taschenlampen hätte. Da müsste ich doch leicht auf eine verzichten können, wo er doch so dringend eine benötigte. Armer Kerl, keine Zigaretten, keine Taschenlampe. Touristen gibt's, die geben aber auch gar nichts her.

Südliches Afrika, Reisebericht 03.2012

Der 11. April 2012 wird uns wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Aber nicht etwa, weil mein Bruder an diesem Tag seinen 69. feiert, sondern weil er für uns wenig erfreulich endet. Der Tag beginnt damit, dass mir unheimlich schlecht war - aber nicht im Magen, sondern im Darm. Noch vor dem Frühstück werfe ich zwei Aspirin rein und trinke eine Cola. Eine Stunde nach dem Start nochmal das Gleiche. Aber es wird nicht besser. Zuerst denke ich, es war das gestrige Festmenü in der Solitaire-Country-Lodge. Aber dann tippe ich doch eher, dass ich in den beiden letzten Tagen am Pool wohl zu viel Sonne abgekriegt habe - bei über 40 Grad.

Ich leide heute unsäglich unter der Hitze - und der schlechten Oberfläche der Straßen C 14 und noch schlimmer: der C 26 durch den Namib-Naukluft-Nationalpark - zum größten Teil eine riesige Wüstenebene. Es ist bis jetzt die mit Abstand miserabelste Gravelroad unserer Reise. Fast 80 Kilometer lang schütteln heftigste Gravel unseren Sprinter durch. Ich fahre vor Verzweiflung manchmal bloß noch 30 km/h im zweiten Gang. Eigentlich wollten wir auf der C 26 nur bis zum Kuiseb-Canyon. Dort angekommen - wir fahren einfach ohne das erforderliche, angeblich in Swakopmund erhältlich Permit ein. Nach einer kurzen Wanderung in Richtung des Verstecks der beiden Geologen Henno Martin und Hermann Korn, die gehofft hatten, in dieser unzugänglichen Gegend der Internierung durch die Briten im Zweiten Weltkrieg zu entgehen - sehr anschaulich beschrieben in dem Buch "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste" - erfahren wir oben von anderen Reisenden, dass die Straße nach Walvis Bay ab jetzt viel besser sei. Das hebt unsere Stimmung. Wir planen um, fahren die knapp 30 Kilometer auf der Super-Holperstrecke nicht zurück, um anschließend nach Windhoek abzubiegen. Stattdessen steuern wir das noch etwa 140 Kilometer entfernte Walvis Bay an. Keine gute Entscheidung. Denn erstens wird zu unserer Enttäuschung die Straße zwar etwas besser, bleibt aber bis elf Kilometer vor Walvis Bay doch eine staubige, schüttelnde Gravelroad. Und zweitens trifft uns in Walvis Bay der Klassiker: wir werden bestohlen.

Und das kam so: mir war immer noch schlecht, also wollte ich mich nach der endlosen Schüttelei zur Kaffeepausenzeit hinten im Sprinter ein wenig ausstrecken, während Christa den Kaffee kochen wollte. Um nicht in der prallen Sonne stehen zu müssen, fuhren wir ganz ans Ende von Walvis Bay zu einem sandigen Hügelchen mit einem kleinen gestrüppigen Wäldchen, einzelnen, verstreuten Bäumen, einer öffentlichen Toilette und einem größeren Grillplatz. Der Platz schloss an einen gepflegten Park an, der aber keinerlei Schatten bot. Wir nutzten unseren Allradantrieb, um durch den tiefen, weichen Sand ans Ufer zu kommen und platzierten unseren Sprinter halb im Schatten eines Baumes. Außer uns war kein Fahrzeug und kein Mensch zu sehen. Christa machte sich ans Kaffeekochen, ich mich hinten lang. Als es mal wieder mächtig im Unterleib zwackte, flüchtete ich mich auf unsere Bordtoilette, Christa ließ derweil den Kaffee durch den Filter laufen.Um die dabei aufkommende Langeweile abzukürzen, stieg sie durch die Schiebetür unseres Sprinters nach draußen und ging etwa fünf Meter vor unser Auto, um den springenden Fischen im Wasser zuzuschauen. Als sie sich nach einigen Sekunden umdrehte, sah sie einen jungen Schwarzen fortrennen, der etwas vor der Brust hielt. Ihr erschrecktes Schreien half nicht viel. Bis ich mich soweit angezogen hatte, dass ich die Verfolgung aufnehmen konnte, war der Kerl im oder durch das Wäldchen verschwunden.

Unser erster Blick galt dem Fotokoffer zwischen den Frontsitzen. Der war noch da - zum Glück. Dann aber stellten wir fest, dass Christas Handtasche, die direkt daneben stand, keine fünfzig Zentimeter von mir entfernt, aber halt außerhalb der Toilettentür, fehlte. Die musste sich der Kerl von außen durch die offene Schiebetür geangelt haben - Nervenstärke kann man ihm nicht absprechen. Wir warfen mehr als dass wir es stellten, unser ganzes Kaffeezeugs in die Spüle und wühlten uns durch den Sand in die Richtung, die der Bursche gelaufen war. Ergebnislos. Dafür stand bei unserer Rückkehr an den Tatort plötzlich ein Schwarzer in einer Art Uniform vor uns, stellte sich als Strandwächter und fragte uns, was los sei. Dann rannte er in die andere Richtung und kam kurz danach mit dem Wächter einer Ferienanlage zurück, der auf der anderen Straßenseite seinen Dienst verrichtete. Aber auch der wollte niemand in einem roten T-Shirt weglaufen gesehen haben. Wie wild telefonierten die Zwei mit ihren Handys herum. Uns kam das Ganze reichlich aufgesetzt vor. Wir wurden das Gefühl nicht los, dass die drei zusammen arbeiten. Deswegen sagten wir den beiden auch ganz deutlich, dass ihr möglicher Kumpan oder Freund ziemliches Pech hat, weil nämlich kein einziges Geldstück in der Tasche ist, sondern nur für ihn völlig wertlose Ausweise und Papiere. Dass es also nachher kaum etwas zu teilen gibt. Unsere schwache Hoffnung war, dass die zwei die Papiere "finden" könnten - Finderlohn hätten wir ja bezahlt. Das mit dem Geld stimmt wirklich. Leider waren aber Christas Handy und ihr Foto-Apparat in der Tasche - das war schon ärgerlich. Noch bevor wir zur Polizei fuhren, um Anzeige zu erstatten, ließen wir über Freunde Christas Konto, ihre Giro- und Kreditkarte sowie und das Handy sperren.

Die namibische Polizei, die recht umständlich das Protokoll erstellte, war übrigens auch der Meinung, dass durchaus in den nächsten Tagen jemand die Papiere finden und zur Polizei bringen könnte - das wäre häufiger der Fall. Sollte das passieren, will sie mich auf meinem deutschen Handy anrufen. Nun gut, es ist abgedroschen und ausgelutscht, aber in einer solchen Situation klammert man sich an jeden Strohhalm und erinnert sich: "die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt". Auf jeden Fall wollen auch wir morgen nochmals den Strand abfahren.

Dabei hatten wir uns in den letzten Tagen so schön auf den für uns völlig neuen Rhythmus eingestellt. Hatten gegenüber sonst unsere täglichen Fahrleistungen auf ein- bis zweihundert Kilometer reduziert. Hatten begonnen intensiver zu reisen, mehr zu sehen und zu erleben, als wir das in den zwei Monaten im Jahr 2008 mit dem Mietfahrzeug konnten. Zum einen sind wir wesentlich mehr Sehenswürdigkeiten angefahren. Zum anderen haben wir aber auch die Punkte, an denen wir schon vor vier Jahren waren, und die wir unbedingt nochmals sehen wollten, intensiver bereist. So waren wir diesmal zwei Tage in Lüderitz, haben nicht nur die Stadt besichtigt, sondern sind einen ganzen Tag lang die ganze Bucht mit all ihren Stränden und Bays abgefahren. Ebenfalls zwei Tage haben wir auf der Guestfarm am Schloss Duwisib ein Flair wie von "Eine Farm in Afrika" genossen - im Wind wogendes Wollgras, Erdmännchen, Webervögel, Kameldornbäume...einfach super. Das sehenswerte, typisch deutsche Schloss, nach außen hin eher eine Festung, hat der sächsische Offizier Hansheinrich von Wolf - zum großen Teil wohl mit dem Geld seiner steinreichen amerikanischen Frau - mitten in der Steppe auf seiner Farm mit europäischen Handwerkern in zwei Jahren erbaut. Auf der Farm hat er vor allem Pferde gezüchtigt, besaß aber auch bis zu 8.500 Karakulschafe. Nur fünf Jahre lebten die beiden hier. Mit Ausbruch des ersten Weltkriegs meldete er sich in Dresden zum "Dienst für das Vaterland" zurück, wurde nach Frankreich versetzt und fiel dort nach wenigen Wochen. Das Schloss - die nächsten Ansiedlungen sind jeweils mindestens 100 Kilometer, Windhoek 400 Kilometer entfernt - ist heute im Besitz des Staates, die Farm von über 40.000 Hektar Fläche wurde aufgeteilt. Den wichtigsten Teil bewirtschaftet seit 1987 die deutschsprachige Familie Frank-Scholtz, die zudem auf dem Gelände eine Guestfarm und eine Campsite betreiben. Einen Tag vor uns war übrigens Rotel-Tours mit Reisebus samt Anhänger auf dem Platz, die wir vorher schon in Lüderitz getroffen hatten.

Keine hundert Kilometer entfernt liegt Sesriem mit dem Canyon des Tsauchab-Rivers und dem Eingang zu den berühmten Dünen und den Salzpfannen von Sossusvlei, die wir am Ostersonntag zu Fuß erkundet haben. Zur Belohnung sind wir einen Tag später in Solitaire "hängengeblieben". Was auch für uns bisher nur ein Open-Air-Museum mit Schrott-Oldtimern, eine Tankstelle mit Reifenservice, ein Shop, eine Country-Lodge und die Bäckerei des Originals Moose Mc. Gregor samt seines legendären Apfelkuchens war, hat sich durch Zufall als eine Idylle besonderer Art entpuppt. Mitten im Sand des Namib-Naukluft-Parks - zwischen den majestätischen, zerklüfteten Naukluft-Bergen und der Namib-Wüste, ein paar Meter von weidenden Kamelen entfernt - hatten wir uns für zwei Tage auf der Campsite der Lodge eingenistet. Während draußen die nichtsahnenden Pickup-Fahrer mit ihren aufgeschnallten Dachzelten 300 Meter lange Staubfahnen hinter sich herzogen und ihre Raserei in Solitaire nur unterbrechen, um zu tanken oder ganz schnell ein Stück Apfelkuchen zu kaufen, lagen wir bei strahlendem Sonnenschein und 40 Grad Hitze im Innenhof der Lodge am Pool auf feinstem englischen Rasen - wenn auch möglicherweise mit den oben angesprochenen Nachwirkungen.

Südliches Afrika, Reisebericht 04.2012

Seit unserem letzten Reisebericht haben wir schon halb Namibia durchquert. Von Swakopmund sind wir durch das Erongo-Gebirge gefahren, waren drei Tage an der Spitzkoppe und in der Ameib-Ranch mit den berühmten Riesen-Steinkugeln, sind dann ein paar Tage in Windhoek gewesen und von dort zum Etosha-National-Park gefahren. Den Park haben wir im Norden verlassen, sind durch das Ovamboland parallel zur Grenze zu Angola nach Westen bis zu den Ruacana-Wasserfällen und von dort südwärts über Opuwo zur Khowarib-Lodge gefahren.

Als Super-Basisstation für den Besuch des Etosha-National-Parks hat sich für uns die acht Kilometer vor Okaukuejo gelegene Gästefarm Eldorado erwiesen, in der wir so richtig am Farmerleben teilnehmen konnten. So hat mich der Farmer eingeladen, mit ihm und seinen Kindern an der von ihm alle zwei unternommenen Kontrollfahrt über einen Teil der insgesamt 120 Kilometer Pisten und Wege zu den von Bewegungsmeldern ausgelösten Kameras an den diversen Wasserstellen teilzunehmen, um zu sehen, wo und wie sich das Wild im Farmgelände bewegt. Wir haben die Fütterung der farmeigenen Leoparden und Geparden und ein Abendessen mit der Familie genossen. Aus der geplanten einmaligen Übernachtung vor dem ersten Tag im National-Park sind auf diese Weise drei geworden. Und von denen waren wir nur einen Tag im Park. Eingedeckt mit Biltong, Kudu-Leberpastete und weiteren Köstlichkeiten aus der Wurstküche der Familie wollten wir dann doch noch eine Nacht am Wasserloch von Okaukuejo verbringen. Und wir hatten Glück. Anders als 2008, als der vorherige Dauerregen den Park regelrecht überflutet hatte, ist es jetzt im hiesigen Herbst staubtrocken, und die Tiere versammeln sich an den paar verbliebenen permanenten Wasserlöchern. Es ist gespenstisch bis atemberaubend, wie die einzelnen Spezies lautlos aus dem Dunkel auftauchen und der Reihe nach zum Wasserloch kommen - die Antilopen, Springböcke und Kudus, die Zebras, die Giraffen, die Nashörner und die Elefanten. Aber so lange wir auch ausharren, Löwen kommen in dieser Nacht nicht an dieses Wasserloch. Dafür erfahren wir aber, wo tagsüber welche gesichtet wurden: am Wasserloch Odondeka - keine fünfzehn Kilometer entfernt.

Ohne Frühstück brechen wir am nächsten Tag um 06:30 Uhr auf in Richtung dieses Wasserlochs. Und wir werden kräftig belohnt. Als erstes streifen zwei Löwinnen am Horizont entlang und ein Löwe sonnt sich im hohen Gras, keine zwanzig Meter von uns entfernt. Dann erhebt er sich und schreitet majestätisch zu einem buschartigen Baum, dessen Geäst und Blattwerk eine perfekte Hütte bilden. Als hätte er sie geweckt, kommen zwei Löwinnen mit vier Jungen aus dem Busch und gehen gemächlich zu einem anderen Rudel, das einige hundert Meter entfernt im hohen Gras liegt.

Ihnen entgegen kommen zwei Löwinnen - Vorderläufe, Hals und Maul von der erfolgreichen, nächtlichen Jagt blutverschmiert - und laufen in Richtung Busch, aus dem ihnen jeweils vier wohl nur einige Wochen alte Junge entgegen purzeln. Alle zehn gehen ebenfalls über die Straße zu einem kleinen Wasserloch ganz in der Nähe. Wir parken unseren Sprinter auf einer ebenen Parkfläche, machen Frühstück und beobachten das Treiben am Wasserloch, um das sich in respektvollem Abstand eine Herde Gnus sammelt. Und wir haben nochmals Glück. Wir sind mit frühstücken gerade fertig, als sich die beiden Löwinnen mit ihren Jungen wieder auf die Straße zu bewegen, zurückkommen und unter dem Busch verschwinden.

Über Halali und Namutoni wollen wir heute den Park nach Norden verlassen. Je weiter wir nach Osten in Richtung Namutoni kommen, umso mehr beherrschen Giraffen die Wasserlöcher. Am beeindruckendsten ist eine Herde von mindestens dreißig Giraffen, die im witzigen Passgang-Galopp - was eher ein ungelenkes Hüpfen ist - unseren Weg kreuzt und neben uns her rennt. Nun fehlen uns für heute nur noch Elefanten. Und da soll nördlich von Namutoni eine große Herde an einem Wasserloch stehen, hat uns ein Hobby-Fotograf erzählt, der als einziger, exklusiver Passagier mit einem Fahrer in einem Safari-Landy unterwegs ist. Also fahren wir die Wasserlöcher Klein Namutoni, Koinagas, Klein Okevi und Groot Okevi an, ohne den geringsten Erfolg. Tsumcor müssen wir auslassen, denn inzwischen ist es nach 17:00 Uhr, wir müssen bis "Sunset" - 17:35 Uhr - den Park verlassen haben und bis zum Gate bei Andoni sind es noch rund 37 Kilometer. Und wie es immer so ist: jetzt kommt direkt vor uns links die Herde Löwen aus dem Dickicht, die noch eine Stunde vorher am Wasserloch gesichtet wurde. Die Dickhäuter trotten unbeeindruckt ein Stück vor uns her, die Jungen "albern" herum, dann verdrückt sich die ganze Sippe rechts in die Büsche. War die Zeit vorher schon knapp, jetzt wird es kritisch. Ich fahre wie der Teufel, bis zu 100 km/h über die Naturpiste, komme um 17: 25 an das - geschlossene - King Nehale Gate. Dieses Gate hätten wir als einziges schon eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang passiert haben müssen. Der Ranger lässt uns aber noch raus. Danach aber verlässt uns das Glück. Wir kommen immer mehr in die Dunkelheit und finden und finden keinen Campingplatz. Und das auf einer der meistbefahrenen und unfallträchtigsten Straßen Namibias - Lkw, Pkw, Sammeltaxis in dichter Folge. Erst nach knapp hundert Kilometern, in Olukonda, kommen wir zur Missionsstation mit Museum und "Restcamp", wo wir eine sichere Bleibe für die Nacht finden.

Rund 200 Kilometer entfernt in Opuwo, dem Zentrum der Himbas, ist die Hölle los. Ungezählte rotfarbig eingeschmierte Himbafrauen laufen halbnackt und barbusig in ihrer spärlichen Lederkleidung durch den Ort, neben sich ihre Freunde oder Männer in Adidas-Shirts, Hosen und Turnschuhen. Die Szenerie hat aber auch gar nichts von alltäglichem Leben, Kultur oder Brauchtum. Auf uns wirkt sie irgendwie entwürdigend, hat etwas vom Verhältnis von Zuhälter und Prostituierter. Kaum auf dem Parkplatz des größten Supermarktes angekommen, "überfallen" uns die barbusigen Himba-Frauen jeden Alters mit ihrem selbst gebastelten Schmuck - immer ihre "Aufpasser" in nächster Nähe. Vermutlich müssen die Damen ihre Einnahmen unverzüglich "abliefern", damit sie die Männer zu Hochprozentigem machen können. Wir beschließen, dass wir auf keinen Fall an einer der überall angebotenen Fahrten zu einem Himba-Kral teilnehmen werden, um uns dort den Darbietungen des "touristischen Ethno-Zoos" hinzugeben, wie das ein Kollege mal genannt hat.

Wir retten uns erst mal in den Supermarkt, dann handelt Christa die Verkäuferinnen kräftig herunter, kauft zwei Armreifen und zwei Halsketten und fotografiert eine junge Himbafrau mit Kind auf dem Rücken. Wir ziehen Geld aus einem Geldautomaten, lassen die Gasflasche füllen und machen uns aus dem Staub Richtung Sesfontein. Die Fahrt führt durch das Land der halbsesshaften Viehzüchter Ovahimba. Oft schnurgeradeaus geht es bergauf-bergab, durch ungezählte Senken, die in der Regenzeit alle zu mehr oder weniger unpassierbaren Furten werden. Es gibt keine Zäune. Oft laufen die Kühe auf der Straße vor uns her, mal mit mal ohne Hirten. Hin und wieder passieren wir einfache Hütten und Himbakrals. Oft verlassen oder armselig. In ihrer Nähe aufgehäuft glänzen Unmengen von Bierflaschen in der Sonne. Die Straße selbst ist in gutem Zustand. Was man hier halt unter "gut" versteht. Also nicht so viele harten Rippen, kaum tiefe Löcher und ausgefahrene Rinnen. Aber ständig geht die Fahrt über staubartig feinen Sand, der durch alle Ritzen dringt. Über allem im Fahrzeug liegt eine feine Staubschicht: auf dem Armaturenbrett, den Polstern, der Bettwäsche, dem Tisch, in den Staukästen, einfach überall. Am schlimmsten ist es an den Hecktüren. Beim täglichen Entstauben fällt uns immer die Geschichte ein, die man sich von einer Afrika-Reise mit Rotel-Tours erzählt: nach einer solch staubigen Etappe fischt abends ein Teilnehmer nach seiner Jacke im Gepäcknetz und bemerkt stoisch: "Das ist nicht meine Jacke. Meine ist blau, die hier ist grau". In der Winterpause muss ich dringend Zusatzdichtungen in die Hecktüren einkleben. Vor allem aber muss ich zwei Abdicht-Platten "bauen", die wir über die hinteren Schiebe-Fenster schrauben können.

Nach rund 73 Kilometern biegen wir nach links ab und fahren etwa fünf harte Kilometer hinauf auf 1.600 Meter Höhe zum Camp Aussicht des Deutschen Marius Steiner, der hier oben seit fast 30 Jahren in seiner Mine den äußerst seltenen Schmuckstein Dioptas abbaut. Schon der Weg ist witzig mit Schildern wie "No speed limit" in einer schwierigen, steinigen Bergaufpassage oder "Ende der Ausbaustrecke" oder "this road will be tarred next week". Oben angekommen geht es so witzig weiter, etwa mit den Toiletten oder Duschen auf der Campsite. Weil niemand und nichts zu sehen ist oder sich bewegt, wir deswegen auch den erhofften Nachmittagskaffee nicht bekommen können, beschließen wir weiterzufahren - am Abend bereuen wir es. Vielleicht hätten wir einen besonders interessanten Menschen kennengelernt.

Etwa 130 Kilometer von Opuwo erreichen wir Sesfontein - eine einzige Enttäuschung, ein sterbender Ort. Das Fort ist nicht mal ausgeschildert. Die Tankstelle besteht nur noch aus dem Pilon, Gnade Gott, wer hier aus der Wüste kommt und sich auf Nachschub eingestellt hat. Bäcker gibt es auch keinen, die Campsites - allesamt total leer - sind simpelste, unsaubere Zeltplätze. Der Ort ist eine hässliche, verfallende Streusiedlung mit weit auseinander liegenden Hütten. Wir hauen gleich wieder ab, fahren weiter zur Khowarib-Lodge am Hoabib-Fluss.

Hier gefällt es uns mit dem Afrika-Feeling so gut, dass wir spontan beschließen, zwei Tage zu bleiben. Die Lodge bietet kostenlosen Internet-Zugang. Und so erfahren wir von unserem Agenten in Port Elizabeth, dass wir zwei Termine zur Auswahl haben für die Verschiffung unseres Sprinters nach der Reise von Südafrika nach Bremerhaven. Und beide passen eigentlich nicht so richtig: 31. Juli und 14. September. Nun ist schon die zweite Änderung unserer Rückreise fällig. Die erste war notwendig, weil Südafrika Touristen - selbst mit einem speziellen, vom Innenministerium ausgestellten Permit - nur 180 Tage Aufenthalt im Land gestattet. Wir müssten also bis 31. August das Land verlassen haben. Nun werden es wegen des Verschiffungstermins - wir planen jetzt mit dem 31. Juli - wohl noch ein paar Tage früher sein. Wir denken, dass wir um den 10. August wieder daheim sein werden.

Südliches Afrika, Reisebericht 05/2012

Nach der Umrundung des Etosha-Nationalparks sind wir nordostwärts bis nach Rundu am Kavango gefahren, haben wir den namibischen Mahango-Nationalpark durchquert und sind nach Botswana eingereist - viel unproblematischer als erwartet. Weder wurden - wie in Reiseführern und -berichten beschrieben - unsere Lebensmittel-Vorräte noch das Fahrzeug auf Schmutz in den Radkästen oder am Unterboden gecheckt. Auch mussten wir durch keine Desinfizierlösung fahren und laufen - all dies traf uns allerdings später auf unserer Reise. Insgesamt rund 17 Euro Visagebühren und Versicherung für das Auto. Das war's schon.

Unser zweiter Eindruck von Botswana war dann nicht mehr ganz so positiv. Zwar fanden wir in der ersten größeren Ansiedlung - Shakawe - einen Geldautomaten der Barclay's Bank, der uns umgerechnet fast 400 € in der Landeswährung Pula ausgab. Aber beide Shell-Tankstellen im Ort hatten kein Diesel - langsam wurde es knapp im Tank. Dass Botswana dank Diamanten ein reiches Land sein soll, können wir hier oben im Nordwesten nicht nachvollziehen. Die Straßen sind zwar überwiegend geteert, aber sehr eng, mit Schlaglöchern übersät und bisweilen grausame Wellenbahnen. Und es sind unglaublich viele Eselskarren unterwegs - was auch nicht gerade von überbordendem Reichtum zeugt. Im Gegensatz zum namibischen Kavango-Gebiet sind die Krals hier nicht eingezäunt, dafür schotten sich die einzelnen Hütten - sie sind größer als in Namibia, mit Lehm verputzt und manchmal mit zusätzlichen, äußeren Stützen versehen - durch Matten um eine Art Eingangsbereich ab oder haben eine Art vorgebauter Terrasse in diesem Bereich.

Unser erstes Ziel in Botswana waren die "magischen, mystischen" Tsodilo Hills, die den Einheimischen heilig sind und mit ihren etwa 4.000 Felszeichnungen zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurden. Zu den vier aus der Ebene aufragenden Hügeln gelangt man allerdings nur über eine rund 36 Kilometer lange ruppige Naturpiste. Dafür sind der Eintritt in den Park, der Besuch des Museums und die Übernachtung auf der Campsite kostenlos. Von den Felszeichnungen sind etwa 250 auf einer Rundtour zu sehen, auf die man sich allerdings besser nicht allein macht. Auch wir haben uns einem Guide anvertraut, der mit uns den zweistündigen "Rhino-Trail" rund um den zweitgrößten dieser Berggruppe, den "Female Hill" gemacht hat. Die Runde beginnt ganz harmlos im tiefen Sand der Ebene, von dem aus man schon einen Teil der Zeichnungen sehen. Unter anderem einen Wal, einen Delphin und einen Pinguin, die belegen, dass die Buschmänner im Riesenkontinent Gondwana in grauer Vorzeit Zugang zum Meer hatten. Doch dann wird es ernst. Zuerst steil hinauf zu den Nashörnern, Giraffen, Löwen, Zebras, den "Tanzenden Penissen" und anderen Zeichnungen, dann wieder hinunter kraxelten und rutschten wir über hohe Stufen, durch enge Spalten hindurch und über rutschigen Fels. Am Abend waren wir rechtschaffen kaputt.

Und am nächsten Morgen folgte die nächste Überraschung. Beim Frühstücken im Freien beäugte und turnte eine Horde Affen auf dem Boden, auf unserem Auto und in den Bäumen rings um uns herum. Während des Frühstücks hielten wir sie im Zaum, machten auch ein paar schöne Fotos. Beim Wegräumen überlistete uns dann aber doch einer von ihnen, schlich sich hinter meinem Rücken an den Campingtisch, schob sich eine Plastikdose mit Marmelade zwischen die Zähne und stob von dannen.

Nach den Tsidilo Hills war das Okovango-Delta unser zweites Ziel in Botswana. Hier gönnten wir uns einen "Scenic flight", will heißen: einen einstündigen Rundflug über das Delta mit einer Cessna. Startplatz war Maun, die "Hauptstadt" des Deltas. Keine Stadt, sondern eine weitläufige, unsortierte Streusiedlung. Die Handwerker - Schreiner, Schlosser, Klempner, Reifenflicker, Automechaniker - arbeiten an der Straße im Freien unter Bäumen. Lehmhütten wechseln sich mit Steinhäusern und Villen ab, "Shebeens" und Straßenwerkstätten mit schicken Autohäusern, Supermärkte mit Einzelhändlern in Blechhütten, Bottle-stores und Bars mit Handy-Anbietern. Dazwischen haben die unzähligen Tourismus-Anbieter ihre Büros und Fahrzeug-Abstellplätze. Bistros oder Cafés, die in europäischen Touristenorten das Straßenbild prägen, sind hier allerdings Fehlanzeige. Das einzige Café am Ort ist am Flughafen und wird überwiegend von barfüßigen, rastagelockten Adventure-Unternehmern und "coolen" Rundflug-Piloten bevölkert.

Einer von ihnen flog etwas mehr als eine Stunde mit uns über das Delta, das zu unserem Erstaunen nicht wie in den Karten eingezeichnet direkt bei Maun beginnt, sondern gut und gerne zehn bis fünfzehn Kilometer weiter nördlich. Manche sagen, es sei in diesem Sommer besonders trocken gewesen, andere behaupten das Gegenteil. Uns vermittelte das Delta den Eindruck, dass es sich in ein paar Jahren noch weiter nach Norden zurückgezogen haben könnte. Nach einiger Anflugzeit zeigte es sich dann doch so, wie von den Bildern her bekannt. Wir sahen einige Herden Büffel, an mehreren Stellen Elefanten, einige Giraffen und jede Menge Antilopen und Böcke.

Besonders Maun erweckte in uns den Eindruck, dass Botswana es Individualtouristen wie uns, die nicht bei einem einheimischen Anbieter gebucht haben, nicht leicht macht. So hätten wir Nationalparks und Campingplätze nicht vor Ort buchen können, sondern das in der Hauptstadt oder an wenigen ausgelagerten, zentralen Stellen - wie etwa in Maun - mit genauen Zeitangaben erledigen müssen. Weil es staubtrocken ist und wir deshalb vermuten, außer an den Wasserlöchern kaum Tiere zu sehen zu werden, beschlossen wir, das Land ohne Besuch von weiteren Nationalparks zu durchfahren. Erstens sind Schlamm, Wasserpfützen, Krokodile und Flusspferde nicht so unser Ding - auch wenn zurzeit eine Malaria-Gefährdung allgemein ausgeschlossen wird -, zweitens stehen noch der tierreiche Hwange National Park in Zimbabwe und der Kruger-Park in Südafrika auf unserem Wunschzettel.

Wie Recht wir mit dieser Entscheidung hatten, sahen wir an den riesigen Salzpfannen im Osten Botswanas. Vor der Aussichts-Plattform der Nata Bird Sanctuary erstreckte sich eine total ausgetrocknete, graue Sowa-Pan ohne jedes Leben bis zum Horizont. Von den tausenden Wasser- und Zugvögeln - vor allem Flamingos und Pelikane - die diese Pfanne außer in der Zeit von Oktober bis Dezember bevölkern sollen, war noch nicht mal etwas zu ahnen.

Mehr Glück hatten wir auf unserer letzten Station in Botswana - rund 50 Kilometer nördlich Nata, in der Elephant Sands Lodge. Fünf Kilometer auf tiefsandiger Piste voller Elefanten-Losung und wir waren mittendrin im "Film"-Afrika: Sandboden, lichter Bewuchs mit Bushman-Gras, Akazien und Mopanebäumen, halboffene Restaurant-Bar, Terrasse am künstlichen Wasserloch. Kein Strom und kein Trinkwasser am Stellplatz, nur Salzwasser, dafür aber jede Menge Tiere - vor allem Elefanten, nachts zogen auch Löwen und Geparden durch das Gelände. Und die Elefanten kamen schon ab mittags an das Wasserloch direkt unterhalb der Terrasse. Wir waren hin und weg. Zählten an zwei Tagen über hundert Elefanten, die in mehreren Familien und Gruppen bis spät abends zum Wasserloch kamen. Die Lodge macht ihrem Untertitel - "Where Elephants rule", wo die Elefanten regieren - alle Ehre. Spontan beschlossen wir, das gesamte Wochenende zu bleiben. Anders als die diversen, so genannten Overlander-Gruppen - überwiegend junge Leute, die in Rotel-Tours-ähnlichen Bussen reisen, in Zelten schlafen, jeweils nur eine Nacht bleiben und schon um fünf Uhr früh weiter fahren. Zum Glück können wir uns viel mehr Zeit lassen.

Südliches Afrika, Reisebericht 06/2012

Von Botswana aus, so unsere ursprüngliche Planung, wollten wir nur einen Abstecher zu den Victoriafällen in Zimbabwe machen und dann südwärts durch Botswana nach Südafrika fahren. Doch im Laufe der Reise, vor allem durch Gespräche mit anderen Reisenden, kamen noch drei weitere Ziele auf unsere Wunschliste für Zimbabwe: der Hwange-Nationalpark, der Matopo-Hill-Nationalpark mit der Grabstätte von Cecil Rhodes und die Ruinen von Great Zimbabwe. Für die drei verzichteten wir auf den Süden Botswanas, nahmen stattdessen die Parallel-Route durch Zimbabwe nach Südafrika.

Die Einreise nach Zimbabwe war wie erwartet nervig, vor allem wegen des Carnet de Passages. Aber sie verlief äußerst korrekt, wenn auch nicht ganz billig. Denn eines muss man Herrn Mugabe und seiner Regierung - wie neuerdings leider auch der Opposition - lassen: im Erfinden immer neuer Einnahmequellen ist ihre Fantasie grenzenlos. Weil sie aber an den Landesgrenzen neben US-Dollar auch Euro und Rand akzeptieren, mussten wir nicht schon vor der Einreise ihre Landeswährung beschaffen, um das "Eintrittsgeld" in ihr Reich berappen zu können. Das beläuft sich zurzeit auf 30 US-Dollar pro Person. Dazu kamen für uns 55 US-Dollar Straßenbenutzungs-Gebühr, Abgassteuer und Kfz-Kurz-Versicherung für den Sprinter. Doch das war wohl noch nicht genug. Denn nach knapp fünf Kilometern Fahrt machte uns eine Polizei-Kontrolle - bezeichnend: fünf Uniformierte und ein Zivilist, wie in jeder guten Diktatur traut auch hier keiner dem anderen - darauf aufmerksam, dass an unserem Fahrzeug die seit Neuestem vorgeschriebenen Reflektorstreifen - vorn silbern, hinten rot - fehlen. Den vorgeschriebenen Feuerlöscher hatten wir, das ebenfalls nötige zweite Warndreieck nicht. Aber das wollten sie zum Glück nicht sehen. Nach einer halben Stunde Schreibkram waren wir weitere 20 US-Dollar los. Aber das war's dann auch für die Tage in Zimbabwe. Bei den weiteren, häufigen Polizei-Kontrollen mussten wir keine Zahlungen leisten - ich hielt mich aber auch sklavisch an die Tempolimits. Löhnen mussten wir jedoch an mehreren Mautstellen - jeweils einen US-Dollar. Nun ja, Straßenmaut ist ja auch in Europa eine beliebte Einnahmequelle.

Im Dorf Victoria Falls ging ich als erstes an einen Geldautomaten der staatlichen Bank, um Landeswährung abzuheben. Und was bekomme ich? US-Dollar - 800 auf einmal. Zur Erklärung höre ich, dass Mugabe, um das Land vor dem totalen Absturz zu bewahren, vor einigen Jahren den US-Dollar als offizielle Landeswährung eingeführt hat. Und wie es den Anschein hat, geht es seitdem langsam bergauf. Aber immer noch erweckt das Land zwiespältige Gefühle in unsereins. Auf der einen Seite gibt es in den Supermärkten wieder etwas zu kaufen, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Die Polizei fährt nagelneue 3-er BMWs. Die Lkw-Flotten bestehen überwiegend aus hochkarätigen, amerikanischen Freightlinern. Im ganzen Land deuten Wegweiser zu Schulen, Hochschulen und Instituten auf die Bildungsbemühungen hin. Auf der anderen Seite wird bei Sonnenaufgang schon mal partiell der Strom abgeschaltet, immer wieder kamen wir an Tankstellen, die kein Diesel vorrätig hatten. In einem Fall hätten wir die nächste Tankstelle in 286 Kilometer Entfernung nicht mehr erreicht und uns wohl zu den beiden Truckern gesellen können, die hinter Warndreiecken auf der Hauptstraße sehnsüchtig auf einen Tankwagen warteten. Aber dann "erinnerte" sich der Tankstellen-Pächter daran, dass er für Notfälle, und als solches gehen Hilfe suchende Touristen allemal durch, noch einen Reservekanister für sein Stromaggregat in seinem Schuppen hat und verkaufte uns 15 Liter - zum regulären Preis (!).

Und im ganzen Land sieht und spürt man, wie und wo die 200.000 Weißen - von ursprünglich 270.000 sind nur rund 70.000 im Land geblieben - ihre Farmen, Restaurants, Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser aufgegeben, leergeräumt und das Land verlassen haben. Früher augenscheinlich tolle Gebäude und Anlagen, stehen sie heute mit eingeschlagenen Scheiben, zum Teil ohne Dächer, Türen und Fenster, mit zerbröselnden Mauern als dem Verfall preisgegebene Fragmente in den Städten herum. Doch die insgesamt sehr freundlichen und lebenslustigen Einheimischen scheint das alles nicht zu jucken. Die Mehrheit von ihnen - das ist zumindest unser Eindruck - steht stramm hinter Mugabe. Die allgegenwärtigen Straßenhändler und selbsternannten Parkplatzwächter machen sogar Witze über das Dilemma. Als Souvenirs bieten sie den Touristen komplette Serien von wertlos gewordenen Zimbabwe-Dollar-Scheinen an, der früheren Landeswährung. Das ganze Bündel von der Ein-Dollar-Note bis zum Eine-Billion-Schein für fünf US-Dollars.

Aber wir sind nicht nach Zimbabwe gereist, um uns ein Bild von der politischen Situation zu machen - so interessant sie auch ist. Wir wollen die Naturschönheiten besichtigen. Als erstes die 1,7 Kilometer breiten und bis zu 108 Meter hohen, aus mehreren einzelnen Wasserfällen bestehenden Victoria Fälle. Es ist schon beeindruckend mit welcher Wucht das Wasser hier über die Felsvorsprünge und Nasen in die Tiefe stürzt und dabei so viel Gischt in den Himmel sprüht, von wo sie als Regen wieder herunterfällt, dass wir trotz Regenschirmen und Regenjacken ab der Hüfte nach unten patschnass wurden. Weil der Sambesi recht viel Wasser führte, sahen wir ab etwa der Mitte vor Gischt und Regen kaum noch etwas von den Fällen. Die Brücke, auf der man Sambia fahren kann, war nicht mal zu ahnen. Auf dem Rückweg versuchte ich, an den beiden Tankstellen eine Straßenkarte von Zimbabwe und die verflixten Mugabe-Gedächtnis-Reflektoren zu bekommen. Keine Chance. Ab etwa 16:30 Uhr bis kurz vor Sonnenuntergang wurde es am Himmel lebendig. Mehrere Ultraleichtflieger und Helikopter kreisten und klopften über die Wasserfälle. Von unserem Stellplatz auf der Campsite mitten im Ort aus sahen wir einen großen Regenbogen in der Gischtwolke über den Fällen.

Immer noch ohne Straßenkarte fuhren wir als nächstes zum Hwange-National-Park. In der Hoffnung, dort wenigstens eine Karte vom Park zu bekommen. Wir hatten nur unsere Übersichtskarte Südafrika im Maßstab 1: 2 Mio und eine Skizze aus dem Lonely-Planet-Reiseführer. So fuhren wir sehr stark nach Instinkt und Sonnenstand durch die wechselvolle Landschaft - erst sehr stark bewaldet, dann immer lichter, zuletzt typische Kalahari-Landschaft mit Bushman-Gras, rotem Sand, wenig Bäumen -, bis wir unseren ersten Übernachtungsplatz in Robins Camp erreichten. Unterwegs sahen wir fünf Giraffen, eine Herde Elefanten, einige Wildschweine und Böcke. Hier entrichteten wir die Eintrittsgebühr für den Park von 20 $ pro Person und 10 $ für den Sprinter sowie 30 $ für die Campsite - Preise wie in Namibia. Eine Karte vom Park bekam ich hier genauso wenig wie später im Main Camp.

Ganze 50 $ mussten wir vorab bezahlen, um am Wasserloch von Deteema übernachten zu dürfen, das etwa 25 Kilometer entfernt ist. Das Camp ist eingezäunt und aufgebaut wie Kral. Es bietet eine offene Aussichts-Hütte auf das Wasserloch und ein Wasch-Dusch-Toilettenhäuschen, in dem wir mit Holzfeuer das Duschwasser aufheizen konnten. Bei unserer Ankunft war weit und breit kein Mensch zu sehen. Vor allem nicht George, der hier verantwortlich sein soll. Der kam am Nachmittag mit Gewehr über der Schulter und einem zweiten Wildhüter, gerade richtig, um mit uns Kaffee zu trinken - man glaubt es nicht: mit Milch und Zucker! Wir hatten den ganzen Nachmittag viel Spaß zusammen und ließen das Fernglas kreisen, um die Tiere am anderen Ufer zu beobachten. Das waren in erster Linie Elefanten, die in Gruppen und Familien kamen und gingen, fünf Giraffen, ein Flusspferd und jede Menge Böcke, Antilopen, Kudus und Zebras. Keines von ihnen ging ins Wasser, was wir so noch nie gesehen hatten. Die beiden Wildhüter erklärten und zeigten uns warum: am Ufer lagen fünf Krokodile in der Sonne. Denen wollte verständlicherweise keines der anderen Tiere zu nahe kommen.

Nachdem sich die beiden in ihre etwa eine Kilometer entfernte Hütte zurückgezogen hatten, saßen wir noch sehr lange bei hellem Mondschein draußen und schauten auf das gegenüberliegende Ufer, an dem knapp einhundert Elefanten wie eine schwarze Wand nebeneinander standen. Es war ein unglaubliches Schauspiel. Nachts um zwei Uhr weckte uns das Schnaufen und Prusten eines Elefanten-Bullen, der keine fünf Meter von uns entfernt durch den Uferschlamm unter unserem Stellplatz watete und Wasser schlürfte.

Gegenüber dem Erlebnis an diesem Camp verblasste alles, was wir auf der Weiterfahrt und einer weiteren Übernachtung in diesem, sich über mehr als einhundert Kilometer Länge erstreckenden National-Park noch erlebt haben.

Auch, wenn mehrfach Elefantenherden unseren Weg kreuzten. Vor allem vom Camp Sinamatella waren wir bitter enttäuscht. Zwar hatten wir vom Stellplatz aus einen herrlichen Blick hinunter in die weite Ebene, auf der alle vier Tage eine Herde von etwa vierhundert Wasserbüffeln durchziehen soll - wir waren leider bei "Halbzeit" da. Aber die gesamte Anlage machte einen schlimmen, heruntergekommenen Eindruck. Vor allem das in "früherer Zeit" äußerst beliebte Ausflugs-Restaurant, das leer geräumt und verrottet und dessen Dach eingebrochen ist. Wir hatten weder Stromanschluss noch ein Handy-Netz. Von Internetzugang ganz zu schweigen. Langsam wurden wir kribbelig. Über den zweiten Geheimtipp für Wasserbüffel, Shumba Dam - eine sehr schöne Anlage, auf der wir aber kein einziges Tier sahen - und das Main Camp, auf dem wir immer noch kein Handynetz hatten, sind wir bis nach Bulavayo gefahren, um wieder Kontakt zu bekommen.

Bulavayo war mal eine der attraktivsten Städte im Südlichen Afrika mit breiten Straßen und drei wunderschönen Parkanlagen. Heute kann man diese Schönheit allenfalls ahnen. Die Avenuen sind zum Teil gesperrt, weil völlig kaputt. Die Parkanlagen sind ungepflegt. Zudem wird die Stadt überragt von hässlichen Kühltürmen und Schonsteinen eines Kraftwerks - ein Bild und Eindruck, wie wir ihn von der gewesenen DDR kennen. Aber wenigstens finde ich mitten in der Stadt einen Internet-Shop, in dem ich den Reisebericht 05/2012 absenden und meine eingegangenen E-Mails abrufen konnte. In einer von ihnen bestätigte uns die Reederei die Rück-Verschiffung unseres Sprinters zum 30. Juli.

Unser eigentliches Ziel war aber nicht Bulavayo, sondern die rund 30 Kilometer südlich der Stadt gelegenen Matopo-Hills im Rhodes Matopos National Park. Auch hier wieder war der Staat nicht in der Lage, den zahlenden Besuchern eine Karte des Parks auszuhändigen. Aber dafür zeigten sich die Uniformierten am Eingangstor als "ausgeschlafene" Burschen: für drei US-Dollars boten sie uns eine DIN-A4-Fotokopie der Karte des Parks an - in Europa bekäme man für diese Summe eine ganze Broschüre. Ausgeschlafen zeigte sich dann aber doch die Parkverwaltung. Zusätzlich zu den insgesamt 50 US-Dollars, die wir bis hierher schon gezahlt hatten, wollte sie für den Besuch der Grabstätte von Cecil Rhodes nochmal 20 $ - "weil sie nicht zum National-Park, sondern zu den National Museums & Monuments of Zimbabwe gehört". Der weitläufige Park beeindruckt durch seine Granitkuppeln und die von heruntergestürzten Riesenkugeln, die hier nicht rötlich, sondern überwiegend schwarz gefärbt sind.

Nachdem wir die wichtigsten Schleifen zwischen den fantastischen Felsformationen hindurch abgespult hatten, wollten wir noch das Museum besuchen. Doch das gab es nicht mehr. So standen wir schon um 16:00 Uhr auf der Campsite am Maleme-Dam genannten Wasserloch. Die aber war wenig einladend: Wasserhähne, Toilettenhütten, Braai-Rosten und jede Menge herumturnender Affen, die gerade die Mülltonnen untersuchten. Für 16 $ weder Stromanschluss noch irgendeine Leuchte, schon gar kein Handynetz auf der buckligen Wiese. Das wollten wir uns nicht antun. Wir fuhren zurück nach Bulavayo und übernachteten auf dem städtischen Campingplatz. Für 16 $ - mit Licht, Stromanschluss, Handynetz und warmem Wasser zum Duschen.

Eine Tagestour - 340 Kilometer durch Savannen-Landschaft mit viel Kamelgras und lichten Wäldern - von Bulavayo entfernt steuerten wir unser letztes Ziel in Zimbabwe an: den Great Zimbabwe National-Park. Die Hauptattraktion in diesem Park sind die Ruinen der königlichen Residenz aus dem 12. bis 15. Jh., die von Kennern als die spektakulärsten Ruinen in Afrika südlich der Sahara gesehen werden. Es handelt sich dabei um gewaltige Granitstein-Mauern, die ohne Mörtel auf einem Felsvorsprung errichtet wurden, was die Anlage uneinnehmbar machte. Dennoch soll es sich nicht um eine Wohnanlage, sondern um ein religiöses Zentrum mit Repräsentationsbauten gehandelt haben. Unterhalb des Felsens sind weitere Bauten im Gelände verstreut - auch sie waren niemals durch Dächern geschlossen. Die gesamte Anlage wird heute durch ein Museum und ein Museumsdorf ergänzt. Fast noch beeindruckender als dieses Ensemble fanden wir aber den nahen Canyon, den der Kyle-River tief in das Granitgestein gefräst hat, und den malerischen, mittlerweile zu einem bescheidenen Freizeit-Zentrum ausgebauten See, zu dem der Fluss oberhalb des Canyons aufgestaut ist.

Ins tiefste Schwarzafrika versetzte uns der Grenzübergang nach Südafrika. Alles wuselte, kurvte hupte und schrie durcheinander, an den Schaltern der Behörden gab es keine vernünftige Beschriftung, schon gar keine irgendwie geordnete Reihenfolge. Mit unserem Durchlaufzettel fragten wir uns bei mürrischen Beamten durch, die nur widerwillig Auskunft gaben. Das Zollgebäude fanden wir zuerst gar nicht. Und in der Warteschlange vor der Ausfahrtschranke kamen von beiden Seiten irgendwelche mit Fantasie-Uniformen oder beschrifteten Schutzwesten auf "offiziell" kostümierte Gestalten und wollten dubiose Papiere sehen, bei deren Fehlen sie saftige Strafen kassieren müssten. Einer meinte sogar, er müsse von uns "leider" 150 US-Dollar Strafe kassieren. Das volle "typisch afrikanische" Programm eben. Schade. Denn bis dahin hatten die Zimbabwer bei uns ein gutes Gefühl hinterlassen.

Südliches Afrika, Reisebericht 07/12

In den vergangenen vier Wochen haben wir einiges durchgestanden. Es begann damit, dass unser Sprinter Schwierigkeiten durch ein gebrochenes Teil machte und wir - aufgrund von Missverständnissen, mangelnden Sprachkenntnissen und fehlenden Kenntnissen der Regularien von deutschem Versender, Paketdienst und südafrikanischer Empfänger-Werkstatt - sehr lange auf ein aus Deutschland eingeflogenes Ersatzteil warten mussten, bis es durch den südafrikanischen Zoll und in der Mercedes-Werkstatt war. In dieser Zeit konnten wir zwar auf einem nahe gelegenen Campingplatz im Fahrzeug übernachten und auch bedingt mit ihm fahren. Aber halt nur kurze Strecken und nicht das Programm, das wir ursprünglich geplant hatten. So mussten wir unter anderem Moçambique aus unserer Reise streichen. Noch schlimmer kam es dann allerdings nach der Reparatur. Die Monteure hatten wohl - selbstredend lässt eine Werkstatt die Kunden bei ihrer Arbeit nicht zuschauen - das neue Teil unsachgemäß unter Spannung reingewürgt und durch das Gemurkse den Vorderachsantrieb so stark beschädigt, dass der nach etwa 120 Kilometern Fahrt so stark schlug und hämmerte, dass ich nicht weiterfahren wollte. Reparaturversuche neben der Autobahn bis in die Dunkelheit verschlimmerten den Zustand nur noch. Schließlich schickten wir die Jungs heim, schleppten uns mit wummernder Vorderachse ein paar Kilometer weiter zu einem Restcamp, von wo aus wir - mit der Geduld und den Nerven am Ende - vom verantwortlichen Service-Manager eine sofortige und umfassende Lösung einforderten. Die übernahm dann Hans - der deutschsprachige Werkstattleiter einer nahe gelegenen Mercedes-Vertretung. Um "Amtshilfe" von seinem überforderten, über hundert Kilometer entfernten, Kollegen gebeten, schickte er einen Abschlepp-Lkw, der den Sprinter huckepack und uns im Fahrerhaus in seine Werkstatt brachte. Dann ließ er die Vorderachse wieder auseinandernehmen, den beschädigten Antriebswellenkopf über das Wochenende anliefern und am darauf folgenden Montag akribisch und perfekt einbauen. Jetzt ist alles wieder okay - bis auf unser Nervenkostüm. Genauer möchte ich das Ganze im Moment - aus diversen, verständlichen Gründen - nicht beschreiben.

Etwas Genauer möchte ich aber über Menschliches berichten. Hans, der Deutsch-Namibier und langjährige Mitarbeiter von Mercedes-Benz South-Africa, hatte uns - Freitagmittag - erst einmal aus der "Schusslinie" gebracht und in eine Mall chauffiert, während er unseren Sprinter zerlegen ließ. Als er uns gegen 17:00 Uhr dort abholte formulierte er vorsichtig, dass es ihm nicht recht sei, wenn wir in dem aufgebockten Sprinter übernachten würden. Als Alternative bot er uns an, uns mit zu sich nach Hause in das 100 Kilometer entfernte Pretoria zu nehmen, um dort das Wochenende zu verbringen. Das Gästezimmer stünde samt eigenem Bad zu unserer Verfügung, seine Frau Mariann wäre es gewohnt, dass er hin und wieder Arbeitskollegen oder andere Gäste mitbringe. Außerdem könnten wir ein Fahrzeug der Familie haben, um uns damit Pretoria und die Umgebung anzuschauen. Wir waren wie geplättet nach all dem nervenzehrenden Frust der letzten Wochen. Wir haben schon einiges an Gastfreundschaft erlebt, aber so etwas Überwältigendes noch nie. Es wurde ein ausgefülltes, angenehmes, erholsames und freundschaftliches Wochenende mit Hans, Mariann und Sohn Heinrich. Für uns hat seither der Spruch "als Fremde gekommen, als Freunde gegangen" einen ganz klaren Bezug.

Vor, ein bisschen während und nach unserem Desaster waren wir aber dennoch am Blyde-River, im Kruger-Park, in Swaziland und - über das verlängerte Wochenende mit einem Mitsubishi Lancer von Hans - in Pretoria, Sun-City und im Pilanesberg-Nationalpark. Und unsere Eindrücke dabei waren so unterschiedlich wie die Namen der Sehenswürdigkeiten. Am wenigsten gefallen hat uns, was eigentlich schon vorher klar war, Sun-City, das Las Vegas von Südafrika. Eine künstliche Stadt und Spielhölle mitten in einer nichtssagenden Landschaft. Auch die beiden Nationalparks haben uns unter dem Strich enttäuscht. Nicht landschaftlich, da bieten beide sehr reizvolle Strecken mit Steppen, Wasserlöchern, Bergen und Granitkuppeln, sondern wegen ihrer raren Tierbestände. An Großkatzen haben wir nur sehr weit entfernt einige Löwinnen gesehen, und verglichen mit den Herden von Elefanten, Giraffen, Büffeln, Flusspferden, Böcken und Antilopen aller Art, die wir in Botswana und Zimbabwe gesehen haben, können beide Parks nach unserem Eindruck nicht mithalten. Aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass wir nur jeweils zwei Tage Zeit hatten.

Mehr Zeit haben wir am Blyde-River verbracht, der uns wie vor vier Jahren auch diesmal überwältigt hat. In diesem Jahr haben wir in einer Lodge mit Campingplatz eingecheckt, die direkt oberhalb des Canyons liegt. Von ihr aus sind wir den vierstündigen Leopard-Trail gelaufen, der fast bis hinunter zum Fluss und wieder hinauf zur Lodge führt. Wie erwartet hatte der Fluss jetzt im Winter - vergleichbar mit Europa wäre jetzt Dezember - erheblich weniger Wasser als vor vier Jahren. Da waren wir in der Regenzeit im Februar hier, was dem europäischen August entspricht. Besonders deutlich wurde das an Bourkes Luck Potholes. Wo vor vier Jahren die beiden Flüsse Blyde und Treur nur so ineinander sprudelten und wirbelten, ragten in diesem Jahr große, ausgetrocknete Felsblöcke in die Höhe.

Überhaupt der Winter. Klar war uns, dass es tagsüber mehr als 25 Grad warm sein und nachts - je nach Höhenlage - bis zum Nullpunkt abkühlen kann. Dafür hatten wir einen Satz zusätzlicher Wolldecken mitgenommen. Was wir aber nicht in dieser Ausprägung erwartet hatten, weil es auch in keiner Grafik gezeigt wird, das ist die kurze Helligkeitsdauer. Zurzeit geht die Sonne gegen 07:00 Uhr auf und um 17:30 Uhr unter. Da kommt es uns gut zupasse, dass wir nur so um die 200 Kilometer pro Tag fahren. So wird die Suche nach einem Übernachtungsplatz in einer Farm, Lodge, einem Caravan Park oder einer Campsite nicht zum stressigen und gefährlichen Rumgekutsche in der Dunkelheit. Denn manchmal ist es schon tagsüber schwer, die Orientierung nicht zu verlieren. Wie etwa heute. Was bei uns unvorstellbar ist: Die Südafrikaner düngen durch Brandrodung. Jetzt im Winter stehen ganze Landstriche unter bewusst gelegtem und gesteuertem Feuer, mit dem das hohe Steppengras abgefackelt wird, um frisches Grün im Frühjahr zu ermöglichen. Da liegt es in der Natur der Sache, dass die Kokelei manchmal aus dem Ruder läuft. Feuerwehr? Fehlanzeige. Die hätte viel zu tun. Und so mussten wir heute durch ein Flächenfeuer hindurch, das sich bis an den Straßenrand gefressen hatte. Die Flammen links von uns schlugen über einen Meter hoch. Sichtweite höchstens zehn Meter. Ich klemmte mich hinter einen Lastwagen, der uns zwischen Leitplanke links und Gegenverkehr rechts hindurch lotste, und hatte höllische Angst, dass unsere Reifen Feuer fangen könnten. Noch abends roch unser Innenraum nach Rauch. Und ausnahmsweise mal nicht vom Braaien der Campingplatz-Nachbarn.

Südliches Afrika, Reisebericht 08/12

Unser Sprinter-Van ist seit heute Morgen auf hoher See und wir starten in ein paar Stunden mit einem Mietwagen - wegen der Sicherheit für unser Gepäck mit Stufenheck/Kofferraum, Kategorie C, Toyota Corolla - in Richtung Kapstadt. Die "Stadt aller Städte" wollen wir bis Freitag erreicht haben, dann dort noch bis zum Abflug am 07.08. bleiben.

Seit unserem letzten Bericht haben wir als erstes den Umfolozi-National-Park besucht - und den ersten Geparden in freier Wildbahn auf dieser Reise gesehen. Über den Wetland-Park rund um St. Lucia mit seinen Krokodilen und Flusspferden haben wir dann den Indischen Ozean vor Durban angesteuert und einige Tage in verschiedenen Caravan-Parks verbracht. An dieser Stelle: Die Südafrikaner unterscheiden recht deutlich zwischen Campsites und Caravan-Parks. Erstere sind in erster Linie weitgehend naturbelassene Plätze für Zelt-Camper und Camper mit allen Arten von geländegängigen Klappanhängern, die mit urigen Pick-Ups anreisen und sich entsprechend robust gebärden. Auf Campsites sieht man so gut wie nie Wohnwagen europäischer Bau-Art. Ganz anders sind die meist parzellierten, edleren Caravan-Parks. Hier dominieren echte Wohnwagen - wenn auch überwiegend ohne echte Stehhöhe, sondern mit Hubdach. Entsprechend findet man hier auch viele normale Personenwagen als Zugfahrzeuge.

Um diese Jahreszeit wird ein weiterer Unterschied spürbar. Während die Campsites fast leer sind, meist waren wir die einzigen Gäste, sind zum Beispiel die Caravan-Parks am warmen Indischen Ozean überfüllt - mit Rentner-Ehepaaren, denen hier nicht nur ein "altersgerechtes" Unterhaltungs-Programm geboten wird - mit Spielnachmittag am Mittwoch, gemeinsamem Braaien am Freitag und Open-Air-Gottesdienst am Sonntag -, sondern monatliche Gebühren (inklusive Wasser, Strom, Toiletten, Dusch- und Waschhäusern mit warmem und kaltem Wasser, Müllabfuhr usw.) Kosten von umgerechnet lediglich 130 bis 160 Euro abverlangt werden. Kein Wunder also, dass sich hier Rentnerpaare für drei bis fünf Monate niederlassen. Wie in Amerika besitzen viele keine andere Bleibe mehr. Einer von ihnen hat uns in Hibberdene von einem deutschen Ehepaar mit Riesen-MAN und ebensolchem Hund vorgeschwärmt, die vor zwei Jahren hier auf dem Platz gewesen seien. Wir haben ihn aufgeklärt, dass das nicht vor zwei, sondern schon vor vier Jahren war (wir wissen das, weil wir dabei waren), dass wir die vier kennen, und ihm hoch und heilig versprochen, dass wir Hans und Gabi ganz herzlich von ihm grüßen werden.

Nachdem wir uns am Meer wieder ein bisschen aufgewärmt hatten, waren wir bereit, durch die Midlands - über das Tal der 1.000 Hügel, Pietermaritzburg, Howick und Volksrust - in die von allen "Wissenden" zu dieser Jahreszeit als eiskalt und verschneit dargestellten Drakensberge zu fahren. Kalt war es dort oben und Schnee lag auch, aber nur ganz oben auf den Gipfeln. Ansonsten hatten wir jedoch viel besseres Wetter als im Südsommer vor vier Jahren, wo wir dort nur Regen erlebt haben. In diesem Jahr hatten wir eine tolle Wintersonne und unglaublich schöne Anfahrten durch die hüglige Landschaft hin zu den Highlights. Wir waren am Amphitheater, am Cathedrals Peak, am Giants Castle und am Sani-Pass. Den ursprünglichen Plan, über den Sani-Pass nach Lesotho einzureisen, haben wir gekippt, weil es bis 2.500 Meter herunter geschneit hatte und schon auf dem knapp 2.700 Meter hohen Sani-Pass bereits ein halber Meter Schnee lag - und es anschließend noch ein paar hundert Meter höher geht. Und das alles ohne eine Art Markierung der Piste, ganz zu schweigen von Leitplanken oder ähnlichem.

Wieder zurück am Indischen Ozean haben wir den Entschluss gefasst, doch noch nach Coffee Bay zu fahren und das "Hole in the Wall" zu suchen und zu finden. Eigentlich wollten wir diese "Ecke"- das ehemalige Homeland Transkei, in das die weiße Regierung zu Apartheid-Zeiten Millionen Schwarze zwangsumgesiedelt hat, Geburtsregion von Nelson Mandela - aussparen, weil wir vor vier Jahren hier kein "gutes" Gefühl hatten. Vor allem die Jugendlichen, so unser Gefühl, machten uns mit ihren Gebärden klar, dass wir hier nicht willkommen seien. Aber nach fünf Monaten Afrika hielten wir uns diesmal für gefestigt genug, ohne Vorurteil und Angst durch diese wilde, landschaftlich sehr reizvolle, vom Tourismus aber nahezu ausgeklammerte Gegend zu reisen. Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir fanden nicht nur das "Hole in the Wall", sondern auch, dass sich die wirtschaftliche Situation, und damit das Leben und die Stimmung in der Bevölkerung in dieser ärmsten Region des ganzen Landes deutlich verbessert haben.

Allerdings, ohne Unterstützung und GPS hätten wir uns wohl auch diesmal schwer getan, die berühmte Sehenswürdigkeit "Hole in the Wall" zu finden. Für uns unvorstellbar, gibt es lediglich 18 Kilometer vorher ein Hinweisschild an der Straße. Dann ist man auf sich allein gestellt, alle paar hundert Meter die richtige Abzweigung von zwei oder mehr Wegen zu finden, die irgendwie alle in Richtung Meer zu führen scheinen. Doch da spielte der Zufall eine entscheidende Rolle. Unterwegs kamen uns Peter und Traudl in ihrem Toyota-HZJ - mit GPS und super Kartenmaterial - entgegen, die wir schon in Nelspruit getroffen hatten. Gemeinsam checkten wir im Caravan Park von Coffee Bay ein und fuhren am nächsten Morgen im Zweier-Konvoi zum "Hole in the Wall", an dem die beiden schon vor 35 Jahren im VW-Bus einen Urlaub verbracht hatten.

Bevor wir nach Port Elizabeth gefahren sind, um unseren Sprinter im Hafen "abzuliefern", haben wir am vergangenen Wochenende noch eine Runde durch die Große Karoo gedreht und den Addo-Elephant-National Park besucht. In den nächsten acht Tage werden wir uns in Etappen mit "Bed & Breakfast" Kapstadt nähern, noch einige spezielle Informationen "einsammeln", im Großen und Ganzen aber eher Urlaub machen als reisen. Am 8. August werden wir wieder daheim sein und am 18. August soll das Schiff mit dem Sprinter in Bremerhaven ankommen.