Inselhopping Ägäis 2014.

Nur wer sein Zelt verlässt,
wird seine Freunde sehen. (Afrika)

Von Mitte März bis Ende Juni haben wir mit Reisemobil und Fähren dreizehn griechische Inseln - Kreta, Dodekanes- und Kykladen-Gruppe - bereist. Wir waren 108 Tage unterwegs und sind 9.241 Kilometer gefahren.

Anreise über Italien

Einerseits wollen wir endlich los. Andererseits verkehren die Fähren, die von Italien nach Griechenland Camping an Bord anbieten, aber erst ab April. So schalten wir unserer diesjährigen Reise über die griechischen Inseln Kreta, Karpathos, Rhodos, Symi, Kos, Patmos, Syros, Naxos, Paros, Mykonos, Tinos und Andros knapp drei Wochen Anfahrt durch Italien bis Bari vor. Um Tourismus-Flair und das typische, italienische Urlaubsfeeling zu erleben, ist es zu früh - alles, was irgendwie mit Massen-Tourismus zu tun hat, ist noch geschlossen. Aber um das Alltagsleben der Einheimischen zu begreifen, ist es eine gute Zeit. Die paar offenen Sehenswürdigkeiten teilen wir uns stets mit mehreren Schulklassen auf Erkundungsfahrt. Die Märkte sind noch nicht auf Touri-Nepp ausgerichtet. Auch nicht die Preise in Bars, Tavernen, Pizzerien und Restaurants. Camping- und städtische Reisemobil-Stellplätze sind noch für 17,00 bis 18,00 Euro zu haben, und stadtnahe Parkplätze, auf denen wir anstandslos übernachten können, werden meist erst zwischen dem 15. Juni und dem 15. Oktober kostenpflichtig.

Handwerkermarkt in den Abruzzen
Handwerkermarkt in den Abruzzen

Wir haben die Fähre der Superfast-Linie nach Griechenland zum 1. April ab Bari gebucht. Zeitgerecht dazu starten wir in Ludwigsburg am 16. März und fahren über Ulm, Füssen, den Fern- und den Reschenpass - der Reschensee ist noch zugefroren - bis nach Meran und übernachten dort mitten in der Stadt auf dem Parkplatz am Bahnhof. Vorbei an der spektakulären Brenta-Gruppe über Madonna di Campiglio geht es am nächsten Tag an den unter dickem Nebel liegenden Garda-See, der sich den angehobenen Preisen und der Reklame-Beschriftung nach zu urteilen, bereits auf die russischen Touristen einzuschießen beginnt.

Auch auf der Weiterfahrt Richtung Bari wollen wir nicht auf Autobahnen fahren. Und so rollen wir über Superstrade (SS) und Nebenstraßen durchs Hinterland der Toskana, Umbriens, der Marchen und durch die Berge der Abruzzen zunächst an den Gargano und dann entlang der Küste nach Apulien. Und wie schon so oft erleben wir dabei viele landschaftlich und kulturell hochinteressante Städte und Dörfer, an denen wir auf dem Weg in den Süden bisher in mehr oder weniger großer Entfernung vorbeigerauscht sind. So auf der Strecke bis Pescara zum Beispiel die Städte Arezzo, Montepulciano, Orvieto, Todi, Spoleto, Terni, Rieti und - ganz besonders interessant - Lucera.

Den ersten längeren Aufenthalt verbringen wir in Peschici (Gargano). Auf dem Campingplatz, auf dem wir das erste Mal 1988 mit unseren Jungs Urlaub gemacht haben. Wohlgefühlt haben wir uns hier schon des Öfteren. Aber wegen der stressfreien Vorsaison kommen in diesem Jahr sehr viele persönliche Gespräche hinzu - wer aus welcher Familie mit wem aus anderen Sippen liiert ist, wie verflochten die Besitzverhältnisse der Grundstücke und Einrichtungen sind..... Und so landen wir zum Fischessen in der Osteria einer Schwester des - eingeheirateten - Campingplatz-Betreibers, deren jüngere Schwester ihr im Sommer im Service hilft. Im Winter lebt sie in Berlin und betreut die Kinder griechischer und italienischer Diplomaten-Familien.

Weiter geht unsere Fahrt rund um den Gargano und entlang der Küste über die sehenswerten Hafenstädte Barletta, Trani und Molfetta mit ihren massiven Forts aus schwedischer Zeit und ihren unglaublichen Kathedralen. Schließlich checken wir in Bari unsere Fährüberfahrt ab und tauschen unsere E-Tickets gegen Bordkarten. Zwei Tage haben wir nun noch, in denen wir in die Gegend der Trulli-Dörfer rund um Alberobello und die fantastische, "weiße Stadt" Ostuni fahren.

Die "weiße Stadt" Ostuni
Die "weiße Stadt" Ostuni

Rechtzeitig zurück in Bari erfahren wir, dass das gesamte griechische Fährpersonal streikt. Frühestens übermorgen ist mit einer Fährpassage zu rechnen. Wir nutzen die gewonnenen zwei Tage für eine weitere Runde durch das Hinterland, besichtigen die Stadt Altamura, laufen und kraxeln stundenlang durch die am Hang klebende Altstadt von Matera mit ihren in den Fels geschlagenen Höhlenwohnungen und -kirchen. Zur Belohnung gönnen wir uns die Rückfahrt zu unserem Sprinter mit Paolos "ape.nei.sassi"-Taxi.

Paolos "ape.nei.sassi" in Matera
Paolos "ape.nei.sassi" in Matera

Erholung auf Kreta

Nach den etwa drei Wochen Anreise durch Italien folgt als zweiter Teil unserer diesjährigen Reise der knapp fünfwöchige Aufenthalt auf Kreta. Wegen des Streiks des Fährpersonals kommen wir zwei Tage später als geplant und gebucht von Bari nach Patras. Was zur Folge hat, dass wir für die Überfahrt von Piräus nach Chania auf Kreta das vorab gebuchte Schiff nicht erreichen - das ist schon einen Tag vorher gestartet. Aber so cool die Griechen streiken, so cool und unbürokratisch buchen sie auch um. Und so sind wir sechs Stunden nach Ankunft in Patras schon auf dem Schiff von Piräus nach Kreta.

Die erste Amtshandlung auf der Insel ist das Beschaffen einer Wasserpumpe für den Wohnbereich unseres Sprinters. An der bisher verwendeten ist ein Kabel korrodiert. Mit etwas Glück finde ich in einem Bootszubehörgeschäft in Chania eine passende Pumpe, die ich in aller Ruhe auf dem Campingplatz "No problem" in Agia Galini montieren kann. Nachdem wir noch ein paar weitere Dinge in Ordnung gebracht und einen Regentag im Sprinter "abgewettert" haben, nahmen wir unsere Runde um und durch Kreta in Angriff. Viel Neues wollen wir dabei nicht erkunden. Dazu waren wir im letzten Jahr zu ausgiebig auf der Insel unterwegs (siehe "Reisebericht Kreta 2013"). In diesem Jahr geht es uns in erster Linie um Relaxen, Sonnen und Schwimmen. Und um unser neues Boot, ein aufblasbares Zweierkanu, auszuprobieren. Entsprechend haben wir uns eine Route vorgegeben, die sich ausschließlich an den uns bekannten Badestränden orientiert.

Am Strand von Plaka
Am Strand von Plaka

Wie schon in Italien stellen wir auch auf Kreta fest, dass wir vier Wochen früher als im letzten Jahr unterwegs sind. Gaaaanz langsam, ohne jegliche Hektik und Eile - und immer mit dem unverzichtbaren "Frappé to go" in einer Hand - nimmt die Tourismusbranche Fahrt auf. An den meisten Stränden sind die Kantinas und Tavernen noch komplett geschlossen, die Strände noch absolut frei von Sonnenschirmen, Liegestühlen, Tretbooten und Mini-Markets. In anderen Buchten rückt schon mal für ein paar Stunden ein Schaufelbagger an, um den Strand wieder so in Form zu bringen, dass die - sich in Südeuropa wie die Cholera immer weiter ausbreitende - Möblierung der Ufer mit Sonnenschirmen, Liegen und ganzen Räkel-Sitzgruppen platziert werden kann. Trotz angeblichen Wassermangels werden Liegen abgespült und geschrubbt, Kieswege geglättet, und vor allem: gekehrt und gekehrt...und in den Ortschaften und Städten hunderte von Mopeds, Suzuki Jimmys und bunten Kleinwagen vom Schlage Nissan Micra, Peugeot 106 oder Toyota Ayio entstaubt, poliert und zum Laufen gebracht.

Obwohl das griechisch-orthodoxe Osterfest in diesem Jahr mit dem römisch-katholischen zusammen bereits am 20. April gefeiert wurde, beginnt für die meisten Gastronomen die Saison erst Anfang Mai. Sehr deutlich ist das in der Hippie-Hochburg Matala zu spüren, in der bei unserem ersten Aufenthalt Mitte April noch eine wohltuende Ruhe und "tote Hose" herrscht und die langhaarigen Lebenskünstler in ihren Fantasiegewändern den Ort noch für sich allein haben. Rund drei Wochen später aber ergibt sich uns ein komplett anderes Bild. Die Tourismus-Souvenir-Maschinerie läuft auf vollen Touren. Die Hippies haben sich in abgelegenere Ecken der Insel zurückgezogen - einen von ihnen (den mit dem gelben Hemd) werden wir später an seinem Lager unter einem Olivenbaum an der Ostküste in Kato Zakros treffen.

Hippie-Hochburg Matala
Hippie-Hochburg Matala

Unseren Oster-Lammbraten genießen wir in diesem Jahr bei herrlichem Wetter an der Südküste in Plakias. Mit Wanderungen halten wir uns in diesem Jahr zurück, laufen weit weniger als im letzten Jahr. Dafür unternehmen wir drei Offroad-Touren mit unserem Allrad-Sprinter - eine auf die Halbinsel Gramvousa hinaus, eine besonders anspruchsvolle über die Felsrücken der Südküste bei Tsoutsouros und eine dritte - ebenfalls an der Südküste - zum Palmenhain und Süßwassersee unterhalb der beiden Preveli-Klöster. Und wir schwimmen ausgiebig - vor allem Christa, die als neues Hobby entdeckt hat, sich noch vor dem Frühstück in das noch recht kalte Wasser zu stürzen. An den meisten Stränden sind wir um diese Zeit und bei diesen Wassertemperaturen die einzigen Badegäste. Wobei "schwimmen ausgiebig" durch das Wetter relativiert wird. Denn entgegen unseres bisherigen Wissensstandes und unserer Erfahrung vom letzten Jahr, dass der Juni als "Windmonat" auf Kreta gilt, ist in diesem Jahr bereits der Mai sehr windig. Mehr als einmal in unseren letzten zehn Tagen auf Kreta muss ich nachts unseren Camper so umparken, dass der Wind direkt auf die Front trifft, uns dadurch nicht so durchschüttelt und in den Fenstern und Dachlüftern nicht gar so heult und pfeift. Und bei solch böigem Wind von bis zu acht und zehn Beaufort, auf die erfahrene Segler die Sturmspitzen beziffern, macht weder das Schwimmen noch das Bibbern danach wirklich Spaß. Da hilft es auch nicht viel, dass tagsüber die Sonne kräftig scheint und die Luft-Temperatur bei über 23 Grad liegt. "Vom Winde verweht" wäre durchhaus eine passende Charakteristik unserer Tage auf Kreta.

Wilde Halbinsel Gramvousa
Wilde Halbinsel Gramvousa

Nun sind wir erstmal gespannt, welches Wetter uns für die Überfahrt zur nächsten Insel - Karpathos - erwartet. Seekrank wollen wir, wenn irgend möglich, nicht werden.

Karpathos, Rhodos und Kos

Am 10. Mai um 11:30 Uhr starten wir zu unserer Runde über die diversen griechischen Inseln - mit über einer Stunde Verspätung. Die ständig im Einsatz stehende Fähre trudelt seit einem Defekt vor drei Tagen dem Fahrplan immer noch hinterher. Die ersten drei Inseln, die wir besuchen, erleben und erkunden, könnten unterschiedlicher kaum sein. Zuerst Karpothos - die Stille, Geheimnisvolle. Etwa 60 Kilometer lang, in der Nordhälfte nicht mal fünf Kilometer breit, begeistert sie uns mit ihrer Naturgewalt - und ihrer Ruhe. Im Hauptort sind sonntags die Geschäfte geschlossen, es gibt nur zwei Autovermieter, All-Inclusive ist verpönt, wird überhaupt nicht angeboten. Im kargen Süden gibt es zwar eine eingezäunte Flughafen-Landebahn, solange wir auf der Insel sind, sehen wir aber keinerlei Flugbetrieb. Und von den paar Touristen, die wir in den vier Tagen auf der Insel treffen oder sprechen, sind gut die Hälfte mit uns auf der Fähre von Kreta nach hier gekommen. Angereist sind sie meist mit dem Flieger nach Heraklion. Einige von ihnen werden auch wieder an Bord der Fähre nach Rhodos sein.

Kyra Panagia auf Karpathos
Kyra Panagia auf Karpathos

An Kultur hat Karpathos nicht viel zu bieten. Ein paar kümmerliche Reste aus der Römerzeit, das ist alles. Aber landschaftlich! Der Südteil von Karpathos - rund um den Flugplatz - ist topfeben, unwirtlich felsig-steinig und so gut wie ohne Bewuchs. Weil es hier aber "kachelt" wie blöd, haben sich einige Kite- und Windsurf-Unternehmen an der Küste eingerichtet. Nach Norden hin erhebt sich ein steiler Gebirgsrücken bis in 1.215 Metern Höhe, der vor allem an der Westseite von dichten Aleppo-Kiefer-Wäldern bewachsen ist. Auf dieser Seite schließt sich in der Südhälfte auch etwas flacheres Land an, das landwirtschaftlich genutzt wird. Die Ostseite fällt durchweg zerklüftet und steil ins Meer ab. Nur an drei Stellen finden sich hier kleine Sand-Badebuchten, die allesamt erst nach kilometerlanger Kurbelei von der hoch oben durch die Berge führenden Straße aus erreichbar sind: Agios Nikolaos, Alepa und - unser Favorit - Kyra Panagia. Der schönste Badestrand - Amoopi Beach - befindet sich allerdings gleich hinter der Hauptstadt in Richtung Flughafen. An ihm haben wir durch Zufall gleich mal die erste Nacht verbracht.

Das Spektakulärste auf Karpathos ist jedoch die Nordhälfte, besser gesagt: der sich längs erstreckende, steile, fast kahle, dunkle Felsrücken, der im Norden steil ins Meer abfällt. Zwar mag viel vom früheren, gewaltigen Eindruck verloren gegangen sein, seit vor eingen Jahren die rund 25 Kilometer lange Naturpiste von Stoa über Olympos bis hinunter nach Diafani, dem zweiten Hafen der Insel, zur Asphaltstraße erweitert wurde. Aber auch heute noch ist die Fahrt auf dieser Strecke ein unvergessliches Erlebnis. Vom bis zum Bau der Straße fast unerreichbaren Bergdorf Olympos und den dort angeblich noch aktiven Windmühlen sind wir allerdings enttäuscht - vor allem, weil die Windmühlen ihre Flügel - wie andernorts auch - rostig und ohne jegliche Tuchbespannung spindelig in den Himmel recken. Das kennen wir auch anders.

Beeindruckt uns Karpathos durch seine Natur, ist es bei Insel Nummer zwei, Rhodos, seine Kultur. Wobei wir allerdings Rhodos Stadt ganz klar vom Rest der Insel trennen wollen. Der Überhammer ist gleich unser erster Übernachtungsplatz, den wir durch einen glücklichen Zufall finden.

Im Hafen von Rhodos Stadt
Im Hafen von Rhodos Stadt

Als wir die Fähre im Hafen verlassen, ist es bereits dunkel. Entlang der spärlich beleuchteten Festungsmauern der Altstadt fahren wir durch die Nacht und halten im Scheinwerferkegel nach einem Parkplatz Ausschau, auf dem wir für die Nacht unterkommen können, als sich unvermittelt mitten in einem komplett zugeparkten Mini-Parkplätzchen ein schmaler Durchschlupf auftut. Wir zirkeln hindurch und sehen auf dem Sträßchen vor uns kein einziges parkendes Fahrzeug. Ganz hinten ragen schemenhaft die Umrisse einer Festung in den Nachthimmel, links unterhalb der Straße schaukeln teuerste Jachten im Hafen, rechts von uns sehen wir drei Windmühlen. Unglaublich, wir halten mitten auf der Hafenmole, auf der in grauer Vorzeit der Koloss von Rhodos mit seinem rechten Fuß stand. Und wir werden dort drei komplette Tage stehen bleiben. Einfach super. Von hier aus erkunden wir zu Fuß die Altstadt, umrunden sie im 30 Meter breiten Burggraben der fünf Kilometer langen, bis zu zwölf Meter dicken und die gesamte Altstadt umschließenden Festungsmauern. Wir genießen die Aussicht vom Clock-Tower und den Dachgärten der Restaurants und Tavernen über die Altstadt und machen einen Tagesausflug mit einem Touri-Schiff auf das vor allem von Christa mit Spannung ersehnte, traumhafte Inselchen Symi.

Zauberhaftes Symi
Zauberhaftes Symi

Im Uhrzeigersinn umrunden wir danach die gesamte Insel Rhodos, wobei wir meist auf den schmalen ufernahen Sträßchen fahren und vor allem nach schönen Stränden mit abgeschiedenen Bade-Plätzen suchen. Kultur und Natur verbinden sich auf Rhodos in angenehmer Weise. Und so können wir das, was wir am Meer am liebsten machen, ideal miteinander verbinden: vormittgas schwimmen und sonnen, nachmittags fahren und besichtigen. Das komplett unter Denkmalschutz stehende Lindos mit seinen zwei Naturhäfen und der über ihm thronenden Akropolis erkunden wir auf diese Weise. Ebenso das antike Kamiros, die Festungen von Monolithos und Kritinia. Zweimal überqueren wir die Insel durch die Berge. Einmal zum Tal der Schmetterlinge - die aber um diese Zeit noch nicht geschlüpft sind - und einmal, um durch dichten, fast alpinen Wald zu einer Freizeitanlage, einem berühmten byzantinischen Kirchlein und zum früheren Heilbad Eleoussa zu kommen.

UNESCO-Weltkulturerbe Lindos
UNESCO-Weltkulturerbe Lindos

Überhaupt keinen inneren Zugang können wir zur letzten der drei Inseln aufbauen: zu Kos. Wir können deren Insel-Management nur ein riesengroßes Kompliment aussprechen, dass es ein so uninteressantes Stück Bauernland, aus dem sich lediglich an der Ostküste der 843 Meter hohe Mt. Dikeos erhebt, über den nicht einmal eine Straße führt, zu solch touristischer Bedeutung hochgejubelt hat. Für uns ist Kos die weltweit größte Dichte an Fahrzeugvermietern (vor allem Buggies und Fahrräder..), mehr - halbnackte - Radfahrer als in Münster, rot-markierte Radwege, Sonnenschirme und Liegen zwischen Bergen von aufgehäuftem, ausgetrocknetem Tang, Hotelanlagen mit Pool-Landschaften (weil die Küste davor nicht zugänglich ist), Mini-Trains genannte Urlauber-Bähnchen, die halbstündlich zu den paar Sehenswürdigkeiten fahren, griechische und türkische Ausflugsschiffe, die im Halbstundentakt die gegenüberliegenden Städte Bodrum und Marnaris mit ihren billigeren Pelzgeschäften anfahren, und letztlich Heerscharen von mehr oder weniger bekleideten Menschen mit bunten All-Inklusive-Armbändchen.

Im Zentrum der Stadt Kos
Im Zentrum der Stadt Kos

Highlight der Insel ist die Hauptstadt, die mit ihrer, sich direkt am Hafen erstreckenden, imposanten Festung protzen kann. Leider haben die Ritter des Ordens von St. John of Jerusalem, die zwischen 1495 und 1514 die ursprüngliche, aus byzantinischer Zeit stammende Festung um den äußeren Ring erweitern ließen, ganze Arbeit geleistet. Um Zeit und Geld zu sparen, haben sie die zum Bau benötigten Steine kurzerhand aus allen Bauwerken, die sie finden konnten, herauslösen und abtransportieren lassen. Und so sind aus früherer römischer und griechischer Zeit nur noch spärliche Mauerreste übrig geblieben, die genauso ungepflegt wie die sie umgebenden Palmen aus den ungemähten Brachflächen empor ragen. Selbst vom - immerhin gepflegten - weltberühmten Asklepieion sind nicht viel mehr als ein paar Mauer- und Treppenreste sowie ein paar offensichtlich restaurierte Säulen zu sehen. Da wundert es auch nicht, dass die unübersehbaren - ursprünglich mehr als sehenswerten - Gebäude aus der (verhassten) Osmanenzeit vor sich hin gammeln, selbst wenn sie den Platz einrahmen, auf dem der Baum steht, unter dem der legendäre Hippokrates gelehrt haben soll.

Zwei Plätzchen haben wir dennoch gefunden, die unsere Herzen haben höher schlagen lassen: das blumengeschmückte, malerische Bergdörfchen Pili mitten auf der Insel und den Strand Agois Theologos Beach ganz im Süden auf der Halbinsel Kefalos - eine ursprüngliche, naturbelassene Steilküste, eine Uferzone ohne Sonnenschirme und klares, sauberes Wasser ganz ohne die ansonsten überall im Wasser treibenden Tangbündel. Wundervoll.

Patmos, Perle des Dodekanes

Nach einer langen Überfahrt kommen wir zur nächsten Insel, Patmos. Was für ein Kontrast zu Kos. Zwar gehört Patmos wie Kos und Rhodos zur nahe der Türkei im Mittelmeer liegenden Inselgruppe Dodekanes. Aber der Unterschied zu diesen beiden Tourismus-Hochburgen ist gewaltig. Nicht nur, weil Patmos viel kleiner ist - 12,5 Kilometer in Nord-Süd-Richtung lang, in Ost-West-Richtung an der breitesten Stelle knapp fünf, an der schmalsten Stelle nicht mal einen Kilometer breit. Es ist vor allem die liebliche und ruhige Atmosphäre, die Patmos ausstrahlt. Vor allem, wenn man von einem der Hügel den Blick schweifen lässt, fällt er immer auf mehrere vorspringende Arme und Finger, mit denen die Insel ins Meer greift. Und auf eine Vielzahl unbewohnter Inseln rund herum. Patmos selbst ist so zerklüftet, dass sich seine Küstenlinie auf 63 Kilometer addiert. Das Gleiche gilt für die Höhenschichtung. Insgesamt 30 Hügel erheben sich auf der Insel, deren höchster aber nur 243 Meter misst. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Entsprechend gibt es kaum ein Stück Straße, das länger als hundert Meter geradeaus führt. Und schließlich konzentriert sich die Bevölkerung auf drei größere Ansiedlungen: Skala, Kampos und Grikos. Dazwischen, weit verstreut, verteilen sich die in dieser Jahreszeit noch verwaisten Urlaubsdomizile der wohlhabenden Festlands-Griechen über die Hügel.

Am Hafen von Patmos
Am Hafen von Patmos

Viele Griechen und Griechenlandkenner halten Patmos für die schönste griechische Insel. Wir können das durchaus nachempfinden. Für uns ist Patmos die unverfälschte, die griechischste (Urlaubs-)Insel, die wir bisher bereist haben. Eine Insel, die nicht von nord- oder mitteleuropäischen Touristen lebt, die paar britischen, französischen und deutschen Wanderer verlieren sich in den Hügeln, sondern allenfalls vom innergriechischen Tourismus. Und der spielt sich hier hauptsächlich zurückgezogen und im Verborgenen auf privaten Jachten, in tollen Ferienhäusern und -wohnungen ab - und nicht mit lauten Beach-Partys in der Öffentlichkeit. Gar nicht griechisch-typisch ist allerdings, dass auf Patmos nur ganz spärlich Landwirtschaft und Viehzucht betrieben wird. So gesehen leben ihre rund 2.500 Einwohner wohl doch überwiegend vom Tourismus - wenn auch nicht so offensichtlich und schon gar nicht so aggressiv wie auf Rhodos oder Kos. Es gibt auf der ganzen Insel nur zwei Tankstellen, drei Fahrzeugvermieter, kaum Liegestühle an den Stränden, keinen Flughafen, nur einen Hubschrauber-Landeplatz. Und der liegt in einer Kaserne. Alles, was auf die Insel will, muss also mit der Fähre (ab Piräus in etwa neun Stunden) oder dem eigenen Boot kommen. Entsprechend groß ist der Hafenbereich, in dem während unseres dreitägigen Aufenthalts jede Menge mitteleuropäischer Segel- und Motorboote, aber keine einzige Multi-Millionärs-Motorjacht wie auf Rhodos ankerte - nur zwei vermutlich nicht minder teure, wunderschöne, alte Holz-Dreimastsegler.

Die Chora von Patmos
Die Chora von Patmos

Schon bei unserer Ankunft kurz vor Mitternacht sind wir beeindruckt. Über den vom vorhergegangenen Regen klatschnass-spiegelnden Straßen stemmen sich unzählige Palmen gegen den Sturm. Die Häuser und Hotels rund um den Hafen sind maximal dreistöckig und, eher untypisch für Griechenland, mit dunkelbraunen Holzbalkonen geschmückt, wie wir sie vor allem von den Kanaren kennen. Am nächsten Morgen - die kurze Nacht haben wir in Hafennähe gratis auf einem städtischen Parkplatz unter Palmen verbracht - verstärkt sich der positive Eindruck noch. Vor den Tavernen und Cafés lungern keine Schlepper herum. Souvenirgeschäfte mit immer demselben China-Plunder gibt es nicht, dafür ein paar edle Boutiquen mit ebenso edlen Preisen. Vor allem aber gibt es keine Pelzgeschäfte und es sind keine halbnackten Russen unterwegs, sondern nur - wie übrigens auf allen, von uns besuchten griechischen Inseln - überwiegend sehr höfliche Chinesen jeden Alters.

In jeder Beziehung beherrschend erhebt sich hinter dem Hafen des Hauptortes Skala das mächtige Kloster Agios Ioannis Theologos auf der höchsten Stelle der Chora - der Altstadt mit weiß getünchten Häusern und so engen Gassen und steilen Stufen, dass auch die üblichen, dreirädrigen Piaggios hier nicht mehr fahren können. Das Kloster wurde von Christodulos, einem Mönch aus Athos, in Gestalt einer mittelalterlichen Burg gebaut. Innerhalb der Festungsmauern ist es ein weiß getünchter Gebäudekomplex mit Höfen, Stoen und schmalen Gängen auf unterschiedlichem Niveau. Die ebenfalls von Christodulos gegründete Bibliothek ist mit 900 Handschriften aus dem 15. und 16. Jh. sowie 2.000 Druckwerken und 13.000 Urkunden eine der bedeutendsten alten Bibliotheken Griechenlands.

Rastplatz auf Patmos
Rastplatz auf Patmos

Die Insel durchzieht eine Hauptstraße, von der sich zwischen den Hügeln hindurch gut ausgebaute, asphaltierte Straßen zu den vielen Badebuchten schlängeln. Obwohl wir alle Strände angefahren sind, und in einigen Buchten auch gebadet haben, sind wir nur knapp über 100 Kilometer auf der Insel mit dem Sprinter gefahren. Auf ähnliche Stecken dürften die überwiegend älteren Wanderer-Paare gekommen sein, die lieber den Weg über die sanft ansteigenden, nur spärlich mit duftenden Kräutern bewachsenen, felsigen Buckel nehmen. Ihnen zugutekommt, dass es auf der Insel keinerlei Zäune, Hecken oder Trockenmauern zu überwinden gilt. Sie können durch eine absolut offene Landschaft laufen.

Nach der Hektik auf Kos hat uns die Ruhe und Beschaulichkeit auf Patmos richtig gut getan. Und wir könnten uns gut vorstellen, ein paar Tage länger Urlaub hier zu machen. Dann allerdings würden wir uns zusätzlich mit einem Boot auf Entdeckertour durch die Patmos umgebende Inselwelt machen.

Die Kykladen

Von Patmos aus nehmen wir die Kykladen in Angriff, deren bekannteste Inseln Mykonos und Santorini sind. Letztere hatten wir schon im letzten Jahr bereist, deswegen in diesem Jahr bewusst ausgespart. Der Sage nach soll diese Inselgruppe mit ihren 24 bewohnten und 200 unbewohnte Inseln entstanden sein, weil der Meeresgott Poseidon 200 Nymphen aus Wut darüber, dass sie nackt gebadet hatten, zu Stein verwandelt hat. Obwohl die Inseln, die sich kreisförmig um die früher bedeutsame Insel Leros gruppieren - daher der Name von kyklos = griechisch für Kreis -, zur gleichen Zeit entstanden sind, unterscheiden sie sich zum Teil recht deutlich voneinander.

Leider haben wir gleich auf der ersten Insel, Syros, dem Verwaltungszentrum der Kykladen, das bisher einzige negative Erlebnis dieser Reise. Wir waren gegen 04:30 Uhr angekommen und auf einen fast leeren Parkplatz in Hafennähe zum Übernachten gefahren. Doch am nächsten Morgen erweist sich dieser Parkplatz als heiß begehrt. Ein älterer Grieche brüllt wie irre und beschimpft uns - als Deutsche - auf das Übelste: Nazis, Merkel...Nur weil er meint, wir würden zwei der dringend benötigten Parkplätze belegen. In Windeseile beenden wir unser Frühstück, wollen nur weg von hier. Aber wir kommen auf der schmalen Durchfahrt nicht um die Ecken in Richtung Ausfahrt, so zugeparkt ist das ganze Areal. Also Warnblinker an und rückwärts durch den gesamten Parkplatz in Richtung Einfahrt hinaus. Das klappt erstaunlicherweise ohne das ansonsten übliche, südländische Hupkonzert. Das allerdings bekomme ich ein paar Minuten später, als ich - wie Dutzende Griechen - in der zweiten Reihe anhalte, um eine Straßenkarte der Insel zu kaufen. Auch im weiteren Verlauf des Tages erleben wir immer wieder, dass wir wie wild angehupt werden: einmal, weil ich mir erlaubt habe, mich in einen 100 Meter langen Zwischenraum einzufädeln, ein anderes Mal weil uns jemand einfach nur überholen "muss" - und sei es in einer Kurve. Dermaßen aggressive, fast bösartige Autofahrer hatten wir bisher in Griechenland noch nicht erlebt. Aber vielleicht hat ja auch gerade Angela Merkel mal wieder Druck gemacht.

Hermoupoli, die Hauptstadt von Syros
Hermoupoli, die Hauptstadt von Syros

Die amphitheatrisch gebaute Hauptstadt von Syros, Hermoupoli, erinnert mit ihrem Hafen, der Werft, einigen klassizistischen Gebäuden, der gepflasterten Fußgängerzone, dem der Mailänder Skala nachempfundenen Opernhaus, ihren engen Gassen und der sich über einen Bergrücken erstreckenden Altstadt Ano Syros eher an eine italienische Hafenstadt. Die 22.000 Bewohner der Insel sind überwiegend römisch-katholisch, was sich etwa in Ano Syros dadurch zeigt, dass die Altstadt überragt wird von der imposanten San-Tzortzis-Kirche sowie je einem Jesuiten- und einem Kapuziner-Kloster. Der Rest der Insel ist reichlich nichtssagend: nackte Felshänge, Täler voller Schilf, zwischen ihnen Landwirtschaft. Wir umrunden die Insel im Uhrzeigersinn, fahren alle Badestrände ab. Am schönsten Strand, in Galissas, essen wir im Hafen zu Abend und übernachten - wie immer gratis - auf dem Kai.

Die Fahrt durch den Nordteil der Insel am nächsten Tag versöhnt uns ein wenig mit ihr. Wollten wir vorher nichts wie weg, so sind wir jetzt etwas friedlicher gestimmt. So nichtssagend, flach und schilfig der südliche Teil von Syros ist, so brutal-karg und unwirtlich ist der Norden. Dennoch haben ihm die Bauern hier über die Jahrhunderte Terrasse für Terrasse Ackerland abgetrotzt. Heute kultivieren sie Gemüse, vor allem aber Wein in den Berghängen. Und sie leben hier weit verstreut. Die Ortschaften bestehen aus wenigen Häusern. Aber drum herum liegen die schwer zugänglichen Anwesen weit verstreut in den Bergen, an und in den Terrassen. Vielleicht ist diese Abgeschiedenheit eine Erklärung für die verschlossenen, regelrecht abweisenden, harten Gesichter der Bewohner, die keinerlei Liebenswürdigkeit oder Lebensfreude ausdrücken und kaum zu einem Lachen fähig zu sein scheinen.

Blick vom Hafen auf Naxos Stadt
Blick vom Hafen auf Naxos Stadt

Ganz anders Naxos, das wir als nächste Insel mit der Fähre mitten in der Nacht anfahren. Hier begrüßt uns beim Aufwachen am nächsten Morgen die bekannteste Sehenswürdigkeit der Insel: das Tor des Apollo-Tempels - zum Greifen nah durch die Heckfenster. Wir haben auf einem Parkplatz keine fünfhundert Meter von ihm entfernt übernachtet. Auf der anderen Seite vernebelt uns die Gischt des Meeres den Blick auf die steilen Berge, und vor dem Fahrerhaus zieht sich die Chora, die Altstadt, mit dem Venezianischen Schloss und engen Gassen den Berg hinauf.

Obwohl in den steil aufragenden Bergen dichte, dunkle Wolken hängen, brechen wir nach Norden auf, wollen die Insel im Uhrzeigersinn umrunden. Kurve um Kurve windet sich die Straße an den Felsrücken entlang bis um die Nordspitze herum, bietet immer wieder neue Blicke tief hinunter aufs Meer und kleine Sandbuchten. Je höher wir uns durch die Berge hinaufschrauben - Naxos wird von mehreren Bergen überragt, deren höchster der Zas mit 1.004 Metern ist - umso dichter werden die Wolken, durch die wir fahren. Schließlich sehen wir kaum noch etwas und fahren wie durch Regen. Dennoch nehmen wir die zwölf Kilometer lange Abfahrt hinunter zur Badebucht Lionas in Kauf, vorbei am einzigen Schmirgel-Abbaugebiet Griechenlands, von dem aber auf dieser Strecke nur noch Fragmente einer Seilbahn und ein Museum zu sehen sind. Aktuell erfolgt der Abbau in einem gesperrten Gebiet weiter oberhalb.

Ferienanlage auf Naxos
Ferienanlage auf Naxos

Für unsere Tour nach Westen am nächsten Tag haben wir schönstes Urlaubswetter. Wir fahren - überwiegend auf festgefahrener, sandiger Naturpiste - entlang der Küste bis hinunter nach Pyrgaki. Immer wieder sehen wir nette, freie Strandabschnitte, allerdings sehr oft mit Felsplatten im Wasser. Liegestühle stehen fast nur vor den liebenswürdigen, blumengeschmückten, maximal zweistöckigen Ferienanlagen. Nett: viele Häuser haben an den vier Ecken Krönchen auf. Hinter einigen Stränden liegen Dünenzüge und weitgehend ausgetrocknete Überflutungsgebiete. Wir sonnen und schwimmen an der Beach nördlich von Mikri Vigla - einem Strand, den hauptsächlich Kite-Surfer bevölkern. Heute ist es denen aber nicht windig genug. So können wir ausgiebig baden.

Surferstrand auf Naxos
Surferstrand auf Naxos

Naxos als größte der Kykladen-Inseln gilt auch als die vielseitigste. Wir finden, es ist eine reizvolle Urlaubsinsel, die jedem etwas bietet: baden, sonnen, surfen, kiten, wandern, Quad fahren. Wir begegnen sogar, als einzige auf unserer gesamten Reise, einer Gruppe deutscher Radfahrer, die mit Begleitbus unterwegs sind. Nach Patmos ist es die zweite Insel, auf der wir uns mehr Zeit gewünscht hätten. Im Norden sind beide Küstenseiten felsig, durch Straßen gut erschlossen, vom Ackerbau geprägt, vor allem Gemüse, Zitrusfrüchte und Wein, weniger Oliven - ganz im Norden an den steilen Hängen auf Terrassen mit vielen Trockenbau-Stützmauern. In Richtung Süden dominiert zuerst der Tourismus, danach gibt es nur noch Landwirtschaft. Und was uns positiv und wohltuend auffällt, nach Kreta und anderen Inseln: hier gibt es nicht diese hässlichen Gewächshäuser aus Plastikfolien. Als Schwachpunkt sehen wir im Moment noch das Straßennetz. So gibt es an der Südküste keine Verbindung von Ost nach West.

Im Hafen von Naoussa auf Paros
Im Hafen von Naoussa auf Paros

Auf Paros, der nächsten Kykladeninsel unserer Reise, kommen wir nach einer dreiviertelstündigen Fahrt mal nicht mitten in der Nacht an, sondern um 19:15 Uhr. So können wir noch ein Stück fahren bis zu unserem ersten Übernachtungsplatz. Den wählen wir im Hafen von Pounta, von dem die Fähren und Ausflugsboote zur Nachbarinsel Anti-Paros abfahren. Von Pounta aus umrunden wir am nächsten Tag die Insel gegen den Uhrzeigersinn. Das Tal der Schmetterlinge - wie auf Rhodos mit dem Namen Petaloudes - schenken wir uns. Wir denken, dass die Schmetterlinge auch hier noch nicht geschlüpft sind. Bei Aliki finden wir einen wunderschönen, fast menschenleeren Strandabschnitt, an dem wir einen halben Tag baden. Nächstes Ziel ist Naoussa mit seinem meist-fotografierten, pittoresken Hafen. In seiner Umgebung suchen und finden wir den angeblich schönsten Strand der Insel bei Kolympthres - eine zwischen Felsrippen eingelagerte Sandbucht - der uns mit seiner Überbelegung aber überhaupt nicht begeistert. Zum Übernachten fahren wir auf eine der Hauptstadt gegenüberliegende Landzunge, Krios Beach, genießen bis spät in die Nacht die tolle Mondlicht-Stimmung durch die geöffneten Hecktüren, das unablässige Ein- und Auslaufen der Fähren und den fantastischen Blick auf die beleuchtete Hauptstadt. Anders als auf Naxos stehen die Häuser hier auf Paros auf großen Grundstücken weiter auseinander und haben abgerundete Dachkanten.

Am letzten Tag auf Paros fahren wir zuerst in die Stadt, entlang des Ufers zu den oberhalb der Stadt stehenden Windmühlen, dann hinauf in die Berge - vorbei an den Marmorbrüchen von Marathi - in das Bergdorf Lefkes und nach einem Rundgang durch die engen Gassen und einem Snack bei "Mama" weiter hoch bis zum Gipfel des 771 Meter hohen Ag. Pantes, der uns neben den acht Antennen, die ihn statt eines Gipfelkreuzes krönen, einen tollen Blick hinunter auf beide Seiten der Insel ermöglicht. Den Tag beschließen wir mit einem - nach griechischer Sitte - späten (frühestens ab 20:30 Uhr) Abendessen im Hafen von Naoussa, nach dem wir ungewöhnlich lange sitzen bleiben und die Atmosphäre in uns aufsaugen. Anders als ursprünglich geplant übernachten wir nicht auf dem Parkplatz von Naoussa, aus dem ich - weil komplett zugeparkt - mal wieder nur rückwärts und mit großer Mühe herauskomme, sondern fahren wieder zu "unserem" Platz an der Krios Beach. Dort werden wir morgen früh noch mal baden gehen und die Anfahrt zur nachmittäglichen Fähre ist von dort aus auch viel kürzer.

Wasserarmes Mykonos

Blick auf Mykonos Stadt
Blick auf Mykonos Stadt

Nach Mykonos, unserer nächsten Station, fahren von Paros keine normalen Fähren, sondern Speed-Katamarane. Unsere Fähre - "Highspeed 5" von Hellenic Seaways - fährt mit einem solchen Höllentempo, dass alle Fahrzeuge hinten mit Unterlegkeilen gesichert werden müssen und der Aufenthalt auf den offenen Decks während der Fahrt verboten ist. An Bord finden wir ein interessantes Faltblatt, das auf eine Kooperation mit der Krankenversicherung "Inter-American" hinweist, durch die alle Passagiere automatisch und kostenlos auf dieser Fahrt und sieben Tage danach eine Reise-Krankenversicherung genießen.

Nach knapp 40 Minuten sind wir auf Mykonos am New Port. Wir fahren zuerst einen Schlenker durch die Stadt, dann zurück zum Aimani-Hafen, wo wir kostenlos parken können und von wo aus wir eine große Runde durch die Hauptstadt laufen. Gemeinsam mit vielen männlichen Paaren und noch mehr Chinesen schlendern wir fotografierend durch den alten Hafen und die Chora mit ihren ungezählten Souvenir-Shops, Designer-Werkstätten, Tavernen und Restaurants. Wir laufen durch das von halbnackten, herumlümmelnden, mit ihren Smartphones beschäftigten Jugendlichen belegte "Little Venice" - ein Stadtteil, dessen Häuser je nach Geschmack malerisch-fotogen oder modrig-verwesend direkt am und im Wasser stehen. Oben drüber erreichen wir die legendären fünf Windmühlen, die sicher noch attraktiver wären, hätten sie Segel an den verrosteten Armen und würden - wie auf Patmos - von Elektromotoren gedreht. Leider liegt vor der Chora unten im Hafen die "M/S Reflexion", ein gigantisches Kreuzfahrtschiff, das nicht nur uns alle Bilder verdirbt - auch in den nächsten Tagen wird der Blick von oben nie ohne Kreuzfahrtschiff möglich sein. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz, von dem aus wir morgen früh schwimmen gehen können, scheitern wir zuerst kläglich in Ornos-Beach - eine Ferienanlage, enger Hafen mit einer Menge Jet-Skis, und dann in Platys Gialos - die Straße endet abrupt im Ort, keine Uferzufahrt. Über Ano Mera fahren wir zur Beach Kalo Livadi, wo wir auf einem großen Sand-Parkplatz übernachten - und von Mücken geplagt werden. Aber wenigstens können wir hier schwimmen.

Little Venice und Hafen von Mykonos
Little Venice und Hafen von Mykonos

Denn das wird - zumindest für uns - auf Mykonos die Ausnahme bleiben. Und wir haben uns die Mühe gemacht und sind alle bekannten und beworbenen Strände angefahren. Wobei die Zufahrten zu den Stränden, manchmal auch zu den Hotels und Ferienanlagen - zu den steilsten gehören, die wir jemals gefahren sind. Der Verkehr ist höllisch, die Straßen irre eng, Hektik völlig falsch am Platz, unglaublich viele Quads sind unterwegs - nicht selten mit zwei Bikini-Schönheiten besetzt. Kalafitis Beach ist total vermarktet, Hotels, voller Sonnenschirme. Der frühere Geheimtipp Panormos: voller Couches und Sonneninseln unter Sonnenschirmen. Ag. Sostis: mit Fahrzeugen kaum erreichbar, weil komplett zugebaut. Agrari-Beach: 30 Prozent Gefälle in der Zu- und Rückfahrt, unten Bademeister und "Watersports". Super Paradiso Beach: fast ebenso steil hinunter, unten Halli-Galli, Sonnenschirme siebenreihig, täglich Live-Musik, stündlich Busse aus der Hauptstadt. Paradiso-Beach: das gleiche Bild.

Der Rest der Insel ist total zersiedeltes, unansehnliches Acker- und Brachland. Wir können der Verwaltung von Mykonos nur unseren größten Respekt zollen, dass sie es verstanden hat, ein solch uninteressantes Stück Erde so zu pushen, dass die Insel dermaßen überlaufen ist. Noch dazu, wo Mykonos unter Wassermangel leidet. Das bisschen Grundwasser hat keine Trinkwasser-Qualität, nirgends sieht man Wasserhähne, auch nicht die sonst üblichen, schwarzen Wassertanks. Die Hotelanlagen werden von Wasser-Tankwagen versorgt. Wir füllen unseren Tank mit Mineralwasser. Neben dem Wasserproblem wird die Verwaltung auch dem Müll nicht Herr, vor allem nicht den riesigen Mengen an Plastikflaschen. Überall türmen sich neben den Müllcontainern Berge von Verpackungsmüll und schwarzen Müllsäcken. Und natürlich werden die Abwässer direkt ins Meer abgelassen. Wie das übrigens auch die täglich wechselnden Kreuzfahrtschiffe tun - die angeblich allerdings erst ab 1,2 Kilometer von der Küste entfernt.

Auf der Löwenterrasse von Leros
Auf der Löwenterrasse von Leros

Pflichtprogramm und Highlight jedes Mykonos-Besuchs ist der Ausflug auf die nur etwa eine halbe Stunde Fahrzeit entfernte Nachbarinsel Delos. Drei Schiffe fahren im Wechsel, sodass man nicht gezwungen ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder zurück fahren zu müssen. So können wir in aller Ruhe die Insel erkunden - wenn auch mit einer französischen und einer chinesischen Reisegruppe. Die armen Teufel müssen sich in der Gluthitze an jedem Stein und jeder Säule die langatmigen Erklärungen der beflissenen Fremdenführerinnen anhören. Die Ausgrabungen gelten als die größten Griechenlands. Und entsprechend ist ihre Ausdehnung. Vor allem die verschiedenen Heiligtümer sind bis hoch hinauf in die Berge gebaut, während das Amphitheater, das Stadion, das Museum und die berühmte Löwen-Terrasse sich im Tal ausbreiten. Über zwei Stunden laufen wir über die Insel und ihre wirklich beeindruckenden Ausgrabungen, nur nicht bis ganz nach oben zum Heiligtum des Apollo.

Zum Abschluss, die Urlaubsinseln der Athener

Zwei Inseln bleiben uns noch, dann wird uns die letzte Fähre nach Rafina bei Athen zurück aufs Festland bringen: Tinos und Andros, beides bevorzugte Urlaubsinseln der Athener. Die Fährfahrt von Mykonos nach Tinos durch den nur acht Kilometer breiten Tsiknia-Kanal dauert nur eine halbe Stunde. Nach Andros und Naxos ist Tinos die drittgrößte Kykladen-Insel und hat mit dem 713 Meter hohen Tsaknia ihre höchste Erhebung. Auf der Insel angekommen, kaufen wir wie immer als erstes eine Straßenkarte, laufen dann eine Runde durch die Altstadt bis hinauf zur unvergleichlichen Kirche Panagia Evangelista, deren wundertätige Ikone zweimal im Jahr Ziel Tausender gläubiger Griechen ist. Anschließend fahren wir auf der einzigen Hauptstraße der Insel diagonal bis zu deren Ende in Panormos Beach, wo wir im Hafen essen gehen und übernachten. Auf der Fahrt dahin machen wir Foto-Jagd auf die legendären Taubenhäuser, die überall auf der Insel stehen. Seit grauer Vorzeit züchten die Einwohner weiße Tauben, deren Eier und Fleisch sie als Delikatesse verzehren.

Typisches Taubenhaus auf Tinos
Typisches Taubenhaus auf Tinos

Auf der Rundfahrt über die felsige Insel machen wir in Pirgos Station und besuchen das von der EU mit drei Millionen Euro unterstützte, beeindruckende Museum des Marmorabbaus und seiner Verarbeitung. Baden auf Tinos ist nicht einfach. Von der hoch oben in den Bergen verlaufenden Ringstraße ist immer eine stattliche Anzahl von Kilometern und Serpentinen bis hinunter zu den Stränden abzuspulen.

Mittlerweile sind wir ja schon einigermaßen erfahrene Fährenbenutzer. Dennoch überträgt sich die Hektik im Hafenbetrieb von Tinos auch auf uns. Vier Schiffe, alle mit mindestens sechs Decks, laufen den Hafen innerhalb einer Stunde an. Es ist ein einziges Gewusel von Menschen und Maschinen. Wir haben Tickets für die "Blue Star Naxos". Etwa 40 Minuten vor deren Abfahrt kommt aber die "Blue Star Ithaka". Sicherheitshalber fahren wir mal an den Anleger. Und siehe da, sie ist heute unser Schiff. Weil wir aber nur bis zum ersten Halt auf Andros und nicht bis nach Rafina bei Athen mitfahren wollen, müssen wir lange warten, bis wir als letztes Fahrzeug, wie immer rückwärts, in die Fähre einfahren können.

Andros Stadt
Andros Stadt

Andros - die Insel der Seefahrt, die grüne Insel, die Urlaubsinsel der Athener. Was haben wir nicht für tolle Dinge über diese Insel gelesen: die reichen Athener würden die früheren, einmaligen, klassizistischen Reeder- und Kapitänshäuser als Feriendomizile für sich wieder herrichten. Die Häuser derjenigen also, die Andros in den 1920er Jahren zur reichsten griechischen Insel gemacht haben. Um es kurz zu machen: wir sind von Andros bitter enttäuscht. Außer einem wundervollen, fast einen Kilometer langen Sandstrand weitab der Hauptstadt haben wir nicht viel gefunden, das uns begeistert hätte. Weder in der Stadt Gavrio, in dessen Hafen die Fährschiffe anlegen, noch im angeblich kosmopolitischen Bathy oder in Andros Stadt haben wir die versprochenen, super renovierten Kapitänshäuser gefunden. Da sind wir von den wirklich tollen Kapitänshäusern auf Symi oder Chalki wohl zu sehr verwöhnt. Vor allem die Hauptstadt hat uns restlos enttäuscht. Sie mit morbidem Charme zu charakterisieren, wäre noch geschmeichelt, so verfallen, unaufgeräumt und verlassen, wie sie sich präsentiert. Wir können uns einfach nicht vorstellen, dass sich vermögende Athener hier wohlfühlen. Folgerichtig haben wir auch in keinem Hafen auch nur ein bemerkenswertes, höherwertiges Schiff gesehen. Und auch die kulinarische Spezialität der Insel passt in das Bild: Die Fourtalia ist ist ein deftiges Omelett mit Kartoffeln, einheimischer Wurst und Eiern - abgeschmeckt mit Pfefferminz. Klingt und schmeckt eher nach bevorzugter Leibspeise von schwer arbeitenden Fischern und Matrosen als von Reedern und Kapitänen.

Rückfahrt durch den Balkan

Schon im letzten Jahr wollten wir von unserer Kreta-Reise über Mazedonien, Albanien und Montenegro nach Deutschland zurückfahren. Dann aber waren wir so übersatt von Eindrücken und Bildern, dass wir auf die Fahrt durch den Balkan verzichtet und stattdessen eine Fähre von Griechenland nach Italien genommen haben. In diesem Jahr aber wollen wir uns unbedingt einen groben Eindruck von Albanien und Montenegro verschaffen. Sollte es uns gefallen, wollen wir in einem der nächsten Jahre durch den Balkan "cruisen".

Nach Albanien reisen wir nahe der griechischen Zagoria ein, genauer: nahe der Vikos-Schlucht. Der Grenzübertritt ist absolut unproblematisch. Ein Schild "welcome in albania" begrüßt uns, der Grenzbeamte spricht uns sogar auf Deutsch an, und der Zöllner bewundert mehr unser Reisemobil als er in den Schränken nach unangemeldeter Schmuggelware fahndet. Dann sind wir drin in Albanien, dem Land der Skipetaren, dem Land, das bis vor etwa 25 Jahren total abgeschottet war und sich nun irgendwie "finden" muss.

Gjirokastër
Gjirokastër

Gjirokastër, die an einem steilen Hang klebende, seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte "Stadt der tausend Stufen", ist eine der erstaunlichsten Albaniens. Besonders hier kann man noch die traditionelle albanische Bauweise der Häuser mit den grauen Schieferdächern, den Eingravierungen von Tieren oder Pflanzen in den Eingangsbereichen und den schweren, kunstvoll geschnitzten Holztüren bestaunen. Weniger beeindruckt sind wir von den Städten Sarandë, Vlorë und Durrës, die wir an der Küste anfahren. In ihnen ist der italienische Einfluss - die Italiener haben aktuell in mehr als 500 albanische Firmen investiert - unübersehbar. Wie ehedem an der italienischen Adria werden zehnstöckige Hotels in jede Nische an der Küste geknallt. Strand bleibt da kaum noch übrig. Aber das macht nichts, da baut man halt eine Pool-Landschaft zwischen die Riesenkästen. Und bleibt doch mal ein Fetzchen Sandstrand frei, wird er nach italienischem Vorbild mit Sonnenschirmen und Liegestühlen zugepflastert.

Die Uferstraße gilt als die wildeste Gebirgs-Küstenstraße Europas, was sie vor allem dem sensationellen, 1.055 Meter hohen Llogara-Pass direkt am Meer zu verdanken hat, wie wir meinen. Von Süden kommend klettern wir durch nackte Felsen ohne Bewuchs steil bergan - ein Bild wie am Timmelsjoch, allerdings zusätzlich mit freiem Blick hinunter auf das Meer und die nahe Insel Korfu. Richtig wild ist die Abfahrt Richtung Norden. Hier ist die Straße im dichten Wald des Llogara-Nationalparks teilweise komplett weggebrochen, zumindest stark beschädigt, mit tiefen Rinnen und Löchern.

Moschee in Shkodër
Moschee in Shkodër

Bei Shkodër reisen wir nach Montenegro ein, fahren entlang der Küste nach Budva, machen Fotos von der für unsereins nicht zugänglichen Hotelinsel Sveti Stefani, in der angeblich Hollywoodstars und sonstige Promis urlauben, dann weiter Richtung Norden rund um die Kotorbucht, passieren hinter der hässlichen Hafenstadt Herceg Novi die Grenze zu Kroatien und fahren entlang der Küste über Dubrovnik, Split, Rijeka und Südtirol zurück nach Deutschland.

Hotelinsel Sveti Stefani
Hotelinsel Sveti Stefani

Jederzeit wieder

Dreizehn Inseln in zwei Monaten, oder besser: zwölf Inseln in vier Wochen - die ersten vier Wochen verbrachten wir ja nur auf Kreta - , das bedarf einer gewissenhaften Vorplanung. Die Hauptarbeit abgenommen hat uns dabei Martina Vrana vom Agenturbüro Angelos Vasilopoulos in Stuttgart. Mit ihr haben wir auf der Messe CMT in Stuttgart die Grobplanung diskutiert, ihr dann unsere Vorstellung darüber gemailt, welche Inseln wir für etwa wie viel Tage bereisen wollen. Die Detailarbeit haben wir ihr überlassen - im Internet zu fahnden, welche Fährlinie zum Beispiel von Patmos zu den Kykladen fährt und dort auf welchen Inseln anlegt, dazu hatte ich absolut keine Lust. Der Vorteil dieses Vorgehens lag zudem darin, dass wir so bei vielen Passagen in den Genuss von 30 Prozent Rabatt kamen, weil wir - wann immer möglich - mit Schiffen der Attika-Group (Superfast, Anek, Blue Star) gefahren sind. Nur auf zwei Strecken kamen wir nicht in den Genuss der Prozente, obwohl wir mit einer Blue-Star-Fähre unterwegs waren. Den Rabatt hätten wir nur bekommen, wenn wir auch sie zusammen mit allen anderen Strecken gebucht hätten. Für die Passagen von Kreta nach Karpathos und von Karpathos nach Rhodos gab es vor unserem Start aber noch keine Fahrpläne. Und die Strecken Paros - Mykonos sowie Tinos - Andros und Andros - Rafina bei Athen konnte Frau Vrana auch nicht von Deutschland aus buchen. Die mussten wir vor Ort buchen, weil die von lokalen Fährunternehmen abgedeckt werden.

Anek-Fähre in Heraklion
Anek-Fähre in Heraklion

StreckeFähre1 PersonSprinterGesamt
Bari - PatrasSuperfast II50,36 €74,53 €175,25 €
Patras - PiräusAnek Olympic35,00 €112,00 €182,00 €
Heraklion - Karpathos* Anek Preveli18,00 €138,00 €174,00 €
Karpathos - Rhodos*Anek Preveli12,00 €114,00 €138,00 €
Tagesausflug Symi-18,00 €-36,00 €
Rhodos - KosBlue Star 223,00 €74,00 €120,00 €
Kos - PatmosBlue Star 219,00 €74,00 €112,00 €
Patmos - SirosBlue Star Siros32,00 €102,50 €166,50 €
Siros - NaxosBlue Star Naxos14,50 €44,00 €73,00 €
Naxos - ParosBlue Star Delos10,00 €44,00 €64,00 €
Paros - Mykonos*HS Highspeed 529,50 €54,00 €113,00 €
Tagesausflug Delos-18,00 €-36,00 €
Mykonos - TinosBlue Star Athiki7,50 €38,50 €53,50 €
Tinos - Andros*GS Superferry II11,00 €60,00 €82,00 €
Andros - Rafina*FF Theologos P17,00 €90,00 €124,00 €
Gesamtsummen:629,72 €1.019,53 €1.649,25 €

* = vor Ort gebucht

Interessant finde ich, dass unser Sprinter nicht einmal das Doppelte der Tickets für uns beide gekostet hat. Vor allem, wenn ich die große Differenz zwischen Personen und Sprinter bei der Anek-Line Preveli betrachte. Und was die Gesamtkosten angeht, stelle ich prophylaktisch einfach mal die Rechnung auf, dass die rund 1.650 Euro auch fällig geworden wären, wenn wir an 82 Tagen für 20,00 Euro auf kostenpflichtigen Stell- oder Campingplätzen übernachtet hätten. Wir aber sind sogar an 92 Tagen ohne sie ausgekommen, haben "free camping" genächtigt.

Inselhopping, das heißt alle paar Tage Hoch-Spannung und volle Konzentration. Das, was Pauschaltouristen nur zweimal pro Urlaub durchstehen müssen, zum Hin- und Rückflug, das wird beim Inselhopping alle paar Tage fällig. Es beginnt damit, zum richtigen Zeitpunkt im Hafen zu sein (zwei Fähren starteten vormittags, fünf am Nachmittag und sechs zwischen 20:00 und 23:55 Uhr). Die Hektik war am schlimmsten, wenn wir früher als eine Stunde vor Abfahrt im Hafen waren. Zum Beispiel in Naxos. Da mussten wir das Gewusel und die Hektik von vier Fährabfahrten aussitzen, bis endlich unsere Fähre mit einer halben Stunde Verspätung einlief. Das war umso nerviger, als wir wegen der hohen Gebäude nur eingeschränkte Sicht auf die Kais hatten. Kamen wir andererseits sehr spät im Hafen an, hatten wir einige Schwierigkeiten, uns durch die Taxen, Omnibusse, Minibusse, Privatwagen und die Menschentrauben hindurch zu quälen, die auf ankommende Passagiere warteten. Es war halt jedes Mal ein gewisses Abenteuer.

Highspeed-Fähre auf Paros
Highspeed-Fähre auf Paros

Bei der Durchsicht unserer Bilder haben wir festgestellt, dass wir vor lauter Faszination über das Durcheinander in den Häfen beim Einlaufen von Fähren kaum Fotos gemacht haben. Dieses Prozedere läuft fast immer nach dem gleichen Muster ab: Die Fähre muss um 180 Grad drehen, weil sich die Einfahrt grundsätzlich am Heck befindet. Während sie sich noch dreht und noch lange nicht angelegt hat, werden bereits die Rampen abgesenkt, und die ersten Passagiere und PKWs drängen in die Startposition hinter der Absperrung auf dem Schiff. Ist der Pott endlich mit Tauen fixiert und die Rampen sind komplett abgesenkt, ergießt sich eine unübersehbare Menschenmenge mit Rollkoffern, Rucksäcken, Kartons, Kisten und Tragetaschen aller Art über den Laufsteg. Daneben kann es den Pkw-Fahrern nicht schnell genug gehen, auf festen Boden zu gelangen. Der Strom ist noch gar nicht abgeebbt, wird der überdachte Warteraum geöffnet. Und nun rennen hundert bis zweihundert Menschen wie verrückt über den heißen Asphalt, um einen guten Platz für die Überfahrt - und zum Schlafen in einer der Bars der Fähre - zu ergattern. Erst jetzt beginnt auch für die Fahrzeuglenker die Hektik. Mit wildem Gepfeife und Gestikulieren versuchen Hafenpolizisten und -innen plus Fährpersonal eine gewisse Ordnung und Reihenfolge in die drängelnde Blechlawine zu bringen. Die LKWs kommen zuerst. Rückwärts müssen die Fahrer ihre 44-Tonner die Rampe hinauf und durch das Deck Richtung Bug rangieren. Hat die Fähre zwei Auffahrrampen, können die PKWs gleichzeitig nebenan ins Schiff, je nach Beladung mal vor- mal rückwärts. Und dann muss das Verladepersonal auch noch darauf achten, zu welchen Zielorten die Fahrzeuge unterwegs sind. Einmal mussten wir in einem Hafen, obwohl noch nicht an unserem Zielort, raus- und nachher wieder reinfahren, um ein paar Trucks rauszulassen, die hinter uns eingeparkt waren. Und nicht selten wurden wir aus der Schlange herausgewunken und mussten seitlich warten, um als letztes Fahrzeug aufzufahren, weil wir nur bis zur nächsten Insel und nicht bis zum Endhafen Piräus fahren wollten. Wenn ich ehrlich bin, das war mir immer am liebsten. Dann kam ich um die Blindflugmomente herum, die entstehen, wenn man rückwärts - die pralle Sonne auf der Windschutzscheibe, absolute Dunkelheit in den Außenspiegeln - nur nach dem hektischen Gepfeife und wildem Herumgezappel der Einweiser in die Fähre einfahren muss. Denn nach oben schaut keiner dieser Spezialisten. Da ist mir manchmal mulmig, ob ich nicht unter Querträgern oder Verstrebungen des Schiffes hängen bleibe. Verständlich also, dass ich froh bin, wenn ich rückwärts fahrend den Sprinter nicht bis in die hintersten Winkel der Fähre rangieren muss. Andererseits hatten wir gerade mit den Einweisern auch viel Spaß. Vor allem, wenn wir nach ein paar Tagen wieder mit dem gleichen Pott unterwegs waren.

Parkprobleme auf Andros
Parkprobleme auf Andros

Inselhopping, das ist aber auch, sich alle paar Tage mit einer völlig neuen Umgebung auseinander zu setzen. Ganz bewusst hatten wir uns nicht mit einer Batterie Reiseführern eingedeckt. Wir wollten die Inseln unvoreingenommen erkunden. Als erstes haben wir deshalb immer eine Straßenkarte der jeweiligen Insel gekauft und sie bei einem Frappé oder Kaffee "ausgewertet". Alle hatten, gleichgültig von welchem Verlag, eine zumindest englische, oft auch deutsche, Informationsleiste, aus der wir die Historie, den geografischen Aufbau und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Insel entnehmen konnten. Witzig und anstrengend dabei, dass die Karten, nur um auf eine einheitliche Gesamtgröße gebracht werden zu können, in den abenteuerlichsten Maßstäben gedruckt waren: 1 : 65.500, 1 : 44.700, 1 : 63.700, 1 : 45.000, 1 :32.000 oder 1 : 28.000. Da sind Geodreieck und Taschenrechner im Dauereinsatz.

Mindestens genauso unterschiedlich wie diese Maßstäbe waren die von uns bereisten Inseln. Selbst die dicht zusammen liegenden Kykladeninseln unterscheiden sich recht deutlich voneinander. In ihrer Größe, ihrer Geografie, ihrem Bewuchs, vor allem aber auch in der Art ihrer Besiedlung und Bebauung. Aber genau das macht das Inselhopping ja so spannend und interessant. Und es sorgt für unterschiedliche Bewertungen. So sind Christas Favoriten nach dieser Reise die Inseln Kapathos und Patmos, auf denen sie sich längere Urlaubsaufenthalte vorstellen könnte. Ich hingegen tendiere eher zu Karpathos und Naxos - auf Patmos hätte ich auf dem Fahrrad alle Straßen in einem Tag durch.

Gedränge im Hafen von Heraklion
Gedränge im Hafen von Heraklion

Bliebe am Ende noch zu beantworten, ob die Routenplanung und die Aufenthaltsdauern auf den einzelnen Inseln in der geplanten Länge okay waren. Absolut richtig war sicher, im Süden - auf Kreta - zu beginnen und die Route entgegen dem Uhrzeigersinn zu wählen. Im April ist es auf Kreta wärmer als auf den anderen Inseln, auf den zuletzt besuchten Kykladen dafür im Juni weniger heiß als auf Kreta. Bei den vorgeplanten Aufenthalten auf den einzelnen Inseln, die wir in erster Linie nach ihrer Größe gewählt hatten, könnten wir uns leichte Änderungen vorstellen: Rhodos, Kos, Mykonos und Syros kürzer, Patmos, Naxos und Paros länger. Wie wir im Nachhinein festgestellt haben, hätten wir ab Syros unser Programm aber auch diesmal schon durchaus ändern können. Auf den Kykladen kreuzen jede Menge Fährlinien, die täglich irgendwie alle Inseln anfahren. Der Ticketkauf in den Fährbüros nahe der Häfen ist meist eine Sache von maximal einer Viertelstunde. Und das Gedränge im Hafen und auf den Fähren kann gar nicht dicht genug sein: anders als die Fähren zwischen Italien und Griechenland mit ihrem begrenzten Angebot von "Camping an Bord" haben die innergriechischen Fähren immer zeitnah Platz für ein Reisemobil und zwei Passagiere.