Reisebericht Kroatien 2016.

Reisen veredelt wunderbar den Geist und räumt
mit all unseren Vorurteilen auf. (Oscar Wilde)

Kroatien, das ist für viele FKK-Camping und Baden in Istrien. Nicht so für uns. 55 Tage und 4.140 Kilometer waren wir überwiegend entlang der Küsten und auf den wichtigsten Inseln unterwegs, haben das Landesinnere mit seinen mächtigen Gebirgen und Naturparks aber bis auf einen kleinen Schlenker auf dieser Reise ausgelassen.

An Istriens Küste

Schon oft sind wir auf der Magistrale, der Küstenstraße, durch Kroatien gefahren. Auf dem Weg nach Montenegro, Albanien und Griechenland. Aber auch im letzten Jahr auf der Anreise nach Bulgarien und Rumänien. Grundsatz war dabei stets, für die Anreise nach Kroatien weder in Österreich noch in Slowenien Mautgebühren zu bezahlen. Mal sind wir über den Reschenpass, den Gardasee, Verona und Venedig angereist, mal über Garmisch-Partenkirchen, den Zirler Berg, Innsbruck, die alte Brennerstaße, Verona und Venedig. Unser Favorit aber ist die Anreise über Rosenheim, Kufstein, die Felbertauernstraße – deren Mautgebühren wir akzeptieren -, den spektakulären, 1.357 Meter hohen Plöckenpass, Tolmezzo, Udine und Triest. Diese Anfahrt wählen wir auch in diesem Jahr. Um die 40,00 Euro für die paar Kilometer Autobahn in Slowenien zu vermeiden, verlassen die Autobahn aber bereits vor Triest, fahren durch die Stadt und auf der Uferstraße bis hinter die slowenische Grenze auf eine kleine Halbinsel, die wir vom letzten Jahr als guten Übernachtungsplatz kennen. Mit uns haben sich dort acht Reisemobile zur Übernachtung versammelt.

Ein Bierchen in Ehren...
Ein Bierchen in Ehren...

Am nächsten Tag wollen wir bis Istrien kommen, wenn möglich bis zum FKK-Campingplatz Koversade, um dort Freunde zu treffen. Dazu fahren wir über Koper und Portoroz entlang der Küste über Umag, Novigrad und Porec nach Vrsar am Meeresarm Limski zaliv zu den Campingplätzen. Wir checken neben dem FKK-Platz auf dem Textilplatz Porto Sole ein und müssen mit über 40 Euro pro Nacht rechnen. Am Ende werden es für zwei Nächte umgerechnet 63,85 Euro, pro Tag also 31,92 Euro sein. Hier lernen wir zum ersten Mal eine kroatische Spezialität kennen: zusätzlich zu der obligatorischen Übernachtungssteuer von einem bis 1,50 Euro pro Gast, die angeblich an die Gemeinden abzuführen ist – nennen wir sie Kurtaxe -, stellen viele Campingplätze für die erste Nacht auch noch eine Bearbeitungspauschale von rund einem Euro pro Person in Rechnung. Wir bleiben zwei Tage auf dem Platz und bei unseren Freunden. Wir Männer machen eine ausgedehnte Radtour, die Frauen gehen Schwimmen. Zusammen erkunden wir, alle in Textil, den FKK-Platz und den überschaubaren Ort Vrsar. Genauer: den Strandbereich mit seinen Eisdielen, Bars, Restaurants, Souvenirbuden und Bootsverleihern. Ich staune nicht schlecht: direkt nebeneinander verlangen fünf Anbieter für den gleichen Bootstyp mal 85 mal 100 Euro.

Blick auf Rovinj
Blick auf Rovinj

Weiter geht es für uns, immer an der Küste entlang, nach Rovinj. In der Altstadt ist es für uns unmöglich zu parken. Wir suchen uns eine Parkbucht an einem Park in der Nähe des Krankenhauses. Schräg gegenüber könnte ich auf dem Randstreifen neben Häusern mit Gärten parken, aber ich ziehe es vor, den Sprinter rückwärts neben einem Schatten spendenden Baum in die quer zur Straße angeordnete Parkbucht zu manövrieren. Das Ticket für drei Stunden hole ich mir am Automaten. Zu Fuß laufen wir in der Mittagshitze hinunter in die Altstadt, von dort bis hinauf zur Kirche, wo ein Scherenschnitt-Künstler Christa anbaggert und ohne dass sie das will, beim Laufen neben ihr ein Konterfei von ihr erstellt und dafür 20 Euro verlangt. Als sie, um ihn loszuwerden, mich ins Gespräch bringt, rotzt er sie an: „haben sie kein eigenes Geld, müssen Sie Ihren Mann etwa um Erlaubnis bitten?“ Unten am Hafen trinken wir den teuersten Eiskaffee unseres bisherigen Lebens – acht Euro pro Glas. Das hat unseres Wissens nicht mal der Markusplatz in Venedig geschafft.

Schon von Weitem sehe ich mehrere rote Zettel an den Scheiben unseres Sprinters kleben und eine Radkralle am linken Vorderrad. Ich rufe die angegebene Handynummer an, soll fünf Minuten warten. Ich nutze die Zeit, um am Parkscheinautomat zu klären, wieso ich Bußgeld zahlen soll. Und ich finde ein etwa handgroßes Hinweisschild, dass auf diesem Parkplätzchen das Parken für Omnibusse, Lastwagen und Reisemobile verbietet. Ein Witz, sind die Parkbuchten doch nur etwa fünf Meter tief. Das Heck unseres sechs Meter langen Sprinters ragt schon ab den Hinterrädern über die Begrenzung in den Park hinein. Busse oder Lastwagen würden mindestens bis in die Mitte der Straße hinein reichen. Ich bin noch gar nicht am Sprinter zurück, da kommt der städtische Bedienstete, kassiert die angedrohten 80 Kuna (etwa elf Euro), löst die Kralle und erklärt mir mit einem Augenzwinkern, dass ich mit dem Zahlbeleg am Sprinter bis morgen Mittag hier stehen bleiben, also auch übernachten, könnte. Und dass, übrigens, der offizielle Reisemobil-Parkplatz der Stadt 25 Kuna pro Stunde kosten würde. Wir aber sind so angesäuert, dass wir hier nur noch weg wollen und die Kaffeepause auf später irgendwo am Ufer verschieben.


Ruhe vor dem Schrecken
Ruhe vor dem Schrecken

Nicht nur, aber auch deswegen steht schon jetzt für uns fest, dass Istrien für uns im Gegensatz zu fast allen unseren Freunden und Bekannten nicht so unsere bevorzugte Reiseregion ist. Auch landschaftlich finden wir andere Regionen Kroatiens wesentlich reizvoller. Über Pula und Opatija, dort übernachten wir auf einem Autocamp, wollen wir auf der Magistrale bis kurz vor Trogir auf den Campingplatz Belvedere kommen, auf dem ebenfalls Freunde auf uns warten. Sie haben dort mit einer ACSI-Ermäßigungskarte für die Vor- und Nachsaison eingecheckt, die zusammen mit dem speziellen Campingführer knapp 17,00 Euro kostet und mit der sie inklusive Strom 17 Euro pro Nacht zahlen. Auf der Fahrt zu ihnen schauen wir kurz auf unserem Lieblings-Autocamp Oaza II bei Drage vorbei. Der Platz ist noch ansprechender als im Vorjahr, das Ufer aufgeschüttet, der Bootsanleger erneuert, weitere Stellplätze eingerichtet. Wir freuen uns auf den kommenden Aufenthalt. Gegen Nachmittag kommen wir in Seget Vranjica auf dem Campingplatz Belvedere an und müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir, ohne die spezielle ACSI-Karte, über 40 Euro pro Nacht zahlen müssen. Das trübt naturgemäß unsere Stimmung, obwohl uns unsere Freunde mit dem üblichen Sektempfang begrüßen. Wir beschließen, für nächstes Jahr auch diesen ACSI-Führer zu kaufen.

Marmor, Stein und Eisen...
Marmor, Stein und Eisen...

Auf Belvedere sind wir ganz Camper. Vormittags gehen wir zu viert an die Strandbar, gönnen uns einen Cappuccino und halten über WhatsApp Kontakt nach Deutschland. Nachmittags erkunden wir zu viert im offenen Cabrio, die beiden haben ihr Reisemobil vor drei Jahren verkauft und sich ein Wohnwagengespann zugelegt, die Umgebung. Mal fahren wir in Richtung Süden nach Trogir, Split und Omiš, mal Richtung Norden nach Marina, Rogoznica und Primošten – immer jeweils verbunden mit Kaffeepause, Eis lutschen und Shopping. Abends grillen und kochen wir meist gemeinsam oder gehen essen, zum Beispiel in den nahen Ort Seget Vranjika, wo sich Christa und ich einen Dalmatinischen Teller mit Schinken, Wurst und Käse sowie eine Portion Calamari fritti und Krautsalat teilen, was samt zwei Bier 35,00 Euro kostet. Einmal fahren Christa und ich um 17:00 Uhr mit dem Taxiboot Filip's Marina (hin und zurück pro Person: 7,00 Euro) direkt vom Campingplatz nach Trogir, schlendern über den Handwerkermarkt am Hafen und durch die malerische Altstadt, wo vor der zwischen 1200 und 1605 gebauten Kathedrale Sv. Lovro irgendein katholisches Fest gefeiert wird. Die Altstadt von Trogir, vor über 2000 Jahren von den Griechen gegründet, ist auf einer von dicken Mauern umgebenen Insel gebaut, die über Brücken mit dem Festland und mit der Insel Čiovo verbunden. Innerhalb dieser Mauern bildet das dichte Nebeneinander von Kirchen, Palästen und Bürgerhäusern mit kleinen Läden, Restaurants und Cafés ein höchst reizvolles Ganzes. Mit Blick auf den Uhrturm und die Loggia aus dem 15. Jahrhundert genießen wir unser Abendessen. Für Civapcici, Gnocchi mit Wildschwein und Schafskäse, Salat und Bier zahlen wir 48,00 Euro.

Uferpromenade von Trogir
Uferpromenade von Trogir

Tagsüber steht Management an den Fahrzeugen, Wäsche von Hand waschen, relaxen, sonnen und baden auf der Tagesordnung. Ich lese ausnahmsweise sogar ein ganzes Buch: „Als Schisser um die Welt“, das mir Karlheinz empfohlen und geliehen hat. Alles also typisch Campingleben.

Nach vier Tagen zieht es uns weiter. Wir verabschieden uns gegen 10:00 Uhr, zahlen schließlich umgerechnet 152,85 Euro für die vier Tage, also doch nur 38,21 Euro pro Tag, und fahren auf der Magistrale zurück nach Norden. Bei Primošten, dem malerisch auf einer Insel und von dicken Wehrmauern umgebenen Touristenort, machen wir einen kurzen Abstecher zum Tommy-Market, wo wir – folgenschwer - neben anderem auch ein kaltes, halbes Hähnchen von der Theke kaufen. In Drage kommen wir im Laufe des frühen Nachmittags an, suchen uns einen Platz im hinteren, fast leeren Bereich und richten uns ein. Endlich „daheim“.

Dalmatinische Küste

Das Autocamp Oaza II nennt sich mittlerweile Oaza Lučica. Es erstreckt sich auf einem Hügelrücken an der Bucht Lučica bei Drage auf Höhe der Inselgruppe der Kornaten und ist für uns der ideale Ort zum Schwimmen, Erholen und Relaxen - für andere: zum Bootfahren. Folgerichtig stürzen wir uns direkt nach unserer Ankunft ins Wasser. Anders als noch vor zwei Wochen ist der Platz nun ganz gut gefüllt. Außer Deutschen und Österreichern haben sich auch einige Polen und Tschechen mit ihren Reisemobilen einquartiert. Am Abend bekommt Christa schwere Magenprobleme. Wir schieben es auf das kalte Hähnchen vom Tommy-Market, obwohl ich auch davon gegessen habe. Wegen der Magenprobleme rufen wir tags darauf unseren Hausarzt in Ludwigsburg an, der uns ein Antibiotikum nennt. Ich fahre mit dem Rad zur Apotheke im nahen Pakoštane. Aber die Apothekerin beharrt auf einem Rezept – ein Hoch auf die regelungswütige EU. Da lobe ich mir die Griechen, denen das völlig wurscht ist. Ich rufe erneut die Praxis in Deutschland an, aber unser Doc macht wie immer in der Mittagspause Visite in drei Altersheimen. Zum Glück ist eines der Mädels hilfsbereit und versucht das selbst ausgestellte Rezept auf das Fax der Apotheke zu schicken, was allerdings nicht gelingt. Dann schickt sie es eingescannt von ihrem privaten Handy als E-Mail-Anhang. Das haut hin. Super. Ich bekomme das Medikament. Und wir werden uns nach Rückkehr bei der Lebensretterin entsprechend bedanken.

Lavendel-Stellplatz auf Oaza
Lavendel-Stellplatz auf Oaza

Zwei Tage nach uns richtet sich direkt unterhalb von uns ein Ösi-Paar mit Reisemobil und Transportanhänger ein. Fast zwei Stunden lang laden die beiden den Anhänger aus: Schlauchboot samt Außenborder, Motorroller, Partyzelt, Stühle, Tisch, Liegen und jede Menge anderes Gerödel. Am Ende stellen sie den Anhänger quer vor uns auf, wohl damit wir sie beim Sonnenbaden nicht sehen können. Ab nun würde die Sonne für uns drei Tage lang hinter einer blauen Plane untergehen, wenn wir mit unserer Sitzgruppe nicht zur Seite auswandern könnten. Mal wieder ein Beleg dafür, warum wir typische Campingplätze nicht so mögen.

Nicht jeden Tag ist super Wetter. Und so nutzen wir die weniger schönen Tage für Ausflüge ins Umland – ich auch mehrfach zum Rad fahren. Besonders interessant sind die Touren zum und um den Vrana See herum, der sich über zehn Kilometer Länge und vier Kilometer Breite nur ein paar hunderte Meter von der Küste entfernt durch das sanft hügelige, fruchtbare Hinterland zieht. Dieser von einem dichten Schilfgürtel umwachsene, eigentümlich grün gefärbte Süßwassersee ist das Revier verschiedener Sumpfvögel, aber auch von Aalen, Welsen, Hechten und Karpfen. Von einem Hügelrücken oberhalb des Sees haben wir bei klarem Wetter einen fantastischen Blick auf die weit über hundert, wie Eischnee auf dem Wasser liegenden, kahlköpfigen Kornateninseln.

Ein bisschen Sport muss sein
Ein bisschen Sport muss sein

Ganz anders gestaltet sich die Fahrt über Pirovac zum Touristenzentrum Murter, wo wir durch den Ort laufen und ein bisschen shoppen und frische Lebensmittel kaufen. Auf dem Rückweg entlang der Küste fahren wir über Betina und Jezera und besichtigen dabei einige Autocamps. Wir finden, keines ist so schön gelegen wie unseres. Noch dazu, als wir bei der Rückkehr feststellen, dass die blaue Plane nun zwei Ebenen weiter unten steht und wir wieder freie Sicht auf das Meer und die untergehende Sonne haben.

Wenig erfolgreich verläuft unsere erste Bootsfahrt in diesem Jahr. Es ist bewölkt, kaum Wind, das Wasser ist sehr ruhig. Deshalb trauen wir uns eine Ausfahrt mit unseren aufblasbarem Kanu entlang der Küste zu unternehmen. Aber leider ist das Boot, das weder Kiel noch Finne hat, für das offene Meer total ungeeignet. Der Wind dreht es immer wieder aus der Richtung. Ich muss mehrere Pirouetten drehen, um mich ans Ufer zurück zu kämpfen. Ich kann nicht behaupten, dass uns das viel Spaß macht. Es ist wohl doch nicht so unser Ding. Wir denken daran, das Bötchen unseren Enkeln als Badeboot zu schenken.

Panoramablick in Lučica
Panoramablick in Lučica

Nach fünf Tagen machen wir uns auf, um die südlichen dalmatinischen Inseln zu erkunden. Zu unserer Überraschung bekommen wir zehn Prozent Rabatt. Somit zahlen wir nur 17,95 Euro pro Tag – allerdings ohne Strom. Über Trogir, Split, Makarska, die Tiefebene bei Ploče und das kurze Stück Serbien bei Neum kommen wir bis etwa 30 Kilometer vor Dubrovnik, nach Slano. Dort wollen wir, wieder einmal, für ein paar Tage auf dem Autocamp Bambo Station machen. Auf der Zufahrt zum Camp durch den Ort Slano ist kaum ein Durchkommen. Neben vielen Touristen, die in zwei kleineren Kreuzfahrtschiffen angereist sind, blockiert eine Trauer-Gesellschaft die schmalen Gassen. Zu unserem Leidwesen hat sich die Bucht von Slano auch sonst sehr zu ihrem Nachteil entwickelt. Im alten Hafen liegen jede Menge Ausflugsschiffe. Der neue Hafen, der angeblich 200 Schiffen Platz bieten soll, ist fast fertig. Er soll demnächst offiziell eröffnet werden. Wie der Dreck, den diese Flotte in das Wasser ablassen wird, durch die enge Einfahrt hinaus in das offene Meer gelangen soll, ist uns ein Rätsel. Für uns ist Slano damit für die Zukunft gestrichen. Gegen 19:40 Uhr kommen wir schließlich auf dem Autocamp Bambo an. Es ist viel dichter belegt als in den Vorjahren – je zwei Reisemobile aus Slowenien, Italien und Deutschland, dazu ein deutsches Wohnwagengespann.

Nach allen Seiten offen in Slano
Nach allen Seiten offen in Slano

Das Wetter ist recht durchwachsen – mal brutal heiß, dann wieder stark bewölkt mit Regen hinter uns in den Bergen. Wir gehen dennoch drei- bis viermal pro Tag schwimmen. Ich habe mit dem Laptop Internet-Zugang, aber wir kommen mit den Handys nicht rein – komisch. Zum Wochenende ist auf dem Platz heftig Bewegung. Allein am Samstag kommen zwei weitere, deutsche Reisemobile und ein ungarisches Wohnwagen-Gespann. Es sind jetzt neun Einheiten auf dem kleinen Platz. Auch das viel größere Nachbar-Camp ist gut belegt. Am Abend gehen wir essen – zweimal Vorspeise, Bier, eine Grillplatte für zusammen zirka 33,00 Euro. Im Ort kaufen wir eine Badehose für mich und ein Halstuch für Christa. Danach gehen wir zu einem kostenlosen Candle-light-Kirchenkonzert, das zwei hochkarätige Musikprofessoren im Rahmen des „Dubrowniker Sommer-Festivals“ geben – Tomislav Zerovnik (Gitarre) und Slobodan Begic (Violine). Sie eröffnen und schließen als Zugabe mit dem Ave Maria von Bach-Gounod – ein ergreifendes Erlebnis. Wir sitzen auf dem Platz noch lange draußen. Wegen der Hitze schalten wir dem Zubettgehen wieder für eine knappe Viertelstunde den Ventilator im Dachlüfter ein.

Professorales Kirchenkonzert
Professorales Kirchenkonzert

Am Montag ist rundum Abreisetag. Auch die vier Ungarn mit ihrem Uralt-Wohnwagen hinter uns reisen ab. Beim Schwimmen textet uns ein in Berlin lebendes, russisches Ehepaar zu. Es sind wohl irgendwie Diplomaten, die zurzeit im nahen Grand-Hotel logieren. Während er mit Strohhut und bis zu den Knien hoch gerollter Anzughose und einem ansehnlichen Bauch im Wasser steht, klagt sie mehrfach darüber, wie super-langweilig dieses ganze Slano sei. Nachmittags beobachte ich die Bootseigner. Kaum einer fährt hinaus. Die 5-PS-ler spielen nur an ihren Bötchen herum, die schwereren Boote hängen die ganze Zeit nur an den Bojen. Ich erinnere mich an die Geschichten, die in Drage erzählt werden, dass einige Bootseigner mit Volldampf aus dem Hafen um die nächste Ecke donnern, dort aus Kostengründen den ganzen Tag ankern, um am Abend wieder mit Karacho und viel Aufsehen zurück zu kommen. Auch den Bootseignern hier scheint das Fahren zu teuer oder auf lange Sicht zu langweilig zu sein. Wie auch immer: es tröstet und bestärkt mich darin, mir kein eigens Boot mehr zu wünschen. Wenn es mich überkommt, können wir uns ja eines mieten – hundert Euro pro Tag sollten ab und an mal drin sein.

Über die südlichen Inseln

Vier Tage Slano sind uns genug. Wir brechen zur Halbinsel Pelješac auf und durchqueren sie bis ans äußerste Ende in Mirce. An der engsten Stelle der Landbrücke auf die Halbinsel erinnert eine über fünf Kilometer lange Festungsmauer mit 40 Türmen und Bastionen daran, dass Pelješac von 1330 bis 1808 zur Freien Rebublik Ragusa unter Führung von Dubrovnik gehörte. Das fünf bis zehn Meter hohe Bollwerk verbindet die beiden Ortsteile Veliki Ston, das von einem Erdbeben im Jahre 1996 nahezu komplett zerstört wurde, und Mali Ston.

Trotzten dem Erdbeben
Trotzten dem Erdbeben

Bei einem kleinen Winzer kaufen wir einige Flaschen Weißwein. Am westlichsten Ende der Halbinsel, in Lovište machen wir an der felsigen Küste Kaffeepause. Dann wollen wir auf einem von zwei Autocamps einchecken. Aber beide sind knüppelvoll und haben nur über die Straße hinweg Zugang zu einem schmalen Streifen Strand. Das ist nicht so unser Ding. Deswegen fahren wir den langen Weg über die Berge zurück nach Orebić – diesmal auf der schmalen Uferstraße, vorbei an fünf oder sechs reinen Surfer-Autocamps. Auf denen ist jugendliches Halligalli pur, zu unserem Erstaunen vor allem durch Polen und Tschechen. Den Disco-Lärm mögen wir noch weniger. Also noch weiter, durch Orebić hindurch bis zum etwa zehn Kilometer entfernten Autocamp Paradiso in Postup, das wir über eine sehr steile Abfahrt mit extrem engen Serpentinen erreichen. Der Platz ist kaum belegt. Wir finden keinen besonders schönen Stellplatz, aber das Meer ist sauber und das Ufer ist nett hergerichtet. Nach der anstrengenden Kurbelei in der Hitze stürzen wir uns gleich in die Fluten.

Autocamp Paradiso in Postup
Autocamp Paradiso in Postup

Aber alles in allem gefällt uns der Platz nicht so gut, dass wir länger bleiben wollen. Wir gehen tags drauf nach dem Frühstück noch einmal schwimmen, dann brechen wir auf, fahren zurück nach Orebić und von dort mit der Fähre hinüber zur Insel Korčula (188,00 Kuna = 26,85 Euro). Wir parken am Hafen von Korčula Stadt, laufen eine erste Runde durch die traumhaft schöne, von dicken Mauern und Wehrtürmen umschlossene Altstadt, deren Grundriss einem Fischgerippe nachempfunden zu sein scheint. Wir steigen die neobarocke Steintreppe hinauf zum Landtor, laufen durch die schnurgerade Hauptstraße und durch einige der rechtwinklig abzweigenden, engen und von mehrstöckigen Häusern gesäumten Treppensteige. Wir kaufen ein Armkettchen und gönnen uns ein Eis. Einen ausführlichen Besuch heben wir uns für später auf.

Treppauf, treppab in Korčula
Treppauf, treppab in Korčula

Zunächst fahren wir auf der mittig durch die Insel auf einem Höhenrücken verlaufende Durchgangsstraße westwärts und biegen hinunter nach Račišće an der Küste ab. Dort endet der Asphalt, und wir suchen auf einer abenteuerlichen, schmalen Naturpiste einen versteckten Sandstrand unterhalb der hoch aufragenden Felsküste. Aber die Anfahrt hinunter an den Strand ist durch dichtes Buschwerk mit unserem relativ hohen Sprinter nicht zu machen. Außerdem verteilen sich am Strand und an der Abzweigung schon mehrere Personenwagen. Keine Chance zum Durchkommen für uns. Wir drehen um, fahren zurück in den Ort und von dort auf der Uferstraße Richtung Korčula Stadt. Von der malerischen Bucht bei Kneža, etwa auf halbem Weg zur Hauptstadt, sind wir so begeistert, dass wir am Ufer unsere Kaffeepause machen und schwimmen gehen. Erst später werden wir lesen, dass diese Bucht zum Schönsten gehört, was die Insel zu bieten hat. Zum Übernachten fahren wir an der Altstadt vorbei zum Autocamp Kalac und checken dort ein. Nachdem wir auf dem so stark hängenden Platz unseren Sprinter auf doppelstöckige Unterlagen für die rechte Fahrzeugseite bugsiert haben, erkunden wir den Campingplatz und das dazu gehörende Hotelgelände und genießen am Hafen in einer rustikalen Taverne eines der besten Cevapcici, das wir je gegessen haben.

Halbe Wehrtürme in Korčula
Halbe Wehrtürme in Korčula

Am nächsten Tag will Christa wie jeden Tag vor dem Frühstück schwimmen gehen, während ich mich um den Bettenumbau zur Sitzgruppe kümmere. Entsetzt kommt sie zurück. Das Hafenbecken ist eine Kloake. Sie sieht Unmengen Krebse im verwucherten und verschlammten Untergrund und sogar Ratten am Ufer. Das war's dann wohl. Wir beschließen entgegen unserer ursprünglichen Planung, hier nicht länger als nötig zu bleiben. Also kein Bötchen zu mieten (59,00 Euro inkl. Sprit pro Tag), sondern morgen weiter zu fahren. Aber heute steht erst noch eine intensive Stadtbesichtigung zu Fuß auf unserem Programm. Natürlich mit Mittagessen in der Altstadt – einmal Fischplatte, einmal Calamari, Bier = 40,00 Euro. Noch vorher haben wir das angebliche Geburtshaus samt unvermeidlichem Souvenirshop von Marco Polo besucht. Den Widerspruch um den Spross einer venezianischen Kaufmannsfamilie, den auch die Stadt Venedig für sich beansprucht, erklären die Korčulaner damit, dass ihre Insel damals zu Venedig gehört habe. Beweise gibt es allerdings keine.

Den gesamten Nachmittag über treffen wir auf kostümierte Kinder, Open-Air-Bühnen und Musiker. Auf dem Rückweg zum Campingplatz lüftet sich das Geheimnis. Heute wird der Sommerkarneval namens Mascara gefeiert, ein Kostümfest zum Halbneujahr, anlässlich dessen ein Karnevalsumzug durch die Stadt lärmt. Wir schießen eine ganze Menge Fotos von den verschiedenen, auch ausländischen Kostümgruppen, bevor wir auf den Campingplatz zurückkehren.

Ladies in pink
Ladies in pink

Für die zwei Tage auf Kalac zahlen wir 61,14 Euro, also 30,57 Euro pro Tag. Unser nächstes Ziel ist das nordwestlichste Ende von Korčula. Entlang schwarzgrüner Berghänge mit Aleppokiefern, Seekiefern, Pinien und immergrünen Steineichen und ertragreichen Tälern, in denen Oliven, Obst, Gemüse und Wein angebaut werden, schlängelt sich die Hauptstraße nach Westen. Drei Autocamps sollen sich dort befinden. Das erste bei Dracalicra scheint es trotz Hinweisschildern etwa 20 Kilometer vorher an der Hauptstraße gar nicht mehr zu geben. Nummer zwei bei Prižba verbirgt sich unter dicht stehenden, niedrigen Olivenbäumen. Wir müssten mit dem Sprinter auf den schattenlosen Parkplatz ausweichen. Zudem schwirren uns zu viele Mücken umher. Die Aussage: „dann kaufen sie sich halt in der Apotheke ein Mittel“ finden wir nicht wirklich tröstlich. Nummer drei nördlich von Vela Luka, einem überaus schönen Hafenort, liegt weitab vom Meer auf einer Hügelkuppe, bekommt das Wasser aus einem alten Feuerwehrauto und erschreckt mit einem unglaublich unfreundlichen Besitzer. Das müssen wir uns nicht antun. Wir fahren auf der Hauptstraße zurück bis Putnat, von dort links ab über ein schmales, abenteuerliches Bergsträßchen zuerst hinauf und dann hinunter nach Kneža zu „unserem“ Badestrand. Dort schwimmen wir zweimal und legen uns zum Trocknen in die Sonne.

Küste bei Prižba
Küste bei Prižba

Auf der Fahrt Richtung Korčula Stadt checken wir auf dem Autocamp Vrbonica ein, das aber in erster Linie ein Zeltplatz ist. Wir bekommen für die zwei geplanten Nächte einen Stellplatz auf dem spartanischen Kiesplatz zwischen Wohnhaus und Rezeption am Durchgangsweg zum Strand zugewiesen, was mir gar nicht gefällt.

Christa ist wie meist schon vor dem Frühstück das erste Mal im Wasser. Die tief eingeschnittene, schmale Bucht vor dem Camp ist ausnehmend schön. Seitlich gibt es mehrere Badestellen. In die rechte Seite der Einfahrt, vor der tagsüber des öfteren Ausflugsschiffe ankern, ragt eine schroffe Felsnase, auf der ein altes Gemäuer steht – Romantik pur. Weil die Bucht so schön und das Wasser so sauber sind, wollen wir noch einen weiteren Tag dranhängen und eventuell sogar das Bötchen auspacken. Heute fahre ich aber erst mal etwa eineinhalb Stunden mit dem Rad, entlang der unerwartet hügeligen Uferstraße. Am Abend wird mit viel Aktionismus ein belgischer Wohnwagen auf den Platz ganz vorn am Strand bugsiert, der uns tags zuvor auf Nachfrage bei unserer Ankunft mit der Begründung „too big car“ verweigert wurde. Das steigert meine Stimmung nicht.

Bucht vor dem Camp Vrbonica
Bucht vor dem Camp Vrbonica

Rundum reisen einige Zeltler ab, es kommen auch ein paar neue. Aber von dem erwarteten, angeblich großen Ansturm der Reservierungen ist nichts zu spüren. Das scheint auch so eine kroatische Marotte zu sein: alle Nicht-Dauergäste zu vergraulen mit dem Hinweis auf angebliche Reservierungen. Heute bietet uns allerdings die Chefin an, auf einen wenig attraktiven Reisemobil-Stellplatz zwischen Betonpfosten umzuziehen. Aber da wollen wir nicht hin. Wir sind eh' fast nur am und im Wasser, gehen viermal schwimmen und bauen am Nachmittag das Boot auf. Aber auch diese Bootstour ist kein Erfolgserlebnis. Der Wind ist zwar nicht sehr stark, dreht aber doch unser „Schiff“ dauernd aus der Richtung. Und Christa hat eigentlich nur Angst. Beim Aussteigen verkrampft sie sich deswegen so stark, dass es ihr wieder voll in den Rücken schießt.

Vor der Weiterreise schwimmen wir gemeinsam noch eine große Runde. Die Rechnung über umgerechnet 83,57 Euro für drei Nächte, 27,85 Euro pro Nacht - bekomme ich auf einem Schmierzettel. Ohne große Wartezeit kommen wir als letztes Fahrzeug noch auf die abfahrbereite Fähre – 188 Kuna =26,86 Euro. Um Christas Rücken behandeln zu lassen suchen wir den im Internet gefundenen Chiropraktiker in der energy clinic des Grand-Hotels in Orebić. Aber entweder gibt es ihn den nicht mehr, oder es gab ihn so nie. Die Klinik bietet nur Massagen an. Der nächste Chiropraktiker soll in Makarska auf dem Festland sein. Christa will versuchen ohne Anwendungen klar zu kommen. Nach einer erfolglosen Runde über den intensiv beworbenen, aber mit Reisemobilen, Wohnwagen, Zugwagen, Anhängern, Surfbrettern und allem möglichen Gerödel übervoll gestopften Autocamp finden wir nebenan auf dem ebenfalls direkt am Ufer liegenden, aufgeräumten und gut geführten Autocamp Palme einen schönen Stellplatz zwischen zwei Bäumen und direktem Blick aufs Wasser.

Surf und camp
Surf und camp

Auch dies ist überwiegend ein Surferplatz, aber im Gegensatz zu den anderen Autocamps müssen hier die Surfbretter und aufgeriggten Segel in Gestellen oberhalb der Stellplätze abgelegt werden. So liegt nichts auf dem Platz herum – wohltuend. Der Manager des Platzes ist ein sehr zuvorkommender, junger Kroate, der sich mittels Fernsehen ein einwandfreies Deutsch mit großem Wortschatz und guter Grammatik absolut akzentfrei beigebracht hat. Wir fühlen uns hier rundum wohl. Christa geht auch gleich nach dem Aufbau ins Wasser. Ich pausiere noch. So ab etwa 14:00 Uhr kachelt es wie blöd bis zum Abend, wie wir schon heute feststellen. Da gehört das aufgepeitschte Wasser den Surfern. Wir genießen unseren Platz, gehen vor dem Abendessen noch eine Runde am Strand entlang.

Die Stadt Orebić ist nach einer gleichnamigen Kapitänsfamilie benannt, die im 16. Jahrhundert hier ansässig war. Drei Jahrhunderte später befuhren von hier aus bis zu 33 Großsegler die Weltmeere. Noch heute verbringen viele ehemalige Kapitäne ihren Lebensabend hier in schmucken Häusern am Meer. Im Zentrum der Stadt dokumentiert das Seefahrtmuseum die Blütezeit von Orebić. Auf einem Felsen über der Stadt liegen die Herren der Meere auf dem Friedhof neben dem Franziskanerkloster unter kunstvoll geschmückten Grabmalen beerdigt.

Im Schatten auf Camp Palme
Im Schatten auf Camp Palme

Vier Tage bleiben wir auf dem Platz, gehen vormittags mehrmals schwimmen. Nachmittags schauen wir den Surfern zu, die den Starkwind ausnutzen. Er entsteht, weil sich vor uns das Meer wie in einer Düse verengt. Besonders gut verstehen wir uns mit einer sympathischen jungen Familie aus Thüringen, die mit zwei Kleinkindern und Hund in einem VW-Bus plus Wohnwagen seitlich vor uns stehen. Die Eltern surfen abwechselnd. Sie erzählen uns, dass sie daheim auf dem See surfen, der im ehemaligen Braunkohlerevier geflutet wurde, und den wir vor Jahren auf unserer Tour entlang der Oder-Neisse besichtigt hatten. Wir nutzen die Annehmlichkeiten des Platzes, waschen in der Waschmaschine die Bettwäsche, Christa macht sich die Haare, ich mache den Sprinter für die Weiterreise fit. Wir kaufen einen Internet-Code, mit dem wir aber nicht ins Internet kommen und ihn deshalb zurück geben. Abends gehen wir auf dem Platz essen – leider keine gute Entscheidung. Die gemischte Calamari-Platte sieht zwar lecker aus, die frittierten Ringe und die Pommes frites sind auch ganz okay. Aber meine gegrillten kompletten Calamari-Körper sind nicht richtig ausgeräumt. Ich muss sie ausputzen und den Schleim auf dem Tellerrand platzieren – nicht sehr appetitlich.

Eiweiß satt
Eiweiß satt

Weil auf diesem Platz der Manager nicht kassieren darf, sondern sich das die Besitzer vorbehalten, müssen alle Abreisenden am Vorabend löhnen. Und das dauert. Ich bin der vierte in der Warteliste, muss fast eine Stunde warten, bis ich zahlen darf (139,42 Euro, 34,86 Euro pro Tag).

Nach dem Frühstück gehen wir nochmal gemeinsam schwimmen und schenken den Thüringern ein Exemplar „Kühlbox, Klo und Kamera“ mit Widmung. Dann geht's los. Am Berg hinter Orebić beginnt es plötzlich stark nach verbranntem Motoröl zu riechen. Ich denke zuerst an ein Motorrad, das uns gerade überholt hat. Aber bald ist klar: es kommt von uns selbst. Motorhaube auf und – Katastrophe – der ganze Motorblock ist ölverschmiert und raucht. Ich habe wohl gestern beim Durchchecken den Öleinfüllstutzen nicht fest genug verschlossen. Jedenfalls fehlt der Deckel. Und er ist nirgends zu sehen. Ich lege mich unter das Auto, suche, fummele in der Schmiere auf dem Unterfahrschutz herum: nichts. Zu Fuß gehe ich zur etwa zweihundert Meter entfernten Tankstelle und frage nach der nächsten Mercedes-Werkstatt. Die soll auf dem Festland in der Nähe von Makarska sein. Zu weit weg.

Zum Trost: Blick auf Korčula
Zum Trost: Blick auf Korčula

Ich hoffe, den verlorenen Deckel auf der Straße zu finden, setze mich aufs Rad, fahre die gesamte Strecke bis zum Autocamp Palme zurück. Nichts. Dem Thüringer ist mal Ähnliches passiert, erzählt er mir. Er ist überzeugt, dass der Deckel auf dem Unterfahrschutz festhängt. Auf dem Rückweg zum Sprinter besorge ich mir in einer freien Werkstatt einen in etwa passenden Deckel von einem Renault für eine provisorische Reparatur. Zurück am Sprinter steht dort ein kroatischer Handwerker, der lange in Deutschland gearbeitet hat. Gemeinsam schauen wir nochmals von oben in den Motorraum und entdecken fast gleichzeitig unten in der Ölschmiere auf dem Unterfahrschutz etwas Glänzendes. Ich tauche hinunter, fummele bis zur Achselhöhle verschmiert mit einem Stöckchen über die Aluplatte und tatsächlich: es ist der Deckel. Hätte ich mich gleich richtig eingesaut, mir wäre viel Stress erspart geblieben.

Erholung vom Öl-Schreck
Erholung vom Öl-Schreck

Statt um 11:00 Uhr fahren wir erst um 14:00 Uhr mit der Fähre von Trpanj an der Nordküste von Pelješac nach Ploče auf dem Festland (328,00 Kuna = 46,85 Euro). Nach einem Großeinkauf bei Lidl fahren wir entlang der Küste nach Drvenik und von dort nach kurzer Wartezeit mit der Fähre zum Hafen Sućuraj auf die Insel Hvar (266,00 Kuna = 38,00 Euro). Als eines der letzten Fahrzeuge kommen wir gerade noch auf die Fähre, stehen so eingepfercht, dass wir auf der vierzigminütigen Fahrt den Sprinter nicht verlassen können – nicht mal durch die hintere Schiebetür. Hvar, „die schlanke Schöne“, ist nur 68 Kilometer lang und elf Kilometer breit, aber sie begeistert mit 2.700 Sonnenstunden pro Jahr. Weil es schon langsam dämmert, fahren wir das erste Autocamp nach dem Hafen an: Mlaska. Wir suchen uns auf dem gut besuchten, rotlehmigen und rundum dicht bewaldeten Platz ein Fleckchen ganz hinten in einer Nische am Waldrand, gehen noch einmal schwimmen und essen draußen kalt zu Abend. Amüsiert lauschen wir den vergeblichen Erziehungsversuchen eines späten burgenländischen Elternpaares – er tätowiert und langhaarig, sie knapp adipös - : „Felix will doch ein braver Junge sein, oder?“. Es wird unser running gag für die nächsten Tage.

Über der Stadt Hvar thront die Festung Španjol
Über der Stadt Hvar thront die Festung Španjol

Weil uns weder der Platz noch die Bucht gefallen – sie ist endlos flach, im Wasser steht ein Volleyballnetz, an dem wildes Geschrei herrscht –, fahren wir ohne noch einmal schwimmen zu gehen, weiter. Für die eine Nacht zahlen wir 32,42 Euro. Auf dem Weg nach Norden kaufen wir bei einem Bauern zwei Gläser Honig und eine kleine Flasche Schnaps. Nach einem Rundgang durch die Hafenstadt Stari Grad geht es weiter zur wichtigsten Stadt der Insel, der Stadt Hvar. Wir parken auf dem Parkplatz weit vor der City und flanieren zu Fuß durch die Altstadt. Die Herrschaft Venedig baute sie mit Kirchen, Klöstern und Palästen zu ihrem Stützpunkt aus. Im windgeschützten Hafen ankerte ihre Flotte.

Mit ihrer großen Piazza direkt am Hafen ist sie wie ein Amphitheater angelegt und scheint eher eine norditalienische als eine kroatische Stadt zu sein. Sie ist auch genauso voller Touristen. Insgesamt finden wir sie aber nicht so beeindruckend wie Korčula. Wäre da nicht die Festung aus dem 16. Jahrhundert, die hoch über der Stadt auf einem Felsrücken thront und zu der sich dicke Wehrmauern von der Altstadt hinauf ziehen. Die meisten Touristen scheinen mit Booten zu kommen. Jedenfalls ist im Hafen ein reger Verkehr von Zubringerbooten aller Art. Selbstredend ankern aber auch ein paar protzige Yachten am Kai.

Mehr venezianisch als kroatisch
Mehr venezianisch als kroatisch

Nach unserm Rundgang fahren wir hinauf zur Festung, deren Besichtigung wir uns aber für die Rückfahrt vornehmen. Jetzt geht es erst einmal zum hoch gelobten Campingplatz Vira, der sich auf einer Landzunge ins Meer hinaus schiebt. Nach einer Erkundungsrunde zu Fuß und einem Drink im Restaurant des Campingplatzes checken wir ein. Die schattigen Plätzen im Wald sind durchweg mit Zelten und einer ganze Reihe von Mietwohnwagen belegt. Die Reisemobile stehen überwiegend auf Wegen in der Sonne. Aber einige zumindest ein bisschen schattige Plätze sind noch frei. Doch auch hier wieder werden wir nach unserer Anfrage für bis zu drei Tage mit dem Hinweis „alles reserviert“ abgespeist und müssen so mit einem Stellplatz in der prallen Sonne neben dem Volleyballfeld vorlieb nehmen. Das ist zum Glück so verlottert, dass da niemand spielt, und der Platz hat den Vorteil, dass wir von ihm aus schnell ans Wasser kommen. Von allen anderen Plätzen hätten wir nicht nur einen weiteren Weg zum Ufer. Wir müssten zudem durch den Bereich des Kinderbeckens waten. Von unserem Platz aus können wir weiter draußen seitlich ins Wasser und neben den ankernden Booten durch die Bucht hinaus schwimmen. Auf WLAN verzichten wir. Es soll umgerechnet fünf Euro pro Tag kosten.

Auch auf diesem Platz führen wir typisches Camperleben. Wir gehen viermal für je eine halbe Stunde schwimmen, waschen von Hand Wäsche, entsorgen, füllen den Wasservorrat auf, und Christa schneidet mir die Haare. Nachdem wir gelesen und gehört haben, dass die Insel Brač bis auf das total überlaufene Goldene Kap bei Bol nichts Besonderes sein soll, überdenken wir unsere Zeitplanung. Wir meinen, wenn wir Brač auslassen, können wir zu unseren Hochzeitstagen am 30./31.07. am Gardasee sein. Und vorher könnten wir nach einem zweiten Aufenthalt in Drage noch die Inseln Cres und Lošinj dranzuhängen.

Blick von der Festung auf Hvar
Blick von der Festung auf Hvar

Nach einer letzten, ausgiebigen Runde schwimmen und dem Zahlen (79,60 Euro, 39,80 Euro pro Tag) fahren wir los, zur oberhalb der Stadt Hvar thronenden Festung Španjol, aus der wir einen fantastischen Blick hinunter auf die Altstadt und die Bucht mit ihren ungezählten Inselchen genießen. Malerisch durchquert gerade ein Viermaster-Segelschiff die Passage zwischen den fast kreisrunden Eilanden. Auf unserer Weiterfahrt halten wir am Autocamp bei Milna, das auf den Werbeflyern so verlockend aussieht, dass wir auf ihm eigentlich noch einen Tag logieren wollten. Aber das Camp liegt auf einer steil ansteigenden, engen Felsnase, hat kaum Strand und ist bereits voll belegt. Notgedrungen fahren wir weiter, direkt zur Fähre von Stari Grad nach Split (809,00 Kuna = 115,57 Euro). Auf der Fähre – sie fährt durch die Meerenge zwischen Brač und Šolta - ist es trotz Wind brutal heiß. Wer nicht in der klimatisierten Lounge Platz nimmt, sitzt draußen irgendwo im Schatten seitlich auf den Kisten mit den Schwimmwesten. Wir auch.

Zu den Inseln der Kvarner Bucht

Wenige Stunden später sind wir wieder auf „unserem“ Autocamp in Drage. Der Platz ist wider Erwarten beileibe nicht so voll wie gedacht und von allen Seiten erzählt. Und auch trotz vieler Kinder im hinteren Teil kaum lauter als im Frühjahr. Der einzige Unterschied: in der Bucht ankern über zwanzig Boote. Leider auch im Schwimmbereich. So müssen wir um sie und die vielen Taue herum schwimmen. Und das Wetter ist nicht mehr so toll. Es ist bedeckt und stark windig. Ab etwa fünf Uhr nachmittags beginnt es wie toll zu stürmen. Die vom Land kommende Bora lässt unseren Tisch und die Stühle über den Platz segeln. Unten in der Bucht hat sich ein Trimaran losgerissen, treibt samt Halte-Boje aufs Meer hinaus und muss von einer hilfreichen Motorboot-Besatzung zurück in den Hafen geschleppt werden.

Ende der Blütenpracht
Ende der Blütenpracht

Der Platz leert sich zusehends. Von wegen Hauptsaison. Den Sprinter schüttelt es durch wie im Herbst. Ein französisch sprechender Gärtner, er hat lange in der Schweiz gearbeitet, schneidet die Lavendelbüsche zu knubbeligen Kugeln zurück. Wir stopfen uns einen Leinen-Einkaufsbeutel voller Blüten, packen ihn in den Kleiderschrank. In den nächsten Tagen soll es laut Accu-Weather regnen. Wir planen abzureisen.

Auf der Fahrt nach Norden ist die Autobahnbrücke hinter Zadar wegen des starken Windes gesperrt. Wir nutzen den Wink des Schicksals, planen um und wollen nun doch noch die Insel Pag erkunden. Noch bevor auf sie über die hoch über dem Meer schwebende Brücke hinüber fahren, machen wir noch einen Schlenker in die alte Stadt Nin. Deren Glanzzeit liegt zwar schon gut 100 Jahre zurück. Damals residierten hier die kroatischen Könige. Aber auch heute noch sind die mächtigen Mauern und Türme zu sehen. Besonders interessant sind die zwei gut erhaltenen Stadttore, das aus dem 9.Jahrhundert stammende Krönungskirchlein Sveti Križ und etliche Mauerreste und Säulen aus der Römerzeit.

Früher gab es nach Nin nur eine Zugbrücke
Früher gab es nach Nin nur eine Zugbrücke

So sumpfig und ertragreich die Gegend um Nin ist, so karg und steinig präsentiert sich vom ersten Meter an die Insel Pag. Steine, Felsen und geröll prägen das Bild dieser Insel gegenüber des Festlandsgebirges Velebit. Nur auf der dem offenen Meer zugewandten, westlichen Seite gibt es etwas Grün und ein paar lichte Wälder. In die eingebettet liegen auch die drei Campingplätze der Insel, die zu unserem Erstaunen recht gut besucht sind. Wir durchfahren aber nicht die gesamte Insel, kehren etwa in der Mitte der Insel, oberhalb der Stadt Pag um und fahren zurück zur Autobahnbrücke bei Zadar.

Blick auf die Stadt Pag
Blick auf die Stadt Pag

Doch die ist immer noch gesperrt. Wir müssen einen Umweg von etwa 30 Kilometern fahren, der uns wegen des dichten Stop-and-go-Gegenverkehrs fast zwei Stunden kostet. In den Spitzkehren vor Obrovac ist es so eng, dass Reisebusse und Lastzüge im Gegenverkehr nicht aneinander vorbei kommen. So ist die Straße quasi einspurig und es dauert entsprechend lang.

Hinter Obrovac verlasse ich die dahin schleichende Kolonne, versuche die Straße zu finden, die hier irgendwo hinauf führen soll in Winnetous Revier. Oder besser: auf die Hochebene, auf der die ersten Karl-May-Filme gedreht wurden. Wo genau das ist, konnten wir bisher nicht in Erfahrung bringen. Ich schwöre mir, nie wieder ohne einen umfangreichen Reiseführer – meine Favoriten sind die Bände aus dem Reise-know-how-Verlag – auf Reisen zu gehen.

Im Regen auf Bergtour
Im Regen auf Bergtour

Aber wir scheinen Glück zu haben. Ich erwische ein schmales Sträßchen, das sich zunächst auf Asphalt, später auf einer Schotterpiste immer höher in die Berge hinauf schraubt - im Schlepp die ganze Zeit drei deutsche Pkw. Die aber wollen, wie sich später herausstellt, nicht zu Winnetou, sondern auf die Autobahn und Richtung Rijeka. Sie haben sich durch die Umleitung verfahren, folgen uns in der Hoffnung, dass auch wir auf dem Weg Richtung Heimat sind. Auf die Autobahn kommen wir von hier aus nicht mehr. Sie führt weit unterhalb von uns durch einen Tunnel. Nachfragen bei einem Einheimischen beruhigen uns – und auch die Insassen der drei Pkw. Immer nur weiter, deutet er an, so kämen wir auch nach Rijeka. Eine Art Mausoleum in einer Spitzkehre unter mächtigen Felsgebilden macht uns stutzig. Das kennen wir doch von irgendwoher. Die Lösung folgt wenige Serpentinen weiter oben. Wir haben tatsächlich, mehr durch Zufall als durch Wissen, Winnetou's Revier gefunden.

Für die Ewigkeit
Für die Ewigkeit

Eine Gedenktafel an einer Mauer am Weg erinnert an Winnetou-Darsteller Pierre Brice. Wir schicken die Pkw weiter, halten rechts am Weg an und erkunden eine gute Stunde lang das Gelände im Nieselregen zu Fuß.

Indianer hätten das nicht gebraucht
Indianer hätten das nicht gebraucht

Nach ein paar Kilometern auf einer Naturpiste durch die Hochebene unterhalb des 1978 zum Biosphären-Reservat erklärten Velebit-Massivs geht es weniger abenteuerlich durch endlosen Wald hinunter. Zuletzt auf einer Asphaltstraße nach Gospic und etwas weiter auf einer steilen Traumabfahrt mit unzähligen Serpentinen und unglaublichen Ausblicken auf das Meer hinunter zur Küste nach Karlobag. In dessen Hafen bereiten wir unser Abendessen zu und übernachten neben einigen anderen Reisemobilen.

Da lacht das Offroad-Herz
Da lacht das Offroad-Herz

Ohne Frühstück fahren wir am nächsten Tag los und finden kurz hinter Karlobag ein wunderschönes Fleckchen zum Frühstücken – auf dem Parkplatz oberhalb eines Badestrands mit Beach-Bar. Weniger angenehm ist die Situation, die wir auf der Weiterfahrt erleben. Kurz vor Senj, der alten Uskokenstadt, oberhalb der auf dem Hügel Trbušnjak die imposante Burg Nehaj thront, sind in einer Spitzkurve zwischen Felsrücken zwei Motorradfahrer miteinander kollidiert. Die Moppeds kleben an den Felsen, den beiden Fahrern, einem jungen Mann und einer jungen Frau, haben die Ersthelfer bereits die Helme abgenommen. Sie sind wohl ansprechbar.

Wenig später fahren wir über die mautpflichtige Brücke (46 Kuna) nach Krk. Nach einer Runde zu Fuß durch die Altstadt, einem Eisbecher und einem Cappuccino fahren wir alle Campingplätze der Insel an: zwei in Puna, drei oder vier in Stara Baska und zwei in Krk selbst. Allesamt mit wenig Schatten, kaum Strand, total überfüllt und laut. In der Stadt Krk könnten wir einen Platz bekommen, wenn wir für zehn Tage bleiben würden. Alle anderen weisen uns mi der bekannten Begründung auf Reservierungen ab. Uns bleibt nichts anderes übrig als schnellstmöglich zum Hafen von Valbiska zu fahren, um mit der Fähre nach Merag auf Cres überzusetzen (281,00 Kuna = 40,14 Euro). Die ist schon fast voll. Wir passen gerade noch drauf, und so legt sie nach wenigen Minuten um 18:15 Uhr Richtung Cres ab.

Nach Regen kommt Sonne
Nach Regen kommt Sonne

Merag liegt wie die Stadt Cres etwa in der Mitte der Insel. Den kargen Nordteil heben wir uns für später auf. Jetzt fahren war nach Süden. An der Straße preisen riesige Reklametafeln die tollen Campingplätze der Insel an. Doch schon der erste, der hoch gelobte Campingplatz Kovacine etwas südlich der Stadt Cres, erfüllt alle Klischees des Spruches „Horror, dein Name ist Campingplatz“. Er ist total überfüllt, bis zu dem kleinen Strand müssten wir mehrere hundert Meter laufen. Ganz vorn stehen die Ferienhäuser. Es ist wie in Istrien. Wir fahren weiter bis fast nach Oros, dem Ende der Insel, zum ebenfalls stark beworbenen Campingplatz Slatina, wollen hier wenigstens übernachten. Um einen Stellplatz in der fast komplett belegten Anlage zu finden, werden wir mit einem Golfwagen über das ausgedehnte Gelände kutschiert. Die einzelnen Stellplätze sind regelrecht in den Wald hinein gehauen. Ins Wasser kommen wir über die Felsen so gut wie nicht. Sehr weit von unserer Parzelle entfernt finden wir einen überbelegten Ministrand. Dafür ist das Management besonders stolz darauf, als hundefreundlicher Platz klassifiziert zu sein. Das dokumentiert sich dann dadurch, dass es einen eigenen Hunde-Badebereich gibt. Wir fragen uns, wie hier jemand seinen gesamten Urlaub verbringen kann. Mehr als eine Nacht werden wir definitiv nicht hier blieben. Und uns quält der Gedanke, was wir machen werden, wenn alle Campingplätze auf Cres und Lošinj sind wie die beiden ersten. Denn frei am Ufer stehen ist in Kroatien fast nicht möglich.

Idylle bei Veli Lošinj
Idylle bei Veli Lošinj

Nach dem Bezahlen, 34,14 Euro für die Nacht, also nichts wie weiter. Wir fahren am Ortsende von Osor über die handbetriebene Drehbrücke auf die Insel Lošinj, sehen direkt dahinter rechts das Autocamp Preko mosta. Das gefällt uns gut. Ich will aber erst auch die restlichen sechs Autocamps wenigstens gesehen haben, bevor wir uns festlegen – gewissermaßen die Insel von hinten aufrollen. Dazu fahren wir bis ans deren südliches Ende, dem malerischen und beschaulichen Veli Lošinj (großes Lošinj) und dem Touristen-Zentrum Mali Lošinj (kleines Lošinj). Doch auch die weiteren Campingplätze haben den Charme der ersten beiden. Also auf dem schnellsten Weg zurück zum Autocamp Preko mosta an der Drehbrücke. Und wir haben Glück: ganz vorn am Kanal ist der Stellplatz eins bis zur nächsten Reservierung in vierzehn Tagen noch frei. So lange wollen wir eh' nicht bleiben.

Stellplatz direkt am Kanal
Stellplatz direkt am Kanal

Nach der Kaffeepause gehen wir schwimmen. Als wir zurück kommen, versammeln sich zusehends Touristen rechts und links des Kanals. Kurz darauf kennen wir den Grund. Pünktlich um 17:00 Uhr sperrt ein städtischer Bediensteter die Auffahrten zur Brücke und kurbelt das monströse Stahlungetüm von Hand quer zur Fahrbahn. Tagsüber können nur Boote unter der Brücke durchrutschen, die nicht höher als zwei Meter sind. Nun haben auch Segelboote – unter Motor – und bis zu dreistöckige Motoryachten freie Fahrt durch den Kanal. Zuerst von Ost nach West, dann umgekehrt. Es ist eine bunte, internationale Parade der Reichen und Schönen, der Mieter und Eigner, der Selbstdarsteller mit chromblitzenden Protzkähnen und der weitgereisten Abenteurer mit nostalgischen Oldtimern. Ein wirklich sehenswertes Spektakel, das sich täglich morgens um neun und abends um 17:00 Uhr mit unterschiedlichen Akteuren wiederholt.

Osor, Ort der Skulpturen
Osor, Ort der Skulpturen

Beim Abendspaziergang entdecken wir Osor als einen wunderschönen Ort, in dem mehrere Künstler ihre mannshohen Bronze-Plastiken aufgestellt haben. Seinem Ruf als Kulturstadt wird der Ort gerade mit den „41. Osor Musical Evenings“ gerecht. Wir besuchen ein Kirchenkonzert (zehn Euro pro Person), bei dem der kroatische Pianist Marcin Sikorski und die zierliche chinesische Violinistin Soyoung Yoon Werke von Cesar Franck, Johannes Brahms und Maurice Ravel spielen. Danach lassen wir den Abend draußen vor dem Sprinter ausklingen.

Mit dem Schwimmen ist es nicht so toll. Christa kommt vom Frühschwimmen enttäuscht zurück. Das Wasser ist in Ufernähe nicht sehr sauber, außerdem scheint es starke Strömungen zu geben. Wir suchen uns später ein saubereres Plätzchen zum Schwimmen. Aber die Strömung ist unberechenbar, wechselt im Laufe des Tages. Vor allem dürfen wir dem Duchfluss durch den Kanal nicht zu nahe kommen, der das Wasser – und damit die Schwimmer - wie durch einen engen Trichter ansaugt.

Frühstücks-Fernsehen
Frühstücks-Fernsehen

Sechs Tage bleiben wir auf dem Platz. Täglich ab neun Uhr genießen wir unser Frühstück mit Blick auf die keine zehn Meter von unserem Tisch entfernt vorbei flanierenden Boote, Yachten und Schiffe. Ansonsten gehen wir viel Schwimmen, machen ausgedehnte Spaziergänge rund um das Camp, fahren mit dem Sprinter zum Bummeln und Einkaufen bis nach Mali Lošinj, und ich schwinge mich mehrmals auf mein Rennrad und spule einige Kilometer auf der bestens ausgebauten Hauptstraße durch die fast 70 Kilometer lange, sehr schmale Insel ab. Leider spenden die sich rechts und links der Straße über die Hügel ziehenden Kiefern- und Pinienwäldern mir in der zunehmenden Hitze auf dem breiten Asphaltband keinen Schatten. Aber ihnen und dem milden Wetter verdankt Lošinj, dass es bereits im 19.Jahrhundert als beliebtes Ferienziel unter den Habsburgern Karriere machte.

Am vorletzten Tag auf dem Platz wird uns Frühstücks-Fernsehen der besonderen Art geboten. Auf Platz zwei direkt neben uns zieht die italienische Familie um, die schon auf ihrem bisherigen Platz durch den größten Saustall auf dem gesamten Areal aufgefallen ist. Während die Eltern den ganzen Hausrat heran karren und schleppen – und großflächig neben uns verteilen: einen alten Knaus-Sport-Caravan, ihren Pkw, vier Fahrräder, ein Kuppelzelt, zwei Kajaks, sechs Angeln, unzählige Stühle, Hocker und Liegen und Unmengen von Kisten, Eimern, Schüsseln und sonstigem Gerät – hängen die vier Macho-Jünglinge (wohl ein eigener und drei Freunde) herum und schauen gelangweilt zu. Ich kann mir ein deutlich vernehmbares „grande casino“ (frei übersetzt: großer Saustall) nicht verkneifen, worauf die Eltern versuchen, das Gerödel irgendwie zu ordnen und zu bündeln. Logisch, dass sie dabei und künftig stur an uns vorbei schauen. Und natürlich auch ihre Freunde, mit denen sie nachts bis um halb drei draußen lärmen. Nun ja, Campingplatz eben.

Richtung Heimat

Christa ist wie immer vor dem Frühstück im Wasser, obwohl es ziemlich bewölkt und wohltuend windig ist – sehr angenehm für unseren letzten Tag auf dem Platz. Die Hitze der letzten Tage hat uns doch ziemlich zugesetzt. Kurz vor 11:00 Uhr entschließen wir uns aufgrund des Wetters zum Aufbruch – die hohen Wellen machen Schwimmen inzwischen fast unmöglich. Wir zahlen 167,42 Euro, das heißt 27,90 Euro pro Tag, was ganz schön happig ist für das überschaubare Angebot dieses Platzes, und fahren um 11:30 Uhr los. In der Stadt Cres drehen wir eine Runde mit dem Sprinter durch die Altstadt. Dann geht es durch den kargen, eher einer Steinwüste gleichenden, von unzähligen mannshohen Trockenmauern durchzogenen Norden der Insel zur Fähre in Porozina, die schon bereit zum Ablegen ist. Im Sprinttempo erwerben wir die Tickets (281,00 Kuna = 40,14 Euro). Keine fünf Minuten später sind wir mal wieder als letztes Fahrzeug an Bord und das Schiff legt ab.

Auf der Festlandseite, in Brestoia, stehen geschätzte 200 Fahrzeuge den Berg hinauf und warten auf Passage nach Cres. Oberhalb der Industrieanlage Plomin machen wir an der Bundesstraße unsere letzte Kaffeepause in Kroatien, dann geht es auf Nebenstraßen weiter durch das Landesinnere, über Vranja, Lupoglav und Buzet zur Grenze nach Slowenien und um Triest herum – der Übernachtungsplatz vor der Grenze ist inzwischen mit einer Schranke verschlossen - auf die Autobahn Richtung Udine. Auf der fahren wir über Monfalcone und Udine bis Tolmezzo, wo wir die Maut von 7,20 Euro am Automaten nur mit Kreditkarte bezahlen können. Überhaupt werden in Italien zusehends Automaten installiert. Oft finden wir auf über hundert Kilometern nur noch Automaten-Tankstellen. Da sind Kreditkarten unverzichtbar.

Die Dolomiten, immer wieder spektakulär
Die Dolomiten, immer wieder spektakulär

Eigentlich wollten wir von hier aus südlich der Drei Zinnen (2.998 m) quer durch die Dolomiten über Cortina d'Ampezzo und und Canazei nach Bozen fahren und dabei den Passo della Mauria (1.295 m), den Passo Tre Croce (1.805 m), den Falzarego (2.105 m) das Pordoijoch (2.239 m) und den Karerpass (1.745 m) überqueren. Aber mit Christas lädiertem Rücken lassen wir das lieber bleiben. Wir fahren stattdessen wie auf der Hinfahrt in Richtung Plöckenpass – samt Landesgrenze zu Österreich, Gailbergsattel und Lienz. So müssen wir mit Sicherheit unzählige Kurven weniger auspendeln.

In Lienz biegen wir nach Westen ab und fahren Richtung Toblach, Bruneck und Brixen. Ein Umweg zwar, aber auf besten Straßen. Bei Sillian am Kronplatz, kurz vor der Abzweigung nach Sexten, genießen wir einen tollen Blick auf die Drei Zinnen. Kurz danach stoppen mich zwei Carabinieri. Ich sei bei Rot über die Ampel gefahren. Ich versuche gar nicht erst zu diskutieren, obwohl ich die Ampel absolut nicht gesehen habe bei der tief stehenden Sonne und vor lauter Achtgeben auf zwei belebte Fußgänger-Überwege - und einen entgegen kommenden, wunderschönen VW-Uralt-Käfer. Man sei mit mir gnädig, versichern sie mir die zwei in perfektem Deutsch, als sie mir 28,50 Euro abknöpfen. Und auf Christas Äußerung, man könne die hinter den dicken Ästen versteckte Ampel kaum sehen, antworten sie freimütig: „darum stehen wir ja hier“. Na super.

Liebenswertes Camp Ansitz Wildberg
Liebenswertes Camp Ansitz Wildberg

Einige Kilometer weiter, in St. Lorenzen, biegen wir ab in den Campingplatz Ansitz Wildberg. Es ist ein interessanter, besonders kinderfreundlicher Platz rund um einen Bauernhof mit Pool, Streichelzoo und Saunahaus. Aber er ist proppenvoll mit Aktiven aller Altersklassen - Mountainbiker, Kletterer, Bergsteiger und Bergwanderer – und sportliche Familien. Weniger schön sind die Stellplätze. Dicht an dicht, ohne jegliche Unterteilung und Abschattung. Aber für eine Nacht (29,50 Euro) ist es okay. Leider gibt es in dem malerischen Innenhof keinerlei Bewirtung. Wir müssten in den Ort zu einer Pizzeria laufen. Da kochen wir lieber selbst und essen im Freien.

Gegen 10:00 Uhr starten wir Richtung Deutschland. Auf Bundesstraßen über Brixen, Klausen, Bozen und Meran zum Timmelsjoch-Pass (2.474 m), der nun endlich täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr geöffnet ist (Maut: 16.00 Euro). In Andreas Hofers Geburtshaus gönnen wir uns im Freien bei tollem Sonnenschein zur Kaffeepause Eiskaffee, Apfelküchle und Pflaumenknödel. Die Weiterfahrt über das Timmelsjoch wird eine anstrengende, wenig erquickliche Fahrt, weil uns ständig größere Gruppen von wild gewordenen Motorradfahrern mit viel Motorengekreische überholen. Ich schwöre mir, nie wieder an einem Sommer-Sonntag über einen derart beliebten Pass zu fahren.

Pflichtstop bei Andreaas Hofer
Pflichtstop bei Andreaas Hofer

Am Fuß des Fernpasses ereilt uns das befürchtete, aber nicht erhoffte, Schicksal: Superstau. Wir stehen jeweils unendlich lang, bis es endlich mal um 50 Meter vorwärts geht. Es sind einfach zu viele Fahrzeuge, vor allem jede Menge Wohnwagengespanne und Lastzüge, unterwegs, die sich in den engen Kurven gegenseitig die Fahrspuren versperren. Verwunderlich, dass der Gegenverkehr recht zügig fließt. Unsere Hoffnung, bei Ehrwald könnte der Großteil der Rückkehrer in Richtung Garmisch abbiegen, bestätigt sich nicht. Es wird zwar lockerer, aber erst hinter dem Tunnel an der deutschen Grenze bei Füssen löst sich der dichte Verkehr auf. Es war halt doch eine zu riskante Idee an einem Sonntag nach Hause zu fahren. Rückenschmerzen hin oder her. So etwas machen wir nie wieder.

Zum Übernachten in der Gegend um Füssen fahren wir den Stellplatz in Nesselwang an. Aber dort stehen die Reisemobile dicht an dicht in der prallen Sonne auf dem schattenlosen Platz. Ein einziger Stellplatz mitten zwischen den gelangweilt gaffenden Rentnerpaaren wäre noch frei. Da fahren wir lieber weiter, hoffen auf einen Übernachtungsplatz in der Nähe und treffen kurz vor dem Campingplatz am Grüntensee auf den Stellplatz am Buron-Stadl und Buron-Kinderland (10,00 Euro), auf dem schon fünf Mobile stehen. Dort zu übernachten scheint uns die bessere Idee. Nach einer ruhigen Nacht in frischer Allgäuer Landluft fahren wir auf der Autobahn über Ulm und Stuttgart nach Hause, wo es mit über 30 Grad genauso heiß wie in Kroatien ist. Nach Aussagen unserer Nachbarn soll es schon einige Wochen so heiß und trocken sein.